Maremma
Florenz, Siena, Pisa – natürlich! Doch abseits dieser pulsierenden Touristen- Highlights zeigt sich das toskanische Hinterland noch immer von seiner ruhigen, ursprünglichen Seite. Die Maremma ist eine Region, die dem guten Leben und der Geselligkeit frönt. Außerdem verwöhnt sie ihre Besucher mit unberührter Natur und einer facettenreichen historischen Vergangenheit.
Stellen Sie sich einen Landstrich vor, der sich wie eine sanfte Welle entlang der tyrrhenischen Küste zieht – geprägt von Pinienwäldern, Weinbergen, Olivenhainen, trockengelegten Sümpfen und mächtigen mittelalterlichen Festungen! Diese andere Toskana ist noch sehr ursprünglich, fast archaisch. Ein Ort verkörpert den Charakter dieses kleinen Paradieses besonders eindrucksvoll: Massa Marittima, nördlich von Grosseto, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, gelegen. Die Stadt entstand im frühen Mittelalter rund um den Monte Regio, der für seine berühmten Weine bekannt ist. Sie thront über hohen erzreichen Hügeln und bietet einen bemerkenswerten Ausblick auf rote Ziegeldächerund – in der Ferne – auf das Mittelmeer. Von Florenz aus sind es nur 116
Kilometer bis zu dieser Sehenswürdigkeit. Dort, im Herzen der Stadt, befindet sich die theatralische Piazza Garibaldi, die von Palästen und einer imposanten romanisch-gotischen Kathedrale beherrscht wird. Darin das monolithische Taufbecken von Giraldo da Como (1267), welches biblische Motive, gleich einem in Stein gemeißelten Comic, darstellt. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich das Museum San Pietro all’Orto mit einer Ausstellung mittelalterlicher Kunst und einer privaten Orgelsammlung.
Wilder Westen
Das Weingut Petra (das nichts mit der UNESCO-Welterbestätte in Jordanien zu tun hat) gehört Vittorio Moretti. Der lombardische Unternehmer ist in der Weinwelt vor allem für seinen Schaumwein bekannt – und dafür, dass er den Star-Architekten Mario Botta mit dem ultramodernen Entwurf seiner Kellerei beauftragt hat: „Die Umgebung ist wie eine Wildwest-Kulisse, von der die meisten Italiener nichts wissen.“ Er zählt einige sehenswerte „Adlerhorste“ der Gegend auf, die sich hervorragend fotografieren lassen – etwa das pittoreske Pitigliano, welches auf der Spitze eines Tuffstein-Berges klebt. Hier verliert man sich gerne in einem Labyrinth gepflasterter Gassen unter dem gleichgültigen Blick träger Katzen. Die Überreste des ehemaligen jüdischen Ghettos beherbergen heute Weinkeller, die zur Degustation einladen. Auch die Nachbarorte Sorano und Sovana, die auf ihren eigenen Felsspitzen thronen, ziehen bei Sonnenuntergang Verliebte an, wenn sich das Gestein zu zartem Rosa färbt. Wohlhabende Florentiner und Römer, Künstler und Intellektuelle haben hier ihr Feriendomizil. Auch Alain Ducasse entdeckte dieses unberührte Fleckchen Erde vor etwa zwanzig Jahren und eröffnete in Castiglione della Pescaia „L’Andana“. Die einstige Residenz des Großherzogs der Toskana wurde in ein Luxushotel umgewandelt und ist heute eine der gastronomischen Hochburgen des mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Spitzenkochs Enrico Bartolini.
Bewegung
Die üppige Frühlingsvegetation weicht im Sommer sonnenverbrannten Weizenfeldern. Auf der Suche nach Abkühlung erkunden begeisterte Vogelfreunde den Lago di Burano und die Lagune von Orbetello, die mehrere Hundert Vogelarten beherbergen – darunter Falken, Reiher und andere Watvögel. Der Naturpark der Maremma erstreckt sich über mehr als 9.000 Hektar entlang der tyrrhenischen Küste und bietet die Möglichkeit Wildschweine, Füchse und Damhirsche inmitten von Steineichen, Erdbeerbäumen und Myrten zu beobachten. Diese idyllische Kulisse lädt zu Kutschfahrten, Nordic Walking, Radtouren, Ausritten sowie Kanufahrten oder Kajaktouren ein. Bevor man die Maremma verlässt, ist ein Abstecher zu den Terme di Saturnia ein absolutes Muss. Diese warmen Quellen zwischen Pitigliano und Manciano laden dazu ein, im Freien ein genüssliches Bad im fast 38-grädigen Thermalwasser zu nehmen. Der Eintritt ist frei – ein echter Geheimtipp für alle durchreisenden Kurgäste.
Köstliches
Zu den bekanntesten Gerichten der toskanischen Maremma gehören Cacciucco, eine Suppe mit Fisch und Meeresfrüchten, sowie Tortelli di patate, mit Kartoffelstampf und Käse gefüllte Nudeln. Mit Ricotta und Spinat gefüllte Tortelli werden manchmal zu einem Wildschwein-Ragù serviert. Dieses Wild wird auch als Salami oder als Hauptgericht zusammen mit frittierten Zucchiniblüten angeboten. Panzanella ist ein traditioneller toskanischer Salat, der mit in Vinaigrette eingeweichtem Brot, Tomaten, Gurken und Zwiebeln zubereitet wird (diese Zutaten können je nach Jahreszeit variieren). Mozzarella und lokale Wurstwaren kann man überall nach Herzenslust genießen, dazu einen lokalen Wein, zum Beispiel ein Morellino di Scansano (rot). Auch Vegetarier kommen nicht zu kurz und können beispielsweise Pfannkuchen mit frischem Gemüse (Zucchini, Paprika und Pilze) probieren.






