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Ein alpines Trio: Davos und Arosa versus Silvaplana

von Bernard Pichon

Berge – Graubünden

Die hohen Täler Graubündens zu erreichen ist ein Erlebnis für sich. Auch wenn die Straße spektakuläre Serpentinen bietet, entfaltet der Aufstieg erst mit der Bahn seinen ganzen Reiz, an Bord der beeindruckenden Rhätischen Bahn.

Die drei Orte, nach Höhenlage geordnet, stehen einander im sommerlichen Freizeitangebot in nichts nach. Gleichwohl unterscheiden sie sich durch ihre Infrastruktur und ihren Charakter: Zwischen dem urbansten Ort (Davos gilt als höchstgelegene Stadt Europas) und dem windreichsten (Silvaplana, weltweit bekannt als Hotspot für Kite- und Windsurfen) verfolgt Arosa konsequent seinen Anspruch auf Authentizität.

Metropole der Alpen

Zunächst mag der Urlauber vom Ruf Davos’ – als Austragungsort des renommierten Weltwirtschaftsforums – angezogen werden; doch schon bald dürfte in ihm der Wunsch aufkommen, die Verlockungen des Shoppings gegen eine tiefgehende Frischluftzufuhr einzutauschen. Glücklicherweise wird der Zugang zur Natur hier durch ein hervorragend ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz wesentlich erleichtert. Oft genügt bereits eine Viertelstunde, um das Städtische hinter sich zu lassen.

Den Auftakt kann die private Standseilbahn bilden, die in weniger als zehn Minuten zur zauberhaften Schatzalp führt, einem ehemaligen Sanatorium, das sich in ein charmantes Hotel verwandelt hat. Behutsam erneuert, hat das Gebäude seine Jugendstilstrukturen und Loggien bewahrt, während der klinische Geist seiner Ursprünge getilgt wurde. Hier soll Thomas Mann die Inspiration zu seinem Zauberberg gefunden haben.

Unmittelbar darüber führt ein ausgeschilderter Weg den Besucher zu einem botanischen Garten, dessen Blütenpracht sich vor allem in den Monaten Juni und Juli entfaltet, wenngleich sich seltene Arten bis Ende September bewundern lassen. Tafeln verzeichnen den deutschen und lateinischen Namen jeder Pflanze sowie ihre Herkunft. Der Bereich der Heilpflanzen nach Alfred Vogel präsentiert jene Kräuter, die in der Naturheilkunde Verwendung finden.

Im Reich der Bären

Auf dem Weg nach Arosa passiert die von Chur ausgehende Bahnstrecke unter anderem das berühmte Langwieser Viadukt, das kühn über der Schlucht gespannt ist. Die historischen Chalets verleihen dieser Region des Plessurtals trotz ihrer touristischen Entwicklung einen ausgeprägten alpinen Charme. Auch mehrere Kirchen prägen dieses Bild, darunter die älteste (1493) mit spätgotischem Gewölbe sowie die katholische Kirche Maria Himmelfahrt.

Im Sommer lädt der Ort zum Baden in seinen beiden Seen ein: dem Obersee und dem Untersee. Opernaufführungen unter freiem Himmel bereichern das kulturelle Angebot der Region. Das Arosa Bärenland zählt insbesondere in jener Jahreszeit zu den beliebten Ausflugszielen, in der sich die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten lassen.

Das BelArosa gilt als jüngste architektonische Attraktion des Ortes. Auf den ersten Blick fügt sich der Bau in die Reihe der benachbarten Grandhotels ein, doch, einem Adlerhorst gleich, spielt er ein raffiniertes Spiel mit den Erwartungen: Auf einem steinernen Sockel staffeln sich rund zehn „Chalets“ (andernorts würde man von Suiten sprechen), die zu einer einzigen Struktur gefügt sind – eine technische Meisterleistung, vollendet im Jahr 2024.

Einziger Hinweis auf die zeitgenössische Formensprache sind die scharf konturierten Linien der Infinitypools aus poliertem Stahl, die sich kühn ins Leere vorschieben. Entworfen wurde das Ensemble vom österreichischen Designer Martin Mattersberger in Zusammenarbeit mit dem Projektleiter Jürg Kunz.

Arosa rückt zudem ursprüngliche Handwerkskünste in den Fokus. So beherbergt das Dorf einen bemerkenswerten Seifensieder. Der gebürtige Aroser und gelernte Apotheker Beat Urech wurde bereits in jungen Jahren mit Glyzerin, Natronlauge und ätherischen Ölen vertraut gemacht. Daraus ist eine vielfältige Kollektion naturbelassener Seifen entstanden, gefertigt aus Zutaten biologischer Herkunft.

Der Star des Engadins

Nur sechs Kilometer südwestlich von St. Moritz gelegen, zieht Silvaplana Liebhaber von Wassersportarten an, die hier von den beständigen Winden profitieren. Ein Spaziergang entlang des Sees genügt, um zahlreiche Camper und Sportler auszumachen.

Andere Feriengäste widmen sich Wanderungen auf den ausgeschilderten Wegen durch eine weitgehend unberührte Natur. Dabei gibt es sowohl Wanderer, die auf eigene Faust unterwegs sind, als auch jene, die geführte Touren unter der Leitung qualifizierter Guides bevorzugen. Die Routen werden von den Verantwortlichen individuell zusammengestellt und dauern zwischen zwei und fünf Stunden bei einem Höhenunterschied von bis zu 500 Metern.

Die Via Engiadina durchquert das gesamte Engadin. In zwölf Etappen verbindet die Route das Passdorf Maloja mit Vinadi im Unterengadin, an der Grenze zu Tirol. Wer den Weg oberhalb von Silvaplana beschreitet, taucht ein in duftende Arvenwälder, überquert rauschende Bäche und wandert durch Almwiesen, die zur Sommerzeit so üppig blühen, dass man sich in einen zweiten botanischen Garten versetzt glaubt.

Der Ferienort wird aber auch für seine Offenheit gegenüber kulturellen, gesellschaftlichen und gastronomischen Strömungen geschätzt. In einer Zeit, in der sich der Schweizer Bergtourismus neu erfindet, setzt er auf einen festlicheren, gastfreundlicheren und umweltbewussteren Ansatz. Jedes Jahr organisiert er Spätsaison-Wanderungen zu den schönsten Aussichtspunkten der Bernina, im Bergell, auf dem Corvatsch, in Maloja und im Schweizerischen Nationalpark. Als Ort, der Vielfalt lebt, bietet er der LGBTQ+-Community sogar eine eigene „Pride Hiking & Culinary Week“ an.

„Die Pandemie hatte nicht nur negative Auswirkungen“, freut sich Claudia Pronk, Direktorin eines Hotels, das an die Bergbahnen des unverzichtbaren Corvatsch (3303 m) angeschlossen ist. Diese Anlagen bringen die Gäste in 15 Minuten auf den Gipfel. „Wir stellen einen deutlichen Anstieg der Westschweizer fest, die unsere Ostschweiz für sich entdecken.“

Übrigens beherbergt der Corvatsch nicht nur das höchstgelegene Restaurant des Kantons.  Whisky-Liebhaber können dort auch die höchstgelegene Brennerei der Welt besuchen. Die Höhenlage soll einen Destillationsprozess bewirken, der rund 10 °C unter der im Tal üblichen Temperatur beginnt. Dies soll dem Aroma zusätzliche Tiefe verleihen.


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