Am Abend des 24. August beendete das Rösti Sailing Team aus Valentin Gautier, Simon Koster und Justine Mettraux seine Rekordfahrt um die Britischen Inseln in neuer Bestzeit. Die widrigen Bedingungen hatten der Schweizer Equipe alles abverlangt.

Text: Rod Vuilerouf

7 Tage, 6 Stunden, 27 Minuten und 25 Sekunden brauchte die Class40 Banque du Léman, um einmal rund um Grossbritannien und Irland zu segeln. Sie unterbot die einen Monat zuvor von Ian Lipinski aufgestellte Bestzeit damit um mehr als elf Stunden. Der Pariser hatte den «Round Britain»-Kurs in 7 Tagen, 17 Stunden, 50 Minuten und 48 Sekunden absolviert, allerdings einhand! Lipinski wird zwar weiter als Solo-Rekordhalter geführt, doch niemand passierte die virtuelle Linie vor dem Cap Lizard nach 1745 theoretischen Seemeilen in so kurzer Zeit wie Valentin Gautier, Simon Koster und Justine Mettraux. Sie waren sogar rund zehn Stunden schneller als das Team von Phil Sharp aus Jersey, das am Round Britain & Ireland Race 2018 unter Regattabedingungen den Rekord geknackt hatte.

Zeitraubender Fallensalat

«Wir freuen uns wirklich, dass wir es geschafft haben, vor allem, nachdem wir diesen Sommer so lange auf ein Wetterfenster gewartet haben», frohlockte ein sichtlich übermüdeter Valentin Gautier am Tag nach dem Erfolg. «Direkt nach der Zieleinfahrt haben wir uns in Falmouth vor einem grossen Tief in Sicherheit gebracht. Wir schliefen auf einer einzigen Matratze und dem Sitzkissen, auf dem sich unsere Medienexpertin während der Tour ausgeruht hat. Die Rekordfahrt zu dritt anzugehen, war eine gute Entscheidung. So stand stets jemand am Steuer, jemand war im Stand-by und der oder die dritte im Bunde konnte sich ausruhen», erklärte der Genfer. Verschnaufpausen konnte das Trio auch dringend gebrauchen, denn der Rundkurs war ein hartes Stück Arbeit. «Uns sind auf der Fahrt die Ostküste hoch gleich mehrere Fehler unterlaufen und wir haben etliche Male die Segel gewechselt. Dann haben sich nachts die Fallen verheddert, ohne dass wir etwas tun konnten. Wir hatten bestimmt fünf oder sechs Stunden das falsche Segel oben.»

Slalomfahrt in der Nordsee

«Gegen Ende wurde es nochmals kompliziert, da der Wind schwächer war als erwartet», berichtet Justine Mettraux. Besser gehe immer, sagt sie, aber «Prognosen über eine ganze Woche sind schwierig und die Route ist sehr anspruchsvoll.» Sie wolle sich an dieser Stelle bei ihrem Router Julien Villon bedanken. «Er hat tolle Arbeit geleistet. Wir mussten vor allem im Süden gut vorbereitet sein, denn dort herrscht reger Schiffsverkehr und es gibt Sandbänke, Windparks und Ölplattformen.» Bevor sie den Ärmelkanal überquerten, um sich auf ihr Saisonende vorzubereiten – Gautier/Koster starten am 13. September zum Normandy Channel Race – wollten die vier wieder ganz trocken werden. «Es war eine sehr nasse Tour», lacht Valentin Gautier, «mit vielen schwarzen Felsen, die genau wie in unserer Vorstellung irgendwie düster und unheimlich aus dem Nebel auftauchten. Trotzdem war es grossartig.»