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Vermesser seit 50 Jahren

von Quentin Mayerat

„Die Arbeit in der Vermessungskommission macht Spass und ist konstruktiv, Jeder bringt seine Erfahrung ein. Die weniger schöne Seite besteht darin, dass einige Segler die Vermesser bei den Meisterschaftskontrollen als Polizisten betrachten, die Betrügereien verhindern sollen, obwohl wir eigentlich dafür da sind, ein faires Spiel zu garantieren.“ © Dominique Krähenbühl

Wohl kaum einer der unzähligen Regatteure, die ihr Boot schon von Jean-Pierre Marmier haben vermessen lassen, würde vermuten, dass sich der Bauingenieur die letzten zwanzig Jahre seines Berufslebens mit der Erhaltung historischer Denkmäler wie der Lausanner Kathedrale beschäftigt hat. Bevor er sich für die olympischen Klassen begeisterte, bestritt er als 14-Jähriger seine ersten Regatten auf 6ern und danach auch auf 6,50ern. Sein erster Bootskauf war eine Vaurien. Als der 470er 1976 olympisch wurde, stieg er auf die Zweimann-Jolle und später auf die Soling um. „In den olympi-schen Klassen erkennt man sofort, ob man als Steuermann oder Vorschoter wirklich taugt“, meint Marmier.

Seit jenem denkwürdigen 1. September 1961, als der Präsident der Vermessungskommission ihn zum offiziellen USY-Vermesser ernannte, hat Jean-Pierre Marmier viel geleistet. Seine ersten Schritte auf dem internationalen Parkett verdankt er seiner Tätigkeit als Soling-Vertreter in der Schweiz in den 1970er-Jahren. Er reiste um die halbe Welt, um die Vermessungskurse von Tony Watts, dem Chief Measurer des IYRU (heute ISAF) zu besuchen. Als 1980 das Amt des internationalen Vermessers eingeführt wurde, war es naheliegend, Marmier mit dieser Funktion zu betrauen. Auch ins „Measurement Committee“ des IYRU wurde er aufgenommen. Fünf Jahre später nahm er das Angebot von Tony Watts an, mit ihm zusammen den Koreanern im Hinblick auf die olympischen Sommerspiele 1988 in Seoul die Grundlagen der Vermessung zu erklären. Nach dieser Asien-Expedition machte Jean-Pierre Marmier noch weitere Olympiaerfahrungen, zunächst als Vermesser für die Soling-Boote, nach dem Tod von Tony Watts als Chief Measurer des internationalen Verbands. Er geniesst ein so hohes Ansehen, dass ihn Russell Coutts mit der Ausarbeitung der Bauvorschriften für seine RC44 beauftragte. „Ein echtes Vergnügen“, sagt das umtriebige Mitglied des Cercle de la Voile Vevey – La Tour (CVVT) sichtlich begeistert. Dennoch ist er der Meinung, dass sich diese Klasse nur halten kann, wenn der America’s Cup wieder auf Kieljachten gesegelt wird, „ansonsten muss sie wahrscheinlich Mini-Mehrrümpfern mit Flügelsegeln weichen“, so Marmier.

Klare Meinung

Wie unterschiedlich die Vermessungsarbeit sein kann, veranschaulicht der noch immer aktive ISAF-Goldmedaillengewinner (2004) an einem eindrück-
lichen Beispiel. Während er für die 35 Punkte eines Optis gerade einmal 20 Minuten braucht, nimmt bei einer RC44 oder einer Soling allein die Vermessung der Segelgarderobe doppelt so viel Zeit in Anspruch – und das zu zweit! Auf die Stärken und Schwächen von Swiss Sailing angesprochen, lobt Jean-Pierre Marmier die vielen Helfer, die dafür sorgen, dass die Regatten unter guten Bedingungen durchgeführt werden können. Kritik äussert er an der mangelhaften Kommunikation zwischen den Leitern der verschiedenen Abteilungen. Als Gründungsmitglied und Präsident des Swiss Sailing Pool hoffe er, dass Vincent Hagin* den Zusammenhalt und die Kommunikation zwischen den verschiedenen Verantwortlichen auf nationaler Ebene wieder herstellen könne. Zudem hege er den Wunsch, dass die Schweizer Politiker den besten Elementen des Schweizer Segelsports mehr Mittel zur Verfügung stellt. „Wir haben einige Weltklasseteams. Verglichen mit anderen Ländern erhalten diese aber so gut wie keine Unterstützung“, kritisiert der Vermesser. Und was hält er vom 34. America’s Cup? „Er ist so lange interessant, wie er auf Kieljachten gesegelt wird, auf denen Taktik eine Rolle spielt“, so seine Einschätzung. „Wenn nur noch die Geschwindigkeit zählt, geht ausschliesslich um technische Leistung und die Regatta selbst ist belanglos.“

Jean-Pierre Marmier zusammen mit Tony Watts und Bob Kim in Korea, wo sie den Veranstaltern der olympischen Sommerspiele 1985 die Vermessungsregeln näher brachten. © DR

*Aktueller Vizepräsident und Kandidat für das Amt des Präsidenten von Swiss Sailing

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