Viele Tausend Seemeilen hat er zurückgelegt, die schwimmenden Müllhalden auf unseren Ozeanen beobachtet, etliche Podestplätze und Titel geholt und an den letzten drei America’s Cups die Winschen von Alinghi und Oracle gekurbelt, als er sich schliesslich die alles entscheidende Frage stellte: „Was machst du aus deinem Leben, wenn du deinen Traum schon verwirklichst hast?“ Nachdem Christian Karcher das Ausmass des vom Menschen verursachten CO2-Abdrucks in seiner ganzen Tragweite erkannt hatte, beschloss er, umweltschonende Boards für das Stand-Up-Paddling herzustellen. Sein Projekt taufte er nach dem SUP der Firma S3 Boards „Brown Sugar“.

Schön, schnell und umweltgerecht: Auf seinem Brown Sugar wird Christian Karcher nicht mehr von den Möwen ausgelacht. © S3 boards
„Vor eineinhalb Jahren stand ich auf einem SUP und hatte das komische Gefühl, dass sich die Möwen über mich lustig machten“, erzählt der Gründer von S3 Boards. „Sie hatten recht: Der Schwimmer unter meinen Füssen passte überhaupt nicht ins Umfeld.“ Dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmte, erklärt er sich so: „82 Prozent der Boards werden in Malaysia hergestellt, 13 Prozent stammen aus China“, sagt Christian Karcher und weist darauf hin, dass 30 Prozent des Kaufpreises auf den Transport entfallen. Die durch die Produktion und die Beförderung verursachte Umweltbelastung sei immens. „Diese SUP werden aus Erdöl unter nicht gerade vorbildlichen Arbeitsbedingungen hergestellt. Ausserdem sind viele nicht wirklich schön anzusehen.“ Ausgehend von diesen Erkenntnissen und der Feststellung, dass es während 80 Prozent der Zeit nicht genügend Wind zum Segeln und auch nicht genügend Wellen zum Surfen hat, hat sich ihm die Idee, SUP nach den Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung herzustellen, beinahe aufgedrängt.
Schön, schnell, ökologisch
Seine unternehmerische Tätigkeit startete Christian Karcher in Larmor Baden am Golfe du Morbihan in der Bretagne. Er zog die Schiffskonstrukteure von Bañulsdesign bei, „weil ich Lösungen in meiner Nähe finden wollte und weil ein SUP mehr Ähnlichkeiten mit einem Boot als mit einem Surfbrett hat“, so Karcher. Seine Anforderungen: ein schönes und schnelles Board mit möglichst umweltschonender Herstellung. Für ein solches Unterfangen muss man die besten Fachleute um sich scharen. Auf der Suche nach den geeignetsten Materialien wandte sich Christian Karcher zunächst an die Forscher der Universität Bretagne Sud und nahm Kontakt mit den Verantwortlichen der Firma Kairos in Concarneau auf. Sie führt gerade einen Versuch mit einem Boot aus Bio-Verbundstoffen durch, das diesen Sommer seinen ersten Törn in der Bretagne unternehmen soll (mehr dazu in der nächsten Skippers-Ausgabe). Entstanden sind drei Prototypen, die in allen Situationen auf dem Wasser getestet und einem Life Cycle Assessment unterzogen wurden. Die Schwimmer sind so gestaltet, dass sie nicht aufs Wasser aufschlagen, sondern in die Wellen einstechen. Die Ergebnisse der Ökobilanz liegen noch nicht vor, sollten aber zufriedenstellend sein, sodass mit der Produktion bereits begonnen wurde. In die Negativform wurde im Sandwich-Infusionsverfahren ein Leinen-Kork-Zellulosegemisch eingespritzt, der Kern des SUP besteht aus 20 Prozent recyceltem und 100 Prozent recycelbaren Polystyrol. Von Dezember 2012 bis April 2013 wurden im bretonischen Ploemeur in einem Unternehmenspool acht Vorserien produziert. „Die zwei Angestellten schafften zwei SUP pro Woche“, hält Christian Karcher fest.
Lokalproduktion als Priorität
Das in Anlehnung an seine braune Farbe und an den Song der Rolling Stones getaufte SUP von S3 Boards soll Kunden überzeugen, die sich ein schönes, einfach zu handhabendes und möglichst umweltschonendes Produkt wünschen. In diesem Sinn und aus Gründen der Kohärenz ist die Transportfrage für Christian Karcher besonders wichtig. Bei Einzelbestellungen nutzt S3 Boards den Bahntransport. Sollten sich Märkte auftun, die sich in einiger Entfernung zur Bretagne befinden, zum Beispiel in Südfrankreich oder in der Schweiz, möchte S3 Boards örtliche Werften, die sich mit dem Infusionsverfahren auskennen, mit der Herstellung beauftragen. Mit der Lokalproduktion der SUP Brown Sugar liessen sich der Transport und somit die Auswirkungen auf die Umwelt begrenzen. „Ich versuche einen globalen Ansatz zu verfolgen und Nachahmer zu finden“, betont Christian Karcher, der jetzt unter den amüsierten Blicken der Möwen paddelt. Sie lachen zwar, lustig machen sie sich aber nicht mehr über ihn!
Weitere Infos unter s3boards.com

Weil das SUP mehr Ähnlichkeiten mit einem Boot als mit einem Surfbrett hat, arbeitete Christian Karcher mit den Schiffskonstrukteuren von Bañulsdesign zusammen. © Bañulsdesign
