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Zurück zur Vernunft

von François Trégouët

Test: Allures 40.9

Allures Yachting nutzt die neuen Fertigungskapazitäten, um die Produktion der Allures 40.9 wieder aufzunehmen. Blauwassersegelnde dürften sich darüber freuen, denn das jüngste Modell der Baureihe muss sich vor den Grossen nicht verstecken: Sie bietet alles, was man von einer Hochseejacht erwartet.

Seit 2003 überzeugen Allures-Jachten mit formschönen Rundspant-Rümpfen aus Aluminium, stabilen Polyesterdecks und sorgfältig gestalteten Innenräumen. Ihr Erfolg und die guten Verkaufszahlen der 2010 übernommenen Marke Garcia hatten Grand Large Yachting veranlasst, den Fokus auf Modelle zwischen 45 und 60 Fuss zu legen. Mit dem Erwerb einer modernen Werfthalle in der Nähe von Caen, in der Fachleute aus verschiedensten Bereichen (Spenglerei, Tischlerei, Elektrik
usw.) arbeiten, hat sich die Situation geändert. Die Allures 40.9 wird wieder produziert.

Als Weiterentwicklung der 2013 lancierten Allures 39.9 verstärken die neuen Exemplare die bereits 46 Einheiten starke Flotte. Das Gesamtkonzept des Integralschwerters mit flachem Tiefgang (1,06 m bei aufgeholtem Schwert) entspricht der Philosophie der Baureihe. Auf den ersten Blick mögen die vertikalen Bordwände etwas kantig wirken, doch mit einer eleganten Verkleidung fügen sie sich harmonisch in die weicheren Formen des Decks ein. Das Interieur ist ideal für Langfahrten zu zweit. Es umfasst neben einer U-förmigen Pantry, einem Kartentisch beim Niedergang und einem grosszügigen Salon zwei Kabinen: eine geräumige im Vorschiff und eine kleinere im Heck. Sie teilen sich eine Nasszelle mit separater Dusche, die hinter einem grossen Stauraum an Steuerbord untergebracht ist. Die Jacht wird auch in einer Dreikabinen-Version angeboten, doch in dieser Grösse ist sie für Blauwassertörns weniger geeignet. Die grossen Decksluken und die fünf Rumpffenster lassen viel Tageslicht ins Innere und geben eine schöne Sicht nach draussen frei. Verglichen mit der 39.9 zeigt sich ein deutlicher Qualitätssprung. Er ist Isabelle Racoupeau vom gleichnamigen Konstruktionsbüro zu verdanken. Helles Holz und die hochwertige Verarbeitung lassen die Innenausstattung moderner und frischer wirken. Die Griffe im Navigationsbereich sind aus Edelstahl, die Leselampen mit Leder eingefasst, die Schalter kabellos und der Salontisch ist mit weissen Corian-Einlagen veredelt. Auf dem Wasser erweist sich die leicht erhöhte Position von Kartentisch und Pantry als besonders praktisch. Von dort behält man die Umgebung gut geschützt im Blick. Der Salon nutzt die volle Rumpfbreite, der Schwertkasten ist in den Tisch integriert und die Stauräume verteilen sich auf drei Ebenen: unter den Sitzen, hinter den Rückenlehnen und unter den Gangborden. Weniger sichtbar, aber ebenso entscheidend für den Komfort ist die optional erhältliche Isolation aus PVC-Schaum. Die Kompositbauweise des Decks sorgt für eine harmonische Optik, eine exzellente Verarbeitung und eine bessere Dämmung. Zudem kann dadurch auf eine Lackierung des Aluminiums verzichtet werden, was den Wartungsaufwand reduziert. Bei 15 bis 18 Knoten Wind gleitet die Allures 40.9 mühelos durchs Wasser. Hinter dem Hafenbecken von Cherbourg erreicht sie bei 40° scheinbarem Wind 7 Knoten, beim Abfallen auf 115° beschleunigt sie auf 8 bis 9 Knoten. Selbst bei 25 Knoten Wind und Rauwasser erweist sich die Jacht als souverän. Sie krängt kaum, stampft nicht und das Deck bleibt trocken. Und sie läuft trotz eines einzelnen Solents zur Unterstützung des Grosssegels sogar am Wind über 9 Knoten. Bei raumem Wind und Schmetterlingskurs hätten wir an dem langen, soliden Bugspriet gerne einen Gennaker gesetzt, um den Schlag zu verlängern. Gerade auf diesen Kursen zeigt der Integ-ralschwerter sein typisches, für viele noch immer überraschend weiches Bewegungsverhalten. Ein weiterer Pluspunkt ist die Manövrierfähigkeit. Dank der beiden Ruderblätter und der Unterstützung durch das im Heckbereich installierte Bugstrahlruder lässt sich die Allures 40.9 sogar bei starkem Seitenwind und rückwärts präzise einparkieren. Wer trotzdem touchiert, kann beruhigt sein: Die Heckschürze besteht nicht mehr wie bei der 39.9 teilweise aus Verbundwerkstoffen, sondern vollständig aus Aluminium. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Blauwassersegment beherrscht Allures Yachting sein Handwerk. Davon zeugt auch die Elektroinstallation, deren Qualität das Risiko von Elektrolyse auf ein Minimum reduziert. Mit zahlreichen Staumöglichkeiten, gut positionierten Handläufen und grossen Tankkapazitäten für maximale Autonomie lädt die Allures 40.9 zu grossen Törns ein. Dass sie das kleinste Modell der Baureihe ist, spielt dabei keine Rolle.

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