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Phönix aus der Asche

von Bernard Pichon

Vietnam

Der Fall Saigons am 30. April 1975 markierte das Ende des Krieges zwischen Vietnam und den USA. Fünfzig Jahre später lockt der Aufschwung der Städte Hanoi und Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) Besucher aus aller Welt an.

Im Norden

Der fernöstliche Teil Asiens wird für Reisende aus der Schweiz immer attraktiver. Sie sind von der Kultur, den Landschaften und den günstigen reisen in Vietnam fasziniert. Empfehlenswert ist eine Reise in die beiden politischen und wirtschaftlichen Zentren des Landes, die sich hervorragend ergänzen (beide Flughäfen werden von Turkish Airlines angeflogen, sodass eine Kombination beider Städte problemlos möglich ist). Hanoi ist bekannt für nostalgischen Charme und eine lebendige Atmosphäre. Künstler werden vom architektonischen Durcheinander inspiriert. Hat sich die Stadt mit ihren Garküchen auf den Bürgersteigen und den Starbucks-Cafés an jeder Straßenecke in einen Schmelztiegel verwandelt, der zu einer Hälfte postkolonial und zur anderen Hälfte globalisiert ist? Eine verwirrende Mischung aus alten Gebäuden aus der Zeit Französisch- Indochinas und zeitgenössischen Hochhäusern prägt den Charakter dieser Metropole, die nach wie vor von einem Jahrtausend unter chinesischem Einfluss geprägt ist. Im Laufe der Zeit haben die Einwohner ihre Wohnungen nach ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten umgebaut und Balkone, Veranden, Leuchtreklamen und Klimaanlagen hinzugefügt. Dadurch entsteht ein heterogenes und unübersichtliches Stadtbild. Während Neubauten architektonischen Normen unterliegen, genießen alte Gebäude eine gewisse Freiheit bei der Renovierung.

Panorama

Wir kommen an der prestigeträchtigen Oper vorbei, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den französischen Kolonialherren im Geiste des Pariser Palais Garnier errichtet wurde. Wir spazieren durch breite Alleen, die von alten gelben Gebäuden gesäumt sind, die ebenfalls auf die Kolonialzeit zurückgehen. Je weiter wir ins Herz von Hanoi vordringen, desto weiter reisen wir in die Vergangenheit. Kaum vorstellbar, dass in diesem altertümlichen Handelsviertel die Quadratmeterpreise mittlerweile so hoch sind wie in London oder Tokio. Kunsthandwerksläden boomen hier, ebenso wie kleine Garküchen, in denen man die traditionelle nahrhaftige Suppe mit Gemüse, Reisnudeln, Gewürzen und Schweinefleisch probieren kann.

Ausflug ins Grüne

Die beste Zeit für eine Wanderung in Vietnam ist die Trockenzeit von November bis April. Hanoi bietet einen hervorragenden Zugang zu atemberaubenden Naturlandschaften, die sich ideal zum Wandern eignen:

  • Sapa gilt als Königin der Trekkingtouren: Berge, Reisterrassen und ethnische Dörfer in einer atemberaubenden Kulisse.
  • Die grünen Täler Mai Chau und Pu Luong bieten gut markierte Wanderwege und traditionelle Unterkünfte bei Einheimischen.
  • Ninh Bình wird wegen seiner spektakulären Kalksteinformationen auch als Halong-Bucht im Landesinneren bezeichnet. Die Wanderungen führen zu versteckten Pagoden, Reisfeldern und idyllischen Flüssen, auf denen man paddeln kann.

Im Süden

Wie viele Motorräder gibt es in Saigon, das einschließlich der Vororte so viele Einwohner hat wie die gesamte Schweiz? Schätzungen reichen von 3 bis 6 Millionen, können allerdings nicht mit Sicherheit bestätigt werden. Auf jeden Fall sind es genug, um die Konkurrentin Hanois in einen riesigen, lärmenden Bienenstock zu verwandeln. Saigon zu erleben bedeutet, sich von ungewöhnlichen Verkehrsmitteln begeistern zu lassen: beispielsweise vom Xe Lam, einer Art dreirädrigem Kleinlaster, oder der pittoresken Fahrradrikscha, die Touristen besonders exotisch anmutet. Man sieht Mo-torräder, die mit einer ganzen Familie beladen sind und sich in das allgemeine Verkehrschaos und die berauschenden Abgase stürzen.

Die Energie des Drachen

Man merkt schnell, dass diese Metropole eine Stadt des Südens ist. Vor den Hotels aus den Goldenen Zwanzigern versammelten sich zur Aperitifzeit zahlreiche Franzosen auf den Terrassen und bestellten mit südländischem Akzent Wermut, Cassis, Byrrh oder Gin Tonic. Aber was ist von dem Ort, der einst als das kleine Paris des Fernen Ostens bezeichnet wurde, übriggeblieben? Einige schöne Fassaden, wie der Gouverneurspalast mit seinen weißen Säulen und Stuckdecken, ein Rathaus, das manche als exquisite Konditorei bezeichnen, ein Hauptpostamt mit markanter Stahlkonstruktion, entworfen von Alfred Foulhoux und doch oft fälschlich Gustave Eiffel zugeschrieben, ein elegantes Stadttheater und eine Reihe von Villen im Kolonialstil.

Auf den Spuren von Marguerite Duras

  • Weniger als 150 Kilometer vom pulsierenden Saigon entfernt liegt das beschauliche Sadec, das von den französischen Kolonialherren wegen seiner fruchtbaren Böden Garten von Cochinchina genannt wurde. In diesem abgelegenen Dorf im Mekong-Delta begann die junge Marguerite Duras die Liebesbeziehung, die sie in ihrem Roman „Der Liebhaber” beschrieb.
  • Die Cu-Chi-Tunnel, Überreste des Vietnamkriegs, bieten weit mehr als nur einen Ausflug in die Geschichte. Auf angelegten Wegen kann man sich in dieses unterirdische Labyrinth wagen – ein einzigartiges Erlebnis für Geschichts- und Naturliebhaber.
  • Das Mekong-Delta bietet eine Kreuzfahrt zu Fuß entlang zahlreicher Kanäle und schwimmender Dörfer in malerischer Umgebung und ist ideal für Wanderungen oder Radtouren.
  • Der Berg der Schwarzen Jungfrau bietet eine Wallfahrt und Wanderung auf wunderschönen Wegen und liegt etwa 60 km von Saigon entfernt.

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