Skippers

🏛 » Skippers Cup auf den Britischen Jungferninseln

Skippers Cup auf den Britischen Jungferninseln

von Brice Lechevalier

15-Jahr-Jubiläum im Segelparadies

Der vom Magazin Skippers gemeinsam mit Voile Evasion organisierte Skippers Cup vereint alle zwei Jahre Schweizer Seglerinnen und Segler zu einer einwöchigen Segel-Rallye. Nach Kroatien und Griechenland kehrte er dieses Jahr auf die Britischen Jungferninseln zurück, wo er am 11. November 2011 zum zehnjährigen Bestehen des Magazins Premiere gefeiert hatte.

Dieses Jahr kreuzten vom 2. bis 9. Mai acht Boote durch die Inselwelt rund um Tortola. Rund vierzig Personen nahmen an Bord von 41-Fuss-Einheitsjachten aus den Flotten von Moorings und Sunsail teil. Das Organisationskomitee begleitete sie auf einem geräumigen Leopard-Katamaran vom Typ Moorings 463, legte die Bojen aus, filmte die Starts und empfing die Skipperinnen und Skipper zum täglichen Briefing oder zur morgendlichen Yogastunde.

Fantastische Bedingungen und traumhafte Inseln

Die Britischen Jungferninseln, kurz BVI, bestehen aus rund sechzig Inseln, deren Namen ebenso nach Piraten klingen wie die Marinas nach Steuerparadiesen. Norman Island, Jost van Dyke, Virgin Gorda, Guana Island oder Anegada rufen legendäre Scharmützel in Erinnerung. Wir liefen die Inseln unter nahezu perfekten Bedingungen an. Bei strahlendem Sonnenschein und 10 bis 18 Knoten Wind glitten wir über das türkisfarbene Meer und wurden dabei von bunten Fischen und Meeresschildkröten begleitet, die neugierig ihre Köpfe aus dem Wasser streckten. Mit Ausnahme der flachen, für Flamingos, Hummer und ihre Lagune bekannten Insel Anegada sind die grünen BVIs eher hügelig bis bergig. Kleine Siedlungen sind wie zufällig über die üppig bewaldeten Inseln verstreut. Am Ufer wechseln sich schroffe Felsküsten mit weissen, von Kokospalmen gesäumten Sandstränden ab und konkurrieren in ihrer Schönheit mit den vorgelagerten Eilanden, auf denen oft kaum mehr als ein paar Palmen Platz finden.

Eingebettet in diese blau-grüne Harmonie überraschen die Inseln durch ihre Vielseitigkeit. Einige befinden sich in Privatbesitz von Milliardären, die der tropischen Idylle ebenso verfallen sind wie wir. Besonders spektakulär präsentiert sich Virgin Gorda mit dem Naturpark The Baths, dessen gewaltige Granitblöcke zwischen Land und Meer an die Seychellen erinnern. Zwischen den Felsen locken Höhlen und idyllische Naturpools. Ein Halt gehörte selbstverständlich zum Programm. Je länger die Reise dauerte, desto mehr waren wir hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, noch etwas länger an diesen magischen Orten zu bleiben, und der Lust, Neues zu entdecken und im konstanten Wind bei der nächsten Wettfahrt Flagge zu zeigen.

Hart, aber herzlich

Hinter dem Skippers Cup steckt der Wunsch, die Schweizer Segelgemeinschaft zusammenzubringen und den Teilnehmenden auf spielerische und sichere Weise ein neues Revier näherzubringen. Nach dem Prinzip einer Flottille mit Flaggschiff sah das Format eine Etappe pro Tag mit Start- und Ziellinie sowie einer Tageswertung vor. Der von Moorings-Sunsail offerierte Willkommensabend bot den Crews Gelegenheit, sich kennenzulernen. Viele Teilnehmende kannten sich bereits von Regatten auf Schweizer Seen oder von früheren Austragungen des Skippers Cups. Manche sind seit fünfzehn Jahren dabei, etwa Valérie und Philippe Rey-Gorrez von Teamwork oder die Genfersee-Veteranen Michel Glaus und Jean-Claude Burdet. Sie machten keinen Hehl daraus, wie sehr sie es genossen, gemeinsam ein neues und exotisches Revier zu entdecken.

Teamwork zählt seit Jahren zu den treuen Partnern des Skippers Cups. Das Unternehmen organisierte ebenso wie die Veranstalter jeweils einen Abend für die Teilnehmenden, was die Bande innerhalb der Flotte zusätzlich stärkte. Die Preisverleihung fand wie immer nach der Rückkehr in die Charterbasis statt, diesmal auf Einladung von Leopard Catamarans. Bei viel Gelächter und guter Laune zeigte Jonathan Viey die schönsten Momente der Woche in Bildern und Videos. Seine eindrucksvollen Regatta- und Landschaftsaufnahmen können auf dem Instagram-Account und dem YouTube-Kanal von Skippers angeschaut werden.

Die täglichen Wettfahrten dauerten nie länger als einen halben Tag, damit genügend Zeit blieb, die Inseln zu erkunden oder sich zu erholen. Besonders beliebt waren die Abendessen am Strand, die Cocktails auf dem Flaggschiff und die gemeinsamen Abende in der Marina. Dort entstehen oft Freundschaften fürs Leben. Dass Geselligkeit und gegenseitige Wertschätzung von allen Teilnehmenden hochgehalten werden, zeigte sich auch am täglichen Briefing, das jeweils zur Aperozeit an Bord des Flaggschiffs abgehalten wurde. Niemand spielte sich auf, heikle Situationen auf dem Wasser wurden offen, mit Humor und gegenseitigem Respekt ansgesprochen. Auf dem Wasser aber schenkten sich die Teams trotz allem nichts. Sie bewiesen gesunden sportlichen Ehrgeiz, schliesslich waren sie gekommen, um zu gewinnen. Gemeinsame Momente gab es diesmal auch beim morgendlichen Yoga. Manchmal versammelte sich um 7 Uhr morgens fast die Hälfte der Teilnehmenden, um unter der Leitung von Jonathan Vieys Partnerin Megane etwas für Körper und Geist zu tun. Sie selbst zeigte sich von dieser neuen Erfahrung begeistert.

Spannend bis zum Schluss

Traditionell besteht etwa die Hälfte der Crews aus guten Fahrtenseglerinnen und Seglern, die andere Hälfte aus erfahrenen Regatteuren, für die das sportliche Resultat eine wichtige Rolle spielt. Zu den Podestanwärtern gehörten dieses Jahr Christian Willi, der bei früheren Austragungen mehrfach den zweiten Platz eroberte, Sébastien Aubord, der sonst eher auf TF35 oder Pogo anzutreffen ist, die mehrfachen Schweizermeister Michel Glaus und «Gaston» Burdet sowie Titelverteidiger François Bopp, der sonst auf Hightech-Jachten am Rolex Cup und anderen internationalen Regatten startet.

Glaus und sein Team mussten ihre Ambitionen allerdings relativ früh begraben, sie wurden durch technische Probleme ausgebremst. Der Kampf um die Spitzenplätze spielte sich somit vor allem zwischen drei Teams ab. Dennoch gaben sich die Crews im hinteren Feld nicht geschlagen, sodass der Cup bis zum Schluss spannend blieb. Auch die beiden Neulinge Jean-Louis Frei und seine Berner Crew Les Tacticiens sowie Benoît Lietar mit Team Rolex bewiesen grossen Einsatz und schlugen sich hervorragend.

Zwei weitere Teams hatten ihre Crew kurzfristig und eher improvisiert zusammengestellt. Marc Perut, Freiwilliger an der Bol d’Or, und Pierre Buholzer, ehemaliger Chef des nautischen Fachgeschäfts La Seiche, gingen gemeinsam mit ihren Ehefrauen an den Start. Für sie stand vor allem die Freude im Vordergrund, gemeinsam eine aussergewöhnliche Region zu entdecken und mit anderen Segelbegeisterten unvergessliche Momente zu erleben.

Die Gesamtwertung wechselte beinahe täglich. Am Ende gewann erneut François Bopp den Skippers Cup, knapp vor Sébastien Aubord (Teamwork) und Christian Willi. Das Wichtigste war aber bei allen die gute Stimmung. Sie genossen die Woche in vollen Zügen und freuen sich bereits auf die nächste Austragung. Damit sie nicht so lange auf ein Wiedersehen warten müssen, wollen sie schon vorher ein Treffen organisieren.

Die BVIs: weit weg, aber die Reise wert

Eine Reise auf die Britischen Jungferninseln will verdient sein. Die Landschaft ist spektakulär, die Segelbedingungen fast das ganze Jahr ideal und das Meer von beeindruckender Schönheit. Die Kehrseite: Die Anreise dauert ihre Zeit und verläuft selten ohne Zwischenfälle. Kaum eine Crew blieb von Flug- oder Gepäckproblemen verschont. Auch die Gastfreundschaft und die Servicequalität in den Geschäften und Restaurants entsprechen nicht immer europäischen Standards und die Preise sind relativ hoch.

Die unterschiedlichen Standards zeigten sich teilweise auch in der imposanten Sunsail-Moorings-Basis, die mit 320 Booten als grösste Charterbasis der Welt gilt. Beim Check-in empfiehlt es sich, den Zustand des Bootes besonders sorgfältig zu kontrollieren. Während dieses Skippers Cups traten deutlich mehr Probleme auf als bei früheren Austragungen. Dabei gilt Sunsail-Moorings grundsätzlich als Referenz für Flottenqualität und technische Betreuung. Davor hatten wir nur gute Erfahrungen gemacht, sogar in sehr grossen Basen wie in Split (Kroatien).

Unbestritten bleiben jedoch die hervorragende Lage und die gute Infrastruktur der Basis in Tortola. Restaurants, Bars und Geschäfte erleichtern die An- und Abreise erheblich. Pool, Spa und grosszügige, sehr gepflegte Duschanlagen sorgen zusätzlich für Komfort nach langen Tagen auf dem Wasser. Die rund vierzig Teilnehmenden des Skippers Cups behalten trotz allem vor allem die schönen Seiten dieser Segel-Rallye in Erinnerung. Der berühmte Painkiller der BVIs dürfte seinen Teil dazu beigetragen haben.

Den Film und die schönsten Bilder der Woche finden Sie auf dem YouTube-Kanal von Skippers.

Dans la meme categorie