Viele Menschen fürchten sich vor Haien. Aber wussten Sie, dass ohne die Raubfische das Ökosystem der Meere und somit das gesamte Leben auf der Erde in Gefahr wäre? Was wie Panikmache klingen mag, ist die nackte Wahrheit. Daher setzt sich die Save Our Seas Fondation seit zwanzig Jahren für den Schutz der Unterwasserwelt ein. Wir stellen Ihnen die Arbeit der in Genf ansässigen Stiftung anlässlich ihres runden Jubiläums vor.

Text: Pauline Katz

Die Save Our Seas Foundation (SOSF) setzt sich für den Schutz der Meerestiere, allen voran der Plattenkiemer, ein. Plattenkiemer, noch nie gehört? Darunter versteht man Knorpelfische ohne Gräten, mit anderen Worten Hai- und Rochenartige. Die Stiftung hat bereits knapp 500 Projekte in über 90 Ländern unterstützt und berichtet in den Social Media und in ihren Zentren auf den Seychellen, in Südafrika und Florida über ihre spannenden Entdeckungen. Ihre beispielhafte Kommunikationsarbeit trägt Früchte. Jedes Jahr besuchen mehrere Tausend Personen die Stiftung. CEO James Lea und seine Mitarbeitenden empfangen die Interessierten mit einer klaren Mission: «Wir vermitteln unser Wissen und unsere Leidenschaft für die Meere und hoffen, das kollektive Bewusstsein für die Dringlichkeit eines besseren Schutzes zu wecken.»

Was wären wir ohne Plattenkiemer?

Die Stiftung engagiert sich nicht nur aus Leidenschaft mit viel Herzblut für den Schutz und die Fortpflanzung der Plattenkiemer, sondern auch, weil sie uns wertvolle Dienste erweisen. Sie sind für unseren Planeten aus mehreren Gründen lebenswichtig. Haie stehen an der Spitze der Nahrungskette und wirken als Regulatoren. Da sich Haie von anderen Fleischfressern ernähren und so deren Vermehrung bremsen, können Pflanzenfresser ihre Aufgabe wahrnehmen, die Korallenriffe urbar zu machen. Ohne sie würden die Korallen, die im Gleichgewicht der Ozeane und Meere eine Schlüsselrolle spielen, verschwinden. Zudem patrouillieren die Haie im Seegras und verhindern so eine Überweidung. Sie schützen dadurch die grüne Lunge der Meere. Und die ist unverzichtbar im Kampf gegen die Erderwärmung, da sie 35-mal mehr Kohlenstoff bindet als die tropischen Regenwälder. Auch die Rochen sind für das marine Gleichgewicht von entscheidender Bedeutung. Indem Sie im Meeresboden nach Nahrung graben, schaffen sie Mikro-Lebensräume für zahlreiche Arten. Die Liste ihrer «guten Taten» ist lang, eine aber verdient besondere Erwähnung: Plattenkiemer versorgen Phytoplankton mit Nährstoffen aus der Tiefe. Und Phytoplankton benötigen wir zum Überleben!

In ständiger Gefahr

Eine Kombination aus unglücklichen Faktoren führte dazu, dass die Population der Plattenkiemer in den letzten fünfzig Jahren um 70 Prozent geschrumpft ist und sie heute um ihr Überleben kämpfen. Haie pflanzen sich nur sehr langsam fort. Sie sind erst spät geschlechtsreif und bis zu zwei Jahre trächtig. Hinzu kommt die Überfischung, vor allem wegen ihrer begehrten Flossen. Viele Raubfische verschwinden, bevor sie überhaupt im fortpflanzungsfähigen Alter sind. Als wäre das nicht schon genug, bedrohen indirekte Faktoren wie der Klimawandel und der immer kleinere Lebensraum ihre Existenz. Den Rochen geht es nicht besser, ihnen machen die gleichen Missstände zu schaffen.

L’ÎLE DARWIN, SITUÉE DANS L’ARCHIPEL DES GALAPAGOS, EST L’UNE DES PLUS GRANDES RÉSERVES DE REQUINS AU MONDE.BEI DER INSEL DARWIN IN DEN GALAPAGOS LEBT EINE DER GRÖSSTEN HAIPOPULATIONEN DER WELT.

Besserer Schutz durch Aufklärung

James Lea ist nicht nur CEO der SOSF, sondern auch Meeresbiologe mit Leib und Seele. Begeistert erklärt er uns die vielfältigen Themen, denen sich die Stiftung annimmt: «Wir unterstützen Forschungs-, Lehr- und Naturschutzprojekte. Oft überschneiden sich die drei Bereiche. In unserem Zentrum auf den Seychellen betreiben wir beispielsweise Forschung und nehmen gleichzeitig viele Studierende auf, an die wir unser Wissen und unsere Leidenschaft weitergeben. Ausgehend von unseren Forschungsergebnissen können wir gezielte Schutzprogramme lancieren. Hierzu gehören unter anderem Schutzgebiete sowie Brut- und Aufzuchtstätten.»

1001 Entdeckungen

«Um die Bedürfnisse der Tiere zu verstehen und wirksame Schutzstrategien festzulegen, braucht es gute wissenschaftliche Kenntnisse», versichert James Lea. Daher bilden Forschungsprojekte die Grundlage der SOSF. Eine Arbeit zur DNA von Haien hat beispielsweise dazu beigetragen, den Schmuggel von Haifischflossen aufzudecken, eine andere, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Fortpflanzung besser zu verstehen. Das geheimnisvolle Fortpflanzungssystem der Rochen konnte dank kontaktlosem Unterwasser-Ultraschall und die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Arten durch Beobachtungen in den Aufzuchtstätten untersucht werden. Die sozialen Medien und die Website der Stiftung enthalten eine Fülle spannender Informationen zu diesen und zu allen anderen Projekten. Wussten Sie zum Beispiel, dass Walhaie zur Nahrungsaufnahme bis zu 600 000 Kubikmeter Wasser pro Stunde filtern, dass Seeigel mehrere Hundert Füsse haben oder dass Fangschreckenkrebse mit ihren aussergewöhnlich gut entwickelten Augen Farben sehen können, die für das menschliche Auge unsichtbar sind?

AUCH ROCHEN SPIELEN FÜR DAS MARINE GLEICHGEWICHT EINE ENTSCHEIDENDE ROLLE.

20 Jahre, ein Grund zum Feiern!

Falls Sie diesen Sommer über den Quai du Mont-Blanc in Genf geschlendert sind, haben Sie bestimmt die grossartigen Bilder des National-GeographicFotografen Thomas Peschak gesehen. Die Ausstellung wurde im Rahmen des Jubiläums der Stiftung organisiert und sollte die Schönheit, aber auch das fragile Gleichgewicht der Meereswelt zeigen. Zum Abschluss der Feierlichkeiten organisiert die Stiftung am Samstag, 23. September, im Théâtre du Léman einen speziellen Abend. Waren auch Sie vom 2020 erschienenen Dokumentarfilm Mein Lehrer, die Krake begeistert? Sein Hauptdarsteller Craig Forster wird als Ehrengast anwesend sein. Zudem wird der Dokumentarfilm Older Than Trees der Regisseurin Pippa Ehrlich vorgeführt und es werden mehrere Vorträge gehalten. Lassen Sie sich die Gelegenheit nicht entgehen, mehr über die faszinierende Welt der Haie und Rochen zu erfahren!