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Monnin schafft Double

von Quentin Mayerat

© Jürg Kaufmann

Die Schweizer Segelszene hat sich daran gewöhnt, dass alles, was Christian „Blumi“ Scherrer anpackt, Hand und Fuss hat. Mit der Lancierung des Volvo Match Race Cups ist ihm der grosse Wurf gelungen. Der Cup bringt das Duellieren auf Booten in die grossen Clubs und zu den Seglern der Basis. Dabei scheint das Konzept eigentlich ganz simpel. Über drei Kalenderjahre organisieren drei Segelclubs jährlich einen Event der Match-Race-Meisterschaft und erhalten im Gegenzug je zwei blu26-Jachten für die gesamte Zeit zur Verfügung gestellt. Erst auf den zweiten Blick merkt man, dass Scherrer nicht nur alles bis ins Detail durchdacht hat, sondern dass das Format auch geniale Synergien schafft. Mit den drei grossen traditionsreichen Segelclubs – dem Zürcher Yachtclub ZYC, der Sociéte Nautique de Genève SNG und dem Yacht Club Romanshorn YCRo – hat er Vereine eingebunden, die die Schweiz geografisch ganz gut abdecken und für Publicity sorgen. Es sind auch Clubs, die im Regattasport besonders aktiv sind und für eine qualitativ hochwertige Wettfahrtorganisation sorgen. Mit den zwei brandneuen blu26-Jachten haben die Clubs drei Jahre lang die Möglichkeit, eigene ambitionierte Segler mit erstklassigem Material für das Match-Race-Segeln zu begeistern.

© Jürg Kaufmann

Duell Monnin-Clerc in Zürich

Zürich, Genf und Romanshorn werden sich also die drei nächsten Jahre im Turnus als Qualifikations- oder Meisterschaftsstandorte abwechseln. Zum Auftakt Mitte Mai zog es nicht nur Titelverteidiger Jérôme Clerc und seinen grossen Widersacher Eric Monnin zum ersten Qualifying nach Zürich, auch internationale Match Racer stellten sich der lokalen Konkurrenz von Roger Stocker oder Alexa Bezel aus Horgen, die mit einer gemischten Damencrew aus der Romandie und der Deutschschweiz antrat.

In Zürich top, in Genf früh ausgeschieden: Jéròme Clerc. © Jürg Kaufmann

Ladycrew Alexa Bexel lehrte die Männer das Fürchten. © Jürg Kaufmann

Kam immer besser in Schwung und siegte in Genf souverän: Team Monnin. © Jürg Kaufmann

Team Monnin – mit ISAF Worldranking 17 die bestklassierte Schweizer Crew – startete mit einem souveränen Auftritt und beendete die Round Robin am ersten Regattatag ungeschlagen. Mit in den Halbfinal zogen Clerc, das deutsche Oehme Team und eher überraschend die Damencrew von Alexa Bezel.

Die Zürcher Seebucht erwies sich als perfekte Kulisse für den Abschluss am Muttertag. Bei herrlichem Segelwetter liessen Clerc und Monnin ihren Halbfinalgegnern keine Chance und es kam zum erwarteten Finale. Fünf spannende Flights mit knappem Ausgang waren nötig, um den Sieger zu bestimmen. Und der hiess Monnin. Ein Quäntchen Glück habe er schon gebraucht, gestand dieser bei der Siegerehrung.

Überraschungen in Genf

Um es gleich vorwegzunehmen: Es wurde nichts mit der Revanche im Privatduell zwischen Monnin und Clerc bei der zweiten Qualifikationsregatta zwei Wochen später. Jerôme Clerc erwischte einen schlechten Tag und schied vor seinem Genfer Heimpublikum bereits in der Vorrunde aus. Überhaupt steckte das zweite Qualifying voller Überraschungen. Nicht nur das Wetter wechselte von einem Extrem ins andere, auch viele Athleten erlebten die beiden Regattatage völlig gegensätzlich.

Das Ladyteam um Alexa Bezel holte am Samstag Sieg um Sieg, schlug auch Favorit Monnin und konnte sich als Gewinner der Round Robin sogar den Gegner aussuchen. Am Sonntag schien aber bei den Frauen alles wie verhext. Sie machten zwar keine gravierenden Fehler, aber viele kleine Missgeschicke führten zu einer brutalen 0:3 Niederlage gegen Wunschgegner Stocker. Umgekehrt bei Team Monnin: Nachdem die Zentralschweizer am Samstag noch einige Starts verpatzt hatten, segelten sie am Finaltag in gewohnt routinierter Manier und fertigten Daniel Maestre aus Valencia und im Final auch Team Stocker mit Start-Ziel-Siegen problemlos ab.

Positives Echo

Bei der Siegerehrung in Genf gab es viele fröhliche Gesichter. Doppelsieger Monnin strahlte – nicht nur, weil er den Pokal in Händen halten konnte. „Dieses Format ist ein Quantensprung für die Match-Race-Szene in der Schweiz“, meinte er, „endlich haben Schweizer Match Racer die Möglichkeit, sich in unserem Land mit internationaler Konkurrenz zu messen.“ Auch Christian Scherrer zeigte sich sehr zufrieden. „Wir konnten trotz der relativ kurzen Vorbereitungszeit die ganze Infrastruktur auf die Beine Stellen, sechs Boote ausliefern und bereits zwei tolle Events durchführen“, fasste er zusammen und freute sich natürlich, dass die blu26-Jachten von den Clubs auch sonst für Match-Racing-Trainings und andere Regatten aktiv genutzt werden. Dass sich die Schweizer Match Race Teams auch vor internationaler Konkurrenz nicht zu fürchten brauchen, haben die beiden Qualifyings ja bewiesen.

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