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Bona Fide und Mariska gewinnen in Antibes

von Quentin Mayerat

© James Taylor

Alle waren sie da, die Vintage Yachts mit Baujahr vor 1950, die Classic Yachts mit Baujahr vor 1976, die Spirit of Tradition Yachts (jüngere, im Look und Stil von Traditionsjachten gebaute Boote) und die Meterklassen (6mR, 8mR, 12mR; die America’s Cupper von 1958-1987). Durch eine bedauerliche Terminkollision fand vom 8.-12. Juni mit der Porquerolles Classique nur ein paar Dutzend Seemeilen entfernt gleichzeitig ein weiteres Klassikertreffen statt. Dort segelten die Moonbeam III, Moonbeam IV und die Tuiga, drei Fife-Jachten und Stars des Circuits. Schade…

Zum Glück hatte sich aber der Rest des harten Kerns zur Stelle gemeldet, allesamt frisch lackierte, solide Kerle: Oiseau de Feu, Mariska, Cambria, Bona Fide, Rowdy und Cambria. Natürlich fehlte auch der Kutter Outlaw von Mike Horsley nicht. Er hat keine einzige der 16 Ausgaben der Voiles d’Antibes verpasst!

Neben den Stammgästen waren neun Neuzugänge anwesend, darunter Palynodie II, der berühmte Stephens-Kutter, und die schöne Stella Polare, die 1965 nach Plänen von Sangermani gebaut und in Antibes von einem Team der italienischen Marine gesegelt wurde.

Die Sonne schien fast durchgehend und auch Äolus war bester Laune. Er sorgte fast immer für 10-12 Knoten Wind, am ersten Tag waren es zeitweise sogar 15 Knoten. Die Winddreher verlangten den Teilnehmern jedoch einiges Können ab. Wer sie richtig vorhersehen wollte, war mit Wetterkenntnissen eindeutig besser bedient als mit Revierkenntnissen.

© James Taylor

 

Demonstration von grossem Know-how

Dabei zogen sich in den einzelnen Kategorien meist die gleichen am besten aus der Affäre. In der Gruppe der Spirit of Tradition Yachts siegte die Sloop Savannah nur knapp vor der Blue of Methylene II, einer wunderschönen Carter-Jacht, die in der letzten Wettfahrt durch eine Havarie ihre Chancen vergab. Bei den Classic Racern lieferten sich Emeraude (nach Plänen von German Frers), Sagittarius (Sparkman & Stephens) und Running Tide (O. Stephens) einen hochspannenden Dreikampf. Am Schluss lag das italienische Team der Emeraude sogar punktgleich mit Sagittarius an erster Stelle. Den Ausschlag für den Gesamtsieg gaben die beiden bei völlig unvorhersehbaren Winden erzielten Laufsiege der Italiener.

© James Taylor

Wer überall so viel Spannung erhofft hatte, wurde enttäuscht. In der Gruppe der klassischen Marconi-Jachten von weniger als 15 Meter Länge machte die Stephens-Sloop Arcadia aus dem Jahr 1969 mit einer soliden Leistung schon sehr früh den Sack zu. Noch grösser war die Dominanz bei ihren Schwestern über 15 Meter. Dort erwies sich die Stella Polare als echte Überfliegerin. Ihr aus italienischen Marineangehörigen bestehendes Team fand sich bei allen Wetterbedingungen bestens zurecht und verwies die Engländer auf Star Sapphire mit einer schon fast beängstigenden Überlegenheit auf die Plätze.

Haushoch überlegen waren auch der auf dem Zeichenbrett von Mylne entstandene majestätische Achter Helen K33 in der Gruppe der Marconi-Vintage-Jachten unter 15 Meter und das 25-Fuss-Einheitsboot Iona, das nach einem Sieg im ersten Lauf allerdings mehrmals frühzeitig ausschied.

© James Taylor

Und die Schweizer?

Würde Bona Fide ihrem Erzfeind Tigris einen Sieg überlassen? Diese Frage stellten sich die Konkurrenten der Vintage-Gaffeljachten unter 23 Meter. Die Antwort fiel überdeutlich aus: Nicht einen einzigen! Im zweiten und auch im vierten Lauf nahm der starke Kutter und Olympiasieger von 1900 in Paris der herrlichen Mylne-Jacht sogar über zwei Minuten ab. Vielleicht hätte Tigris an der Porquerolles Classique gegen die Moonbeam mehr Chancen gehabt?

© James Taylor

Das hat sich womöglich auch Jean-Philippe L’Huillier, der Eigner und Skipper der prachtvollen Oiseau de feu gedacht. Er segelte in der Gruppe der Vintage-Marconi-Jachten über 15 Meter. „Ich versuche gegen Rowdy und The Blue Peter den zweiten Platz zu erreichen und den dritten zu vermeiden“, sagte der Schweizer Skipper trocken. Glück hat ihm sein Humor aber nicht gebracht. Im dritten Lauf schnappte ihm The Blue Peter den zweiten Platz um wenige Zehntessekunden vor der Nase weg (fünf Sekunden in der Yardstick-Wertung). Rowdy fuhr derweil einen ungefährdeten Sieg nach Hause. Oiseau de feu gelang zwar in der vierten Wettfahrt die Revanche gegen The Blue Peter, aber sie beendete sie leider nur an dritter Stelle hinter der Fife-Jacht Hallowe’en. Am Schluss reichte es der Oiseau de feu für Rang 3.

Es stellt sich die berechtigte Frage, ob sie bei 10 Knoten Wind mit ihren 42 Tonnen gegen ihre beiden Gegner, die lediglich 21,7 bzw. 32 Tonnen auf die Waage bringen, überhaupt mehr hätte ausrichten können.

Für das Team der Mariska nahm die Regatta einen völlig anderen Verlauf. In der Gruppe der Big Boats über 23 Meter überrollte die 15-Meter-Jacht von Christian Niels die Konkurrenz mitleidslos. Vergessen war Cambria, das 40-Meter-Monster mit ihren 758 m2 Segelfläche. Ihre 132 Tonnen Verdrängung sind bei Leichtwind auf Vorwindkursen ein unmöglich wettzumachendes Handicap. Und auch die von Fife entworfene 19mR Mariquita war chancenlos. Ihr Erzfeind legte eine solche Glanzleistung hin, dass sie vergeblich auf einen Fehler oder zumindest eine Schwäche wartete.

Dabei war die Crew um Christian Niels denkbar schlecht in die Regatta gestartet. Den ersten Lauf musste sie abbrechen, weil ein Mann über Bord gegangen war. Doch danach liess sie nichts mehr anbrennen und entschied alle Läufe für sich. Die zweiten Plätze belegten einmal Cambria mit 8 Minuten Rückstand in der Yardstick-Wertung und dann Mariquita, auch sie mit fast 8 Minuten Rückstand. Im letzten Lauf liess Mariska Cambria erneut über 5 Minuten hinter sich und besiegelte damit ihren souveränen Gesamtsieg.

Ranglisten unter: www.voilesdantibes.com

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