Segler müssen beim Planen ihres Ozeantörns heute doppelt achtsam sein. Durch den Klimawandel nehmen extreme Wetterphänomene zu und die Jahreszeiten geraten durcheinander.

Der Klimawandel verstärkt zudem Wetterextreme. Besonders deutlich wird das beim Klimaphänomen El Niño, bei dem sich das warme Wasser aus dem Westpazifik nach Osten verschiebt. Dadurch kommt es in Australien und Indonesien zu Dürreperioden und auf dem amerikanischen Kontinent zu sintflutartigen Regenfällen. Falls die globale Temperatur weiter steigt, wird El Niño nach wissenschaftlichen Erkenntnissen doppelt so häufig auftreten, das heisst nicht mehr nur alle zwanzig, sondern alle zehn Jahre, und zudem deutlich heftiger ausfallen.
Vorsicht Wirbelsturmgefahr
El Niño wütet meist rund ein Jahr und hat erhebliche Auswirkungen auf die Schifffahrt. Die pazifischen Passatwinde lassen nach oder kehren um und in der Mitte des Ozeans droht steifer Wind, erklärt Wenju Cai, der am australischen Institut CSIRO forscht. Seine Studien zeigen, dass Wirbelstürme im Westpazifik künftig seltener werden, dafür rund um Hawaii zunehmen. Ausserdem könnten sich im Südpazifik heftige Zyklone bilden und Regionen wie etwa Polynesien treffen, die solche Ereignisse bisher nicht gewohnt waren.
Im Atlantik sind die Wetterbedingungen während eines El Niños stabiler, verschlechtern sich aber während eines La-Niña-Ereignisses und verursachen dann mehr Wirbelstürme. La Niña ist das Gegenstück von El Niño und folgt meist auf ihren Bruder. Das Wetterphänomen verstärkt den Passat im Pazifik und kühlt das Wasser im Osten des Ozeans ab. Auch diese Anomalie hält rund ein Jahr an und wird durch die globale Erwärmung vermutlich doppelt so häufig in Erscheinung treten.
Pilot Charts aktualisieren
Durch die vermehrten und verstärkten Klimaextreme werden Wind, Seegang und Stürme immer schwieriger voraussehbar. Für Segler wird es schwer sein, Langstreckentörns mit der nötigen Präzision zu planen. Die Pilot Charts, die auf monatlicher Basis statistische Daten zu Windstärke und Wellenhöhe auflisten, werden unzuverlässiger. Jimmy Cornell veröffentliche 2011 einen Atlas mit aktualisierten Pilot Charts. Diese Daten seien zuverlässiger, da sie auf Satellitenbeobachtungen der NASA der letzten zwanzig Jahre beruhen, während herkömmliche Karten auf subjektiveren, von Seglern erhobenen Informationen basieren, sagt der renommierte Blauwassersegler und Autor des Bestsellers Segelrouten der Welt. Wenn es nach ihm ginge, müssten die Pilot Charts alle fünf bis sieben Jahre aktualisiert werden. Er bereitet daher gerade eine neue Auflage seines Atlasses vor.
Die Jahreszeiten spielen verrückt

Auf die Frage, mit welchen grossen Veränderungen die Schifffahrt in den nächsten Jahren rechnen muss, antwortet er: „Was in den nächsten zwanzig Jahren auf uns zukommt, kann niemand wissen. Sicher ist nur, dass sich die Situation verschärfen wird. Wir Segler müssen unsere Reisen umsichtiger planen, vor allem, wenn die Fahrt in Gebiete führt, die von Tropenstürmen heimgesucht werden.“

