Zum Hauptinhalt springen

Skippers

🏛 » Alinghi verpasst dritten Sieg in Serie

Alinghi verpasst dritten Sieg in Serie

von Quentin Mayerat

An Oracles Sieg auf dem Wasser gab es nichts zu rütteln. Der amerikanische Trimaran fuhr am Sonntag, dem 14. Februar in der Dämmerung 5 Minuten und 26 Sekunden vor dem Schweizer Katamaran über die Linie. Dieser hatte sich eine Strafe eingehandelt, weil er sich beim Signal fünf Minuten vor dem Start verbotenerweise noch in der Vorstart-Zone befunden hatte. Zwei Tage zuvor hatte USA-17 die Segelwelt mit ihrem Flügelmast in Staunen versetzt und Alinghi 5 eine empfindliche Schlappe zugefügt.

Bereits im ersten Duell hatte das Team um Ernesto Bertarelli eine Strafe kassiert, weil es den australischen Wunderknaben James Spithill, mit 30 Jahren der jüngste siegreiche Steuermann in der Geschichte des America’s Cups, in der Vorstart-Phase behindert hatte. Nach einer eindrücklichen Machtdemonstration fuhr das Team um Russell Coutts, der nicht mit an Bord war, eine halbe Ewigkeit (15:38 Minuten!) vor dem Defender ins Ziel. Alinghi musste den Strafkringel ein zweites Mal ausführen, weil das erste Manöver nicht sauber gefahren worden war. Dabei hatten die Schweizer den besseren Start erwischt und waren nach dem Dial-up sofort davongezogen, während USA-17 über eine Minute brauchte, bis sie wieder in Fahrt kam und endlich die Ziellinie überquerte. „Es wird sich sehr schnell zeigen, welches das schnellere Boot ist“, hatten Beobachter und Segler im Vorfeld prophezeit. Und so war es dann auch. Der schwarze Trimaran fuhr wie auf Schienen übers Wasser und baute seinen Vorsprung konstant aus. Bis zu 10 Prozent mehr Geschwindigkeit als der weisse Katamaran von Alinghi und Spitzen von 25-30 Knoten zeigte der Speedometer der USA-17 an. Das Flügelsegel wirkte wie ein Turbo. Es ist doppelt so gross wie der Flügel einer Boeing 757 und mit Klappen ausgestattet, die auf Sensoren reagieren und den Anstellwinkel zum Wind regulieren. Eine Wunderwaffe, die James Spithill und sein Team bestens beherrschten.

Bei den Windbedingungen vor Valencia waren die Grosssegel matchentscheidend. Pech für Alinghi, denn die Stärke des traditionellen Schweizer Riggs liegt ausgerechnet bei den Vorsegeln. Ihr bestes Segel, das G Zero, konnten die Schweizer nicht ein einziges Mal einsetzen, während sie in Ras al-Khaimah fast immer unter G Zero gesegelt waren. Die A

linghi 5 wurde für Thermikwind und die sanften Wellen im Golf der Vereinigten Arabischen Emirate gebaut und nicht für den starken Wellengang vor Valencia. Ernesto Bertarelli zeigte sich jedoch als fairer Verlierer und gratulierte den neuen Besitzern der Silberkanne: „Ich bin sehr stolz auf unser Team und auf das, was wir in den letzten zehn Jahren geleistet haben. Wir haben echte Freundschaft und viele unvergessliche Momente erlebt. Es gibt sicher Dinge, die wir hätten anders machen können, doch im Grossen und Ganzen bedauere ich nichts. Bravo Larry, bravo Russell, well done! Ich gratuliere dem BMW Oracle Racing Team  für das, was es auf dem Wasser gezeigt hat und für die eindrückliche Arbeit am Design und der Entwicklung. Ihr Boot war schneller, daran gibt es nichts zu diskutieren.“

Die andere Seite der Medaille

Ich denke, dass wir für die nächsten Booteeinen Konsens mit den anderen am America’s Cup beteiligten Personen finden müssen. Er wäre unverantwortlich, wenn eine Partei im Namen der anderen allein die Entscheidungen treffen würde.“ Von wem wohl diese weise und respektvolle Aussage stammt, die an der Pressekonferenz nach dem Sieg von Oracle gemacht wurde? Paradoxerweise von dergleichen Person, die im Winter 2008/2009 den von Alinghi und 19 Challengern ausgearbeiteten Konsens abgelehnt und ein Mehrrumpf-Duell gegen den Defender gerichtlich erzwungen hatte. Es überrascht niemanden mehr, wenn sich Russell Coutts etwas herausnimmt, was er bei anderen kritisiert. Ganz offensichtlich wird bei ihm mit zweierlei Mass gemessen. Im Nahen Osten ist Segeln für Mehrrümpfer gefährlich, auf den RC44 jedoch „fantastic“. Dass der spanische Challenger of Record (Desafio Espagnol) im Juli 2007 in Alinghis Sold stand, verstiess gegen die Regeln, doch es ist überhaupt nichts dabei, wenn der Chef des neuen Challenger of Record Mascalzone Latino im Februar 2010 mit einer Oracle-Jacke in der Gegend herumstolziert und lautstark die Niederlage Alinghis herbeisehnt. Wenn man weiss, wie viel Prestige und Emotionen im Spiel sind und dass zweieinhalb Jahre juristisches Hickhack nicht nur zu Verschleisserscheinungen führen, sondern auch unweigerlich auf die Stimmung schlagen, ist dieses respektlose Verhalten dem Gegner und dem Sport gegenüber umso verwerflicher. 

Man sollte aber nicht vergessen, dass nicht nur Männer, sondern auch Institutionen hinter der unschönen Entwicklung stecken. Alinghi musste nicht nur gegen Oracle, sondern auch gegen die, so sollte man meinen, unparteiischen Schiedsrichter kämpfen. Warum war Valencia im Winter mit der Deed of Gift vereinbar, nicht aber Ras al-Khaimah? Warum darf das Boot der Amerikaner 2,5 Meter länger sein als das der Schweizer? Warum hatte der Challenger das Recht, seinen Trimaran auch nach der offiziellen Präsentation drei bis vier Mal grundlegend zu ändern, obwohl er den Messbrief „as soon as possible“ hätten vorlegen müssen? Warum zog der New Yorker Gerichtshof Fachleute hinzu, um über den Ballast zu beraten, nicht aber für das Steuer?

Die objektiven Aussagen von Bruno Troublé über Alinghi und Oracle waren extrem dünn gesät und verdienen es deshalb umso mehr, dass man sie hervorhebt. Eine trifft den Nagel besonders gut auf den Kopf: „Es ist sinnlos, sich bei deiner Schwiegermutter über deine Frau zu beschweren“, meinte Troublé. Damit wäre wohl alles gesagt.

Dans la meme categorie