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Ein Sieg auf Umwegen

von Gregoire Surdez

Die 87. Ausgabe der Bol d’Or war an Dramatik kaum zu überbieten. Ylliam XII – Comptoir Immobilier wurde disqualifiziert und dann doch als Sieger bestätigt. Auch sonst war das wie immer hart umkämpfte Langstreckenrennen wie immer hochspannend.

Diese Bol d’Or wird als besonders verrückte Ausgabe in Erinnerung bleiben. In der Königsklasse der TF35 spielte sich Chaotisches ab. Kurz vor 22 Uhr überquerte Ylliam XII – Comptoir Immobilier als erstes Boot die Ziellinie, wurde dann aber disqualifiziert. Das gleiche Schicksal ereilte seinen «kleinen Bruder» Ylliam 17 mit Julien Firmenich (3.). Die Wettfahrtleitung sanktionierte beide TF35, weil sie statt mit den gemeldeten sieben nur mit sechs Crewmitgliedern gesegelt waren. Marco Favaleder auf dem X-Wing, der die Regatta als Zweiter beendet hatte, wurde daraufhin zum Sieger erklärt. Doch seine Freude währte nur kurz. Die Beschuldigten legten Einspruch ein, worauf sich die internationale Jury beriet und zum Urteil kam, dass die Disqualifikation aufgrund eines Formfehlers rückgängig gemacht werden musste. Damit wurden die 391 gestarteten Boote für die Gesamtwertung offiziell nach der Reihenfolge der Zieleinfahrten klassiert.

So war es schliesslich doch das Team Ylliam XII – Comptoir Immobilier, das bei der Siegerehrung die Korken knallen liess. Skipper Bertrand Demole feierte damit nach 2021 bereits seinen zweiten Sieg beim Genferseeklassiker. «Wir sind ein hervorragendes Rennen gesegelt», frohlockte er. «Wir lagen praktisch die gesamte Regatta über in Führung und haben in der Schlussphase die richtigen Entscheidungen getroffen.» Sein TF35 brauchte für die Siegesfahrt 11 Stunden, 48 Minuten und 53 Sekunden und war damit 3 Minuten und 16 Sekunden schneller als X-Wing. Dem drittplatzierten Ylliam 17 nahm Demole 6 Minuten und 58 Sekunden ab.

Der chaotische Ausgang tat der Qualität der 87. Ausgabe keinen Abbruch. Sie ging bei strahlendem Sonnenschein und typischen Genfersee-Bedingungen über die Bühne: Auf einen herrlichen Start bei starkem Südwestwind folgte ein zäher Grand-Lac und ein nahezu windstiller Haut-Lac. Auf dem Rückweg gelang es nur den schnellsten Mehrrumpfbooten, den Joran zu erwischen und den Jet d’Eau noch vor 22 Uhr zu erreichen. Wie intensiv der Schlagabtausch innerhalb der TF35-Flotte war, zeigten die geringen Abstände im Ziel. Die beiden D35 Okalys von Nicolas und Arnaud Grange und Double You Team von Christian Wahl konnten die neueren Katamarane nie wirklich in Bedrängnis bringen. Dennoch gelang Okalys ein bemerkenswertes Comeback. Das Vater-Sohn-Duo belegte den sechsten Gesamtrang und klassierte sich deutlich vor seinem direkten Rivalen in der M1-Klasse Christian Wahl sowie vor den beiden TF35-Foilern Zen Too (8.) und Sails of Change 10 (13.).

Bei den Einrumpfbooten verlief das Rennen deutlich weniger hektisch. Philippe de Weck lieferte auf der K2 eine regelrechte Machtdemonstration. Im Vorjahr hatte er sich mit seiner Luthi 1420 noch der Libera Carondimonio geschlagen geben müssen, diesmal fuhr er einen souveränen Sieg nach Hause. Auf der Hinfahrt blieben die Verfolger noch an ihm dran – die Psaros 40 Cellcosmet von François Thorens rundete die Wendemarke in Le Bouveret sogar noch vor ihm –, doch auf der Rückfahrt hänge er sie alle ab. Die Zweitplatzierte Stravaganza mit Philippe de Wecks Sohn Alexandre am Steuer verlor am Ende mehr als 45 Minuten.

In der Zeitwertung, in der alle ins Ziel gekommenen Boote (296) anhand ihrer Vermessung und eines Handicaps klassiert werden, setzte sich eine ausgesprochen junge, ambitionierte Crew auf Tarango durch. Gesteuert wurde die Luthi 9.52 von Alexis Pariat, der für den Club Nautique Morgien und den Club Nautique de Crans antrat. Seine Segelfreunde und er sind alle zwischen 16 und 22 Jahre alt. Pariat freute sich sichtlich über seinen Erfolg: «Wir sind unglaublich glücklich und stolz auf diesen Sieg. Für uns bedeutet er sehr viel. Wir wollen als Team weiterwachsen und eines Tages vielleicht eine Psaros 33 kaufen. Der grosse Traum wäre natürlich ein TF35 oder ein TP52.»

Für Begeisterung sorgte auch der Sieg bei den Surprise, die zu ihrem 50-Jahr-Jubiläum gleich mit 101 Booten vertreten waren. Wie so oft fiel die Entscheidung erst auf den letzten Metern. «Zwischen Pointe-à-la-Bise und der Ziellinie», so Sarah Jaccaud vom Cercle de la Voile de Lausanne. Gemeinsam mit Antoine Costa, Pascal Lehmann und Cédric Jaccaud wehrte sie auch die letzten Angriffe von René Mermoud auf Waventin erfolgreich ab. Im Ziel fehlten ihm lediglich 1 Minute und 19 Sekunden.

Erfolgreiches Comeback bei der Genève-Rolle-Genève

Die Saison der Genfersee-Klassiker begann in diesem Jahr früher als üblich. Aufgrund des G7-Gipfels in Evian wurde die Bol d’Or du Léman um eine Woche vorverlegt. In der Folge fand die Genève-Rolle-Genève, das erste grosse Rennen der Saison, bereits am Wochenende vom 30. und 31. Mai statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Genève-Rolle-Genève hätten angesichts der Bedingungen sicher gerne mit der Bol d’Or getauscht. Der kräftige Südwestwind, der am Samstag, 6. Juni, den ganzen Tag über den Petit-Lac wehte, hätte zweifellos eine Rekordjagd ermöglicht. Stattdessen stellte die 53. Ausgabe der Regatta einen Negativrekord auf. Bei spiegelglattem Wasser und kaum Wind benötigte das schnellste Boot 9 Stunden und 52 Minuten für die Strecke – so lange wie noch nie.

Es war Nicolas Grange, der mit seinem modernisierten und mit neuen Segeln ausgestatteten D35 Okalys mitten in der Nacht als Sieger in Genf einlief. Zusammen mit seinem Sohn Arnaud am Steuer und Pierre-Yves Jorand nutzte er den schwachen Wind zu seinem Vorteil, denn unter diesen Bedingungen konnten die TF35 unmöglich fliegen. Nach dem Sieg der Genève-Rolle-Genève startete das Team mit viel Selbstvertrauen zur Bol d’Or. Dort belegte Okalys den sechsten Gesamtrang und gewann die M1-Wertung. Einen Doppelerfolg feierte auch die K2 von Philippe de Weck. Sie blieb an den beiden Klassikern bei den Einrümpfern ohne ernsthafte Konkurrenz.

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