Nur wenige Werften sind seit 30 Jahren im Geschäft und noch weniger bauen schöne, zeitlose Boote. Latitude 46 aber tut mit ihren Tofinou beides. Rückblick auf drei Jahrzehnte Bootsbaugeschichte.
Die Erfolgsgeschichte von Latitude 46 begann auf der Ile de Ré vor der französischen Atlantikküste. Dorthin hatte es Philippe Joubert – den Bruder des 2016 verstorbenen Konstrukteurs Michel Joubert – verschlagen, nachdem er mehrere Jahre unter Segeln die Antillen erkundet hatte. Joubert wollte auf der Insel eine kleine Bootswerft eröffnen. Im Wissen um seine Pläne beauftragte ihn der Besitzer eines alten Holzbootes mit dessen Restaurierung. Das Unikat namens Tofinou faulte unter einer zerschlissenen Plane vor sich hin und war in einem katastrophalen Zustand. Es war 1929 vom Kapitän Merle gezeichnet worden und wurde von seinem Besitzer, der im ehemaligen Königreich Dahomey im heutigen Benin gelebt hatte, nach einem dort ansässigen Stamm Tofinou getauft, was übersetzt „Leute des Meeres“ bedeutet. Philippe setzte das noch immer fahrtüchtige Segelboot instand. Er war so angetan vom Design der Jacht und ihrem platten Rumpf, dass er eine Form herstellte. Damit besiegelte er die Geburt der nach ihrer geografischen Lage benannten Werft Latitude 46.
Noch immer ein Bestseller

Französischer Pioniergeist

Tofinou-Regatta mit Staraufgebot
Die Organisatoren der traditionellen Voiles de Saint-Martin-Loix, an der jedes Jahr eine beachtliche Flotte Tofinou 7 teilnimmt, hatten dieses Jahr die zündende Idee, einen weiteren Regattatag anzuhängen und dazu namhafte Skipper einzuladen. Lionel Lemonchois, Jean-Luc Nélias und andere Koryphäen sind der Einladung gefolgt. Der Werftchef teilte den Stars per Los eine der zwölf Tofinou 7 zu. Wie sich die Teams und ihr neuer Kapitän organisierten, war ihnen überlassen. Profis aus dem Olympiasegeln wie Christine Briand und America’s-Cup-Teilnehmer wie Jules Mazars auf den gutmütigen Tofinou 7 segeln zu sehen, ist ziemlich ungewöhnlich. Sie waren ganz schön gefordert, denn es ist nicht jedermanns Sache, die eher langsamen, schweren Boote auf Kurs zu halten, vor allem, wenn man wenig Erfahrung mit kleinen One-Design-Booten hat. Die Teilnehmer versuchten das Beste aus der Situation zu machen, was mal weniger gut, mal besser gelang. Sie steuerten die in den kurzen Wellen stark schaukelnden Boote, versuchten die Kränkungswinkel durch Trimmen der Grossschot und der Backstag so gering wie möglich zu halten und durch Dichtholen der Fockschot um gute fünf Zentimeter etwas mehr Druck in die Segel zu bringen. Am besten gelang dieses Kunststück Jules Mazards aus La Rochelle.