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Luc Talbourdet

von Quentin Mayerat
Die Vendée Globe ist seit drei Monaten zu Ende. Welche Bilanz ziehen Sie?

In Bezug auf das Medienecho fällt die Bilanz schon mal sehr positiv aus. Nach unseren Berechnungen ist die Medienpräsenz im Vergleich zur letzten Ausgabe um 68 Prozent gestiegen. Eine Million Menschen haben sich in den drei Wochen vor dem Start in Les Sables d’Olonne eingefunden. Von 9 bis 20 Uhr war der Hafen schwarz vor Menschen, so etwas habe ich noch nie gesehen. Segeln oder zumindest die Vendée Globe stösst in der Öffentlichkeit auf immer grösseres Interesse. Das ist für unsere Partner wichtig. Auch sportlich war das Rennen fesselnd. Die fünf Ersten lieferten sich auf dem Atlantik einen tollen Kampf, danach folgte ein fantastisches Duell im Indischen Ozean und die Verfolgergruppe sorgte ebenfalls für Spannung. Mit zwanzig gestarteten Booten lag die Beteiligung im guten Mittelfeld, angesicht der Konjunktur können wir damit zufrieden sein. Ein Schwachpunkt sind aber die Kiele. Das Problem muss bald gelöst werden.

„Segeln oder zumindest die Vendée Globe stösst in der Öffentlichkeit auf immer grösseres Interesse. Das ist für unsere Partner wichtig.“ © Absolute Dreamer

 

Es wurde viel über die Zukunft und die mögliche Einführung eines Einheitsbootes diskutiert. Wie weit sind Sie in diesem Punkt?

Ich spreche lieber von Klassenprototypen als von Einheitsklasse. Davon abgesehen zieht der Verwaltungsrat der IMOCA mehrere Szenarien in Betracht, die entweder in einer verstärkten Standardisierung oder in der Weiterentwicklung der gültigen Vermessungsvorschriften münden. Entscheidend wird wohl der Kostenfaktor sein. Bei den Änderungen geht es darum, jungen Seglern den Zugang zur Klasse zu erleichtern. Welcher Weg auch immer eingeschlagen wird, wichtig ist, dass die bereits gebauten Boote auch in Zukunft in der Klasse segeln können. Das heisst also, dass im Fall einer Standardisierung im Rahmen der Vermessungsvorschriften möglichst schnelle Boote in mehreren Exemplaren gebaut werden sollen und die anderen Boote weiterhin teilnehmen können. Bei diesem Szenario würde es eine Übergangsphase geben. Fällt die Wahl hingegen auf eine Weiterentwicklung der aktuellen Vermessungsregeln, werden die nötigen Massnahmen getroffen, damit die Boote ihre Kiele nicht mehr verlieren. Die Entscheidung wird an der nächsten Generalversammlung getroffen. Im Frühling werden wir klarer sehen.

 

Werden die geplanten Änderungen das Problem des frühzeitigen Ausscheidens der Konkurrenten anpacken, das immer wieder viele Fragen aufwirft? Ist eine Vendée Globe nur dann perfekt, wenn alle Gestarteten das Rennen beenden?

Überhaupt nicht! Das Ausscheiden gehört zur Schwierigkeit. Wenn niemand mehr aufgeben müsste, würde das bedeuten, dass die Regatta gar nicht so schwierig ist. Eine Weltumsegelung ist hart und genau das lieben ja die Leute. Wenn alle ins Ziel kommen würden, hätte die Regatta nichts Abenteuerliches mehr und würde uninteressant. Dass der Verlust eines abgenutzten oder schlecht dimensionierten Kiels die Skipper zur Aufgabe zwingt, ist hingegen bedauerlich. Der Fall Javier Sanso war diesbezüglich typisch; er tat mir wirklich leid. Die Klasse muss Lösungen finden, damit keine solchen Havarien mehr auftreten. Sie hat sich der Sache auch bereits angenommen. Ansonsten finde ich es durchaus akzeptabel, wenn bei einem Rennen wie diesem etwas über die Hälfte der Gestarteten ins Ziel kommen.

Die Vendée Globe ist und bleibt das Highlight der IMOCA-Klasse. Zwanzig Boote nahmen an der letzten Austragung teil, elf kamen ins Ziel. © Gregorio Cunha

Haben Sie eine feste Meinung oder eine Vorahnung, wie entschieden wird?

Meine Rolle als Präsident besteht darin, dass ich alle Hypothesen äussern und alle Meinungen berücksichtigen kann. Meine Wahl wird deshalb die der Klasse sein. Wie gesagt: Wichtig ist, dass die aktuelle Flotte auch weiterhin regattieren kann. Für die Ausgabe, die gerade zu Ende gegangen ist, hatten wir ein Jahr vor dem Start bereits acht Teilnehmer gefunden, weil es genügend Boote auf dem Markt gab. Die Regatta muss offen bleiben, nur das zählt.

 

Die IMOCA hat im Oktober mit dem von Sir Keith Mills gegründeten Unternehmen Open Sports Management ein Abkommen unterzeichnet. Was erhoffen Sie sich davon?

Viele Skipper beklagten Kielprobleme, aber auch die Masten hielten den Strapazen nicht immer Stand. Im Bild: Mastbruch auf der Savéol eine gute Woche nach dem Start. © Vincent Curutchet

OSM wird sich vor allem im Ausland um die kommerziellen Interessen der IMOCA kümmern, zu diesem Zweck wurde das Unternehmen ja auch gegründet. Wie sich herausgestellt hat, verläuft die Zusammenarbeit sehr gut, auch wenn bisher noch keine sichtbaren Resultate vorliegen. Dazu ist es noch etwas früh. Das Ziel besteht darin, die Wahrnehmung der Klasse im Ausland aufzuwerten und ich bin sicher, dass wir Erfolg haben werden. Sir Keith Mills ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit und alle wissen, was er für die Olympischen Spiele in London getan hat. Wir haben das Glück, mit Leuten zu arbeiten, die grosse Fachkenntnisse im internationalen Sport mitbringen. Dass die Aufgabe von Nicht-Franzosen übernommen wird, ist ein Plus. Sie haben die Fähigkeit, das Ansehen der IMOCA in die Welt hinauszutragen.

 

Einige sind der Ansicht, die Projektleiter seien in der IMOCA zu stark vertreten, was zu Entscheidungen führen könne, die nicht unbedingt im Interesse der Skipper sind. Was halten Sie von der Kritik?

Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass die Vertretung der Skipper in den Statuten klar geregelt ist. Sie haben das Stimmenmehr und ich bin der Ansicht, dass das Gleichgewicht korrekt ist und nicht wirklich Probleme bereitet. Worauf es meiner Meinung nach ankommt, ist die Fähigkeit der Leute, das Geld für ihre Projekte aufzutreiben. Ich bin Direktor eines Rennstalls und konnte Jean Le Cam und
SynerCiel noch sehr spät für das Rennen gewinnen. Das zählt und ist genauso wichtig.

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