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Die Legitimität des Multihulls wurde in bestimmten Kreisen gestärkt

von Quentin Mayerat

Letzten Sommer wurden Sie von Russell Coutts gefragt, ob Sie nicht an der Organisation des 34. America’s Cup mitwirken wollen. Weshalb haben Sie das Angebot ausgeschlagen?
Vor allem aus persönlichen Gründen. Ich habe es mir genau überlegt, denn es ist eine einmalige Gelegenheit, aber ich habe mich mit mei- ner Familie gerade in Chamonix niedergelassen und wollte nicht schon wieder umziehen. Aus- serdem hätte meine Funktion als CEO und Regatta Director Handels, Kommunikations und Marketingtätigkeiten ausgeschlossen und die liegen mir sehr am Herzen. Schliesslich wollte ich auch meine Firma und die Leute, mit denen ich arbeite, nicht im Stich lassen. Deshalb bin ich zum Schluss gekommen, dass es nicht der richtige Moment für mich ist.

Was halten Sie vom neuen Format?
Die Mehrrumpf-Boot-Variante ist interessant, aber es bleibt abzuwarten, wie viele Teams schliesslich melden. Was für die Medien unter- nommen wird, ist lobenswert. Dass der Event spektakulärer werden soll, sehe ich durchaus positiv, doch man sollte darüber nicht vergessen, dass es sich um den ältesten Sportpokal der Welt handelt und die Wahrung der Traditionen deshalb wichtig ist. Man kann nicht alle Brücken hinter sich abbrechen.

Sehen Sie den America’s Cup auf 90-Fuss-Multihulls im Jahr 2013, dem ein Event auf 45-Fuss-Katamaranen vorausgeht, eher als Bedrohung oder als Glücksfall für den Extreme Sailing Circuit?

Er wird sich wahrscheinlich eher positiv auswirken, aber der Cup ist der Cup! Man kann sich für die Gestaltung seines eigenen Circuits nicht an ihm orientieren. Die 34. Ausgabe wird auf Mehrrümpfern ausgetragen, doch vielleicht wird die nächste bereits wieder auf Einrümpfern gesegelt. Im Übrigen funktionieren beide Touren sowohl für die Organisa- toren als auch für die Teams mit völlig unterschiedlichen Budgets. Es könnte also durchaus sein, dass einige Teams im Jahr 2011 für den Cup auf Extreme 40 trainieren, dann aber 2012 aus der Tour aussteigen. Es wäre auch denkbar, dass einige Challenger das für den Cup nötige Geld nicht auftreiben können und bei uns mitmachen. Als der Cup auf Einrumpfbooten hätte gesegelt werden sollen, mischten Alinghi, Oracle und TeamOrigin in unserem Circuit mit. Wir halten deshalb an unserem Konzept fest und möchten weder den Event noch die Strategie nach dem Cup ausrichten, obwohl nicht abgestritten werden kann, dass er in gewissen Kreisen die Legitimität des Multihulls stärkt.

Die Extreme 40 Sailing Series gehen in ihre fünfte Saison. Im letzten Jahr mussten sie ohne Hauptsponsor aus- kommen. Wie sieht ihre Zukunft aus?

iShares wurde im letzten Jahr von einem ande- ren Konzern übernommen. Die Marke änderte ihren Namen kurz vor dem Start des iShares Cups, zu spät also, um einen neuen Titelspon- sor zu finden. Also haben wir kurzerhand beschlossen, selbst in die Saison 2010 zu inves- tieren und attraktive Packages für Sponsoren geschnürt, bei denen der spektakuläre Aspekt der Regatten und die Nähe zum Publikum im Vordergrund stehen. Der Andrang ist enorm. Es melden sich Dutzende Städte auf allen Kon- tinenten, die ein Event der Extreme Sailing Se- ries ausrichten möchten.

Der Wettbewerb zwischen den Organi- satoren internationaler Circuits ist gross und es wird mit harten Bandagen gekämpft. Glauben Sie, dass wir das Limit erreicht haben oder meinen Sie, dass sich noch einige einen Platz an der Sonne verschaffen können?
Ich glaube nicht, dass es im Segelsport zu viele Wettkämpfe gibt, das Problem ist eher die mangelnde Organisation. In anderen Sportarten, besonders im Motorsport, gibt es eine Unmenge Klassen, doch ihr Ver- band ist stärker, so dass alle dank strenger Regeln nebeneinander be- stehen können. Die Sponsoren brauchen mehr Übersicht und klarere Strukturen, obwohl das Publikum auf seine Kosten kommt. Davon ab- gesehen möchten immer mehr Städte Segelanlässe ausrichten und sie sehen keine Konkurrenz zwischen den verschiedenen Formaten. Durch diese Vielfalt haben die Sponsoren eine grössere Auswahl und die verschiedenen Events können sich gegenseitig ergänzen. Hochseeregat- ten wie die MOD oder das Volvo haben nichts mit den räumlich nahen Extreme-40-Anlässen zu tun, aber für Sponsoren und Teams ergänzen sie sich hervorragend.


Sie sind seit zwei Jahren im Mittleren Osten und dort vor allem in Oman aktiv. Ist das das neue Eldorado des Segelsports?

Oman ist ein Projekt für die Omaner, mit dem Werbung für das Sultanat und für den Segelsport gemacht wird. Vor drei Jahren segelte dort drüben niemand, mittlerweile hat es das Team an den Extreme Sailing Series auf das Podest geschafft. Knapp 5000 Omaner segeln in Clubs oder Schulen. Sie machen spektakuläre Fortschritte und die Entwick- lung steht erst am Anfang. Stellen Sie sich vor: In Oman gibt es 2000 km nahezu unbebaute Strände. Zum Segeln ein traumhafter Ort! Das Scheichtum denkt sehr weit in die Zukunft.

Sie haben gerade erst Büros in der Schweiz eröffnet. Hat das einen bestimmten Grund?

Wir haben uns mit der Outdoor-Eventfirma Third Pole

zusammenge- schlossen. Sie wird von Rémi Duchemin geleitet und organisiert unter anderem den Genfer Marathon. Rémi ist CEO der neuen Gruppe OC Third Pole, die unsere Filialen in England, Frankreich und der Schweiz umfasst. Ich bin als Executive Director tätig. Gemeinsam werden wir uns weiter- hin auf die Organisation von Outdoor- und Segelevents konzentrieren.

Sie haben eng mit Ellen MacArthur zusammengearbeitet. Wie stehen Sie heute zu ihr? Durch die Fusion haben ich Ellens Anteile an der Firma aufgekauft. Sie hat gerade ihre Stiftung für nachhaltige Entwicklung gegründet und möchte sich dort voll und ganz engagieren. Wir sind noch immer befreundet und ich amte als Präsident der Vereinigung Ellen Mac Arthur Cancer Trust, die wir 2002 gegründet haben, um krebskranken Kindern die Möglichkeit zu bieten, ihre Krankheit bei viertägigen Segelkursen auf dem Meer zu vergessen. Ellen ist jeweils als Betreuerin mit dabei.

Sie haben bisher an jedem World Yacht Racing Forum teilgenommen. Was erwarten Sie von einem solchen Anlass und müsste er nicht häufiger stattfinden?

Es ist eine sehr gute Plattform mit hochkarätigen Teilnehmern. Selten sind so viel

e Vertreter der Segelszene zwei Tage lang an einem Ort vereint und es wäre bestimmt schwierig, eine solche Veranstaltung mehr als einmal im Jahr durchzuführen. Es gibt noch Verbesserungsbedarf, aber das wissen die Organisatoren, und es sollte verhindert werden, dass der rein kommerzielle Aspekt den Austausch in den Hintergrund drängt. Es soll ein richtiges Forum bleiben, das uns die Möglichkeit verschafft, das Segelbusiness zu verbessern.

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