Weltweit werden die Leistungen von Thomas Coville und seiner Crew gefeiert, die mit einer Zeit von etwas mehr als 40 Tagen den bisherigen Rekord der Jules Verne Trophy gebrochen haben. Auch der Exploit von Alexia Barrier und ihrer reinen Frauencrew auf derselben Strecke hat für Furore gesorgt. Doch es gibt einen Segler, der sich auf genau dieser Route einer ganz anderen Herausforderung stellt: An Bord seines gewaltigen Trimaran Ultim MACSF unternimmt Guirec Soudée die ultimative Bewährungsprobe, die schwierigste Segelmission überhaupt – die Weltumrundung «in umgekehrter Richtung». Während die klassische Route der Jules Verne Trophy oder der Vendée Globe von West nach Ost um die drei grossen Kaps führt und den vorherrschenden Winden folgt, zwingt die «umgekehrte» Route die Segler, gegen Wind und Strömung zu navigieren. So wird jede Meile zu einem erbitterten Kampf.
Bislang haben gerade mal fünf Segler eine solche Einhand-Weltumsegelung vollbracht, indem sie zuerst Kap Hoorn, dann Kap Leeuwin und schliesslich das Kap der Guten Hoffnung umrundeten, bevor sie die Ziellinie vor Ouessant in der Bretagne überquerten: Chay Blyth im Jahr 1971, Mike Golding im Jahr 1994, Philippe Monnet im Jahr 2000 und schliesslich Jean-Luc Van Den Heede im Jahr 2004. Mit einer Zeit von 122 Tagen ist er auch der derzeitige Rekordhalter. Zum Vergleich: Der Schnellste der letzten Vendée Globe in klassischer Richtung bewältigte die Strecke in 64 Tagen. Mit einem Mehrrumpfboot haben bisher nur zwei Segler den Versuch im Alleingang gewagt. Der Pole Roman Paszke scheiterte 2012 sowie 2013 und Yves Le Blévec kenterte 2017 vor Kap Hoorn. Mehrrumpfboote sind zwar schneller, verzeihen aber unter extremen Bedingungen kaum Fehler.
Zwei von drei geschafft: Soudée setzt Kurs auf das letzte grosse Kap
Nachdem Guirec Soudée Kap Hoorn bereits am 14. Januar passiert hatte, umrundete er am 18. Februar Kap Leeuwin im Südwesten Australiens. Dieses zweite der drei grossen Kaps markiert den Auftakt zu einer komplexen taktischen Phase. Um seinen 31 Meter langen Riesen zu schonen und die extremsten Tiefdruckgebiete zu umfahren, wählte Soudée im Pazifik eine ungewöhnliche, weiter nördliche Route als seine Vorgänger. Eine wohlüberlegte Entscheidung, um das Boot vor der Bass-Strasse und der Einfahrt in den Indischen Ozean zu entlasten.
Jetzt nimmt Soudée Kurs auf das Kap der Guten Hoffnung. Mit einem Vorsprung von mehr als 1000 Seemeilen auf Van Den Heede scheint der Rekord für Guirec Soudée in Reichweite. Allerdings stehen noch die gefürchtete Überquerung des Indischen Ozeans und der lange Atlantikabschnitt bevor: keine leichte Aufgabe für Boot und Skipper, die beide bereits stark beansprucht wurden. Van Den Heed hatte Kap Leeuwin nach 70 Tagen erreicht – Soudée ist dies bereits nach 57 Tagen gelungen. Anschliessend benötigte Van den Heed 22 Tage, um den Indischen Ozean gegen Wind und Strömungen zu überqueren, sowie weitere 30 Tage, um den Atlantik bis zur Ziellinie zu durchfahren.
Wenn für Guirec Soudée alles gut läuft (wir drücken die Daumen!), könnte er die 100-Tage-Marke knacken – doch bis zur Ziellinie ist es noch ein sehr, sehr langer Weg.
Verfolgen Sie die Entwicklung auf www.guirecsoudee.com

