Herbstmessen 2025
Nach dem abrupten Stillstand im Jahr 2024 und dem trüben Frühling blickte die Bootsszene mit banger Erwartung auf die Herbstmessen. Wie der dicht getaktete Reigen der Bootsausstellungen in Cannes, Genua, Southampton, La Rochelle, Barcelona und Annapolis gezeigt hat, gibt es durchaus Gründe für Optimismus.
Schon am Cannes Yachting Festival atmete die Branche auf. Das von Direktorin Sylvie Ernoult verwendete Adjektiv «historisch» mag vielleicht etwas hoch gegriffen sein, brachte aber ihre Erleichterung treffend zum Ausdruck. Auch die Hersteller zeigten sich zuversichtlich bis offensiv, denn wenn der Markt unter Druck steht, ist Angriff die beste Verteidigung. Mit neuen Modellen wird versucht, potenzielle Interessenten zu begeistern. So kündete die Beneteau-Gruppe gleich drei neue Segelboote an. CEO Bruno Thivoyon bleibt dennoch vorsichtig: «Nach fünf Jahren weiss ich noch immer nicht, was im Bootsbau ein normales Jahr ist!» Eines aber weiss er mittlerweile garantiert: Die Bootsbranche ist zyklisch und der Moment günstig, um Marktanteile zu gewinnen. Entsprechend breit stellt sich die Gruppe auf. Lagoon präsentiert in diesem Herbst sowohl den neuen Lagoon 38 als auch den Lagoon 82. Beneteau erweitert sein Portfolio von der bereits rund hundertmal verkauften First 30 zur First 60, dem künftigen Flaggschiff der Reihe.
Bei Bali Catamarans segelt man auf Sicht. «Today is the new norm», sagt Direktor Boris Compagnon, dessen Entwicklungsplan jedes Jahr ein neues Modell vorsieht. Der Bali 5.2, der sowohl den 4.8 als auch den 5.4 ablösen soll, stiess im September in Cannes und im Oktober in Annapolis auf grosses Interesse. Die amerikanische Messe wurde ohnehin mit Spannung erwartet, nachdem der von der Trump-Regierung ausgelöste Zollstreit den Markt erschüttert hatte. Frank Hugelmeyer, Direktor der National Marine Manufacturers Association (NMMA), rechnet mit einem Umsatzrückgang von 10 Prozent und bezeichnete das Jahr 2025 an der Metstrade Amsterdam gar als «verloren». Mit 30 000 Personen kamen dann aber so viele Besucherinnen und Besucher an die Annapolis Sail wie seit 2021 nicht mehr. Es scheint sich eine neue Dynamik abzuzeichnen. «Protektionismus hält Käufer nicht auf», erklärt Romain Motteau, Geschäftsführer der Fountaine-Pajot-Gruppe. «Katamarane werden ohnehin nicht immer importiert, aber bei Einrumpfbooten ist das schwieriger. Jachten sind ein eher lokaler Markt. Viele Bootsbesitzer wollen am Freitagabend an Regatten teilnehmen oder am Wochenende in der Nähe ihres Wohnorts segeln.»
Im Herbst zeigte die Branche Signale der Erholung. An der Southampton International Boatshow – dem Barometer für den britischen Markt –, der Grand Pavois, die 59 000 Besucherinnen und Besucher anlockte und an der laut Dufour «die Begeisterung fürs Segeln und für Innovationen spürbar war», sowie am für die Mittelmeerregion strategisch wichtigen Salon Nautico Internacional in Barcelona, an dem mehr Boote aus dem höheren Segment präsentiert wurden als bisher, machte sich trotz wirtschaftlich und geopolitisch angespannter Lage ein gewisser Optimismus breit.