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Ein Vollblut-Racer und ein avantgardistischer Foiler

von Quentin Mayerat

Das dicke Flügelsegel funktioniert, bringt aber noch nicht bei allen Windbedingungen die optimale Leistung. Es wird deshalb an einer zweiten Version gearbeitet. © Philippe Schiller

Am Genfersee wurde diesen Winter nicht geschlafen, im Gegenteil,

in den Werften herrschte Hochbetrieb. Die erfinderischen Geister unter den Schiffsdesignern, Ingenieuren und Bootsbauern brachten zwei spektakuläre Neuheiten heraus: einen Einrümpfer edlen Geschlechts, die Psaros 33, und einen in allen Punkten originellen Foiler, den π28 oder Pi28. Bei beiden wurden die neusten Errungenschaften der Technik eingesetzt, sie bauen aber auf einem einfachen Konzept auf und sollen auch einfach zu segeln sein. Der Genfer Schiffsarchitekt Sébastien Schmidt kennt beide Boote gut. Das erste hat er im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem Bootsbauer Jean Psarofaghis entworfen, beim zweiten wirkte er an der Seite der Ingenieure Hugues de Turckheim, dem Designer und Koordinator des π28 Gonet&Cie, und Mathias Bavaud mit.

Die beiden ersten Einheiten der Psaros 33 wurden verkauft und im März eingewassert, die dritte steht auch schon bereit. © DR

Jean Psarofaghis wollte den Seglern ein einfaches, schnelles und nicht zu grosses Boot mit den Grundeigenschaften eines Toucan bieten. „Die Psaros 33 erfüllt alle diese Voraussetzungen“, versichert er. Dank seiner Grösse (10 Meter), seinem Gewicht (2 Tonnen) und dem Hubkiel kann das Boot von einem Auto mit grossem Hubraum problemlos getrailert werden. Die einfachen Beschläge und die passende Segelfläche sorgen zudem dafür, dass es sowohl einhand als auch zweihand gesegelt werden kann und trotzdem Platz für bis zu fünf Personen bietet.

Durchsetzungsstarker Racer

© DR

„Wir wollten kein extremes Segelboot, sondern eines, dass sich auf engem Raum gegen die besten Boote seiner Grösse durchsetzen und wenn möglich vorne mitmischen kann. Mittelfristig soll zudem eine neue Einheitsklasse entstehen“, erklärt Jean Psarofaghis das Konzept. Damit diese Ziele auch erreicht werden können, wurde die Psaros 33 entsprechend ausgestattet. Zu ihren Merkmalen gehören ein 2,60 m hoher Schwenkkiel, ein fester, 70 cm langer Bugspriet für das Genua-Stagsegel, ein 3,20 m langer einziehbarer Bugspriet für den asymmetrischen Spi, ein Gleitrumpf mit diskreter Kimmkante, ein für den Transport zerlegbarer Karbonmast und ein einziehbarer Propeller.

Auf Wunsch der ersten Käufer wurde eine kleine, äusserst schlichte Kabine mit bis zu vier Liegen eingebaut. „Der Rumpf ist aus Epoxy“, betont der Bootsbauer. „Es handelt sich dabei um eine bewusste Materialwahl, denn das Boot soll so langlebig wie möglich sein und nicht zu viel kosten. Verglichen mit einem Karbonrumpf bringt der Epoxyrumpf ausserdem nur 30 Kilo mehr auf die Waage.“

„Ein besonderes Augenmerk wurde zudem auf die Optimierung der Gussformen gelegt“, fügt Sébastien Schmid an. „Sie wurden per Computer zugeschnitten, so dass sich alle Teile perfekt ineinanderfügen. Auf diese Weise nimmt die Montage viel weniger Zeit in Anspruch und die Kosten werden entsprechend geringer.“ Das Kunstharz wurde per Infusionsverfahren eingespritzt, da diese Technologie für die Arbeiter weniger aggressiv ist.

© DR

Der π28: einfach und bei jedem Wind segelbar

In einer ganz anderen Liga spielt der Pi28 – ein Monohull mit dreistufigem Tragflügelsystem. Ziel des Konstrukts ist schnelles Segeln bei wenig Wind und wenn irgendwie möglich ein Sieg in der Kategorie der Foiler an der Bol d’Or. Eigentlich würde man beim Anblick des extremen Einrümpfers eine komplizierte Bauweise erwarten, doch entgegen den Erwartungen präsentiert sich der Prototyp von Hugues de Turckheim und Sébastien Schmidt als Modell der Einfachheit und Reaktivität. Beim Entwurf stand der Foiler-Moth Pate.

„Das Boot soll in der Lage sein, die Bol d’Or zu gewinnen, bei möglichst vielen verschiedenen Wind- und Wellenbedingungen fliegen können, Platz für drei Besatzungsmitglieder und einen Gast bieten und im Hinblick auf eine optimale Wendigkeit möglichst kompakt und klein sein“, beschreibt der Architekt das Konzept und fügt dann an: „Es segelt und fliegt wie ein Einrümpfer, denn die Ausleger liegen nicht im Wasser, sondern befinden sich in der Luft. Sie dienen lediglich dazu, dem Boot im Stillstand das nötige Gleichgewicht zu verleihen und es bei Navigationsfehlern vor dem Kentern zu bewahren.“

Die ersten Schläge des Pi28 verliefen sehr zufriedenstellend, denn es stellte sich heraus, dass er entgegen seiner Erscheinung tatsächlich sehr stabil ist. Ein Boot zum Fliegen zu bringen ist heute schon fast ein Kinderspiel, es aber lange in der Luft zu halten, eine deutlich schwierigere Angelegenheit. Doch genau das ist das Ziel des Pi28. Die Plattform wurde deshalb auch an die Foils angepasst und nicht umgekehrt. Das Boot soll schon bei 6-8 Knoten abheben und sogar bei wenig Wind ohne Unterbrüche fliegen.

© DR

Wie eine Laterne

Ein schon fast wahnwitziges Ziel, das mit der besonderen Plattform, den speziellen Foils in Form eines umgekehrtes π-Zeichens und des revolutionären Segels erreicht werden soll. Bevor die Wahl auf das Flügelsegel fiel, waren mehrere erfolglose Versuche mit einem klassischen Grosssegel und einem Sprietsegel durchgeführt worden. Auch ein steifes Segel wurde in Erwägung gezogen, wegen der allzu komplizierten Umsetzung aber wieder verworfen. Erst danach kamen die Entwickler auf die Idee, ein dickes, zweilagiges und durchgelattetes Segel einzusetzen, bei dem das Tuch über die Rippen den Mast hochgespannt wird. Das Ganze sieht irgendwie aus wie eine Laterne.

Hugues de Turckheim kann es noch immer nicht fassen, obwohl die Idee ja von ihm stammt: „Vor der ersten Ausfahrt wollten die Eigner noch wissen, ob sie denn wirklich einen Helm tragen müssen. Wir haben aber schnell gemerkt, dass wir DIE Lösung in der Hand halten, denn das Boot ist stabil und deshalb auch für Ausfahrten mit der Familie geeignet. Das Segel kann dank des Feintrimms linear eingestellt und die Kraft im Segel somit progressiv erhöht werden. Dadurch ist es trotz der fast 50 m2 bei allen Bedingungen leicht zu bedienen. Den Winter haben wir damit zugebracht, das Segel, das etwas zu stark twistete, weiter zu verbessern, und das Gewicht der Karbonrippen zu reduzieren. Eine minutiöse Künstlerarbeit, mit der Mathias Bavaud betraut wurde.“

Der innovative Foiler Pi28 hebt sich von allem bisher Gekannten ab. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich spätestens an der Generalprobe der Bol d’Or, der Genève-Rolle-Genève, zeigen.

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