
© Brice Lechevalier
Es sieht ganz so aus, als ob die Schweiz jetzt doch noch am 34. America’s Cup teilnimmt.
Das stimmt, über den Youth America’s Cup! Junge Segler zwischen
19 und 25 Jahren werden versuchen, sich auf einer AC45 zu qualifizieren, um die Schweiz und die Société Nautique de Genève zu vertreten.
Was hat Sie dazu bewogen, das Projekt auf die Beine zu stellen?
Als James Spithill letzten Frühling die Einführung eines Youth America’s Cups bekannt gab, haben sich Lucien Cujean und Arnaud Psarofaghis an mich gewandt. Wir haben über die Multihull-Kultur in der Westschweiz diskutiert und sind zum Schluss gelangt, dass es schade wäre, wenn wir nicht versuchen würden ein Schweizer Team zu bilden. Danach haben wir uns vergewissert, dass genügend junge Talente die Auswahlkriterien erfüllen, worauf ich mich bereit erklärt habe, mich um das Projekt und insbesondere um alle Marketing- und Finanzierungsaspekte zu kümmern. Die ersten Gespräche mit möglichen Partnern waren nicht einfach und wir haben wertvolle Monate verloren. Als sich im Oktober das Fünf-Stern-Hotel Jiva Hill Park Hotel als Hauptsponsor verpflichtete und das Engagement von TAG Heuer und Team Tilt nach sich zog, ging plötzlich alles sehr schnell. Wir haben das Geld zwar noch nicht ganz zusammen, aber das Projekt ist aufgeschient. Für das Training in der Schweiz haben wir die D35 Fonciagekauft und ein intensives Programm zusammengestellt.

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Wer wird an Bord der D35 und der AC45 sein?
In unserer Struktur ist ein Leiter für technische Belange und High Performance vorgesehen. Mit dieser Aufgabe wurde Laurent Voiron (4. an den Olympischen Spielen in Athen, 2. Platz an der WM und der EM der Tornado) betraut. Er ist unter anderem für die Wahl der Segel, die Strategie und das Stressmanagement zuständig. Arnaud Psarofaghis übernimmt die Funktion des Coaches. Er segelt von Beginn weg bei den AC45 und wird auch auf der D35 zum Segelteam gehören. Skipper ist Lucien Cujean. Ausserdem werden wir einen Fitnesscoach beiziehen. Insgesamt heuern wir für die AC45 und die D35 sieben Crewmitglieder, darunter einen Reservemann, an. Sie werden sich spektakulär und schnell steigern müssen. Neben den genannten Aufgaben kümmere ich mich auch um die Beziehungen zu Swiss Sailing, denn schliesslich vertreten wir die Schweiz. Ihr Ressortleiter Jugend Martin
Vogler äusserte sich übrigens begeistert über die Kampagne.
Wie sieht der Terminplan für 2013 aus?
Wir segeln seit November auf A-Cat und auf der D35 und wollen den ganzen Winter trainieren. Bis zur ersten Auswahl auf den AC45 Ende Februar bleibt nicht mehr viel Zeit! Mitte Februar fliegt das Team nach San Francisco und wird dort versuchen, sich eine der vier AC45, die von den Organisatoren den besten der derzeit 16 selektionierten Teams zur Verfügung gestellt werden, zu sichern. Die Latte liegt angesichts der extrem kurzen Frist aber sehr hoch. Falls es nicht klappt, müssen wir mit einem der Challenger, die bereits über eine AC45 verfügen, eine Lösung finden oder uns im schlimmsten Fall nur auf die Vulcain Trophy konzentrieren. Die Meisterschaft der D35 werden wir aber auf jeden Fall bestreiten und das Training auch bereits im März wieder aufnehmen, denn die D35 eignen sich bestens, um Fortschritte zu erzielen. Wir werden voraussichtlich auch an einem Act der Extreme Sailing Series teilnehmen. Ab Mitte Juli trainiert das Team einen Monat lang in San Francisco auf einer AC45. Am 22. August geht der Wettkampf dann los. Die jungen Segler werden von dieser aussergewöhnlichen Erfahrung wie verwandelt sein.

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Sie haben gerade die Präsidentschaft des Swiss Sailing Teams übernommen. Was hat Sie dazu bewogen, dieses Amt anzunehmen?
Für mich ist das Präsidentenamt eine logische Entwicklung, nachdem ich vor eineinhalb Jahren zum Verwaltungsrat gestossen bin und schon immer bestrebt war, den Jugendlichen zu helfen. Ausserdem hat SST-Präsident John Gut vor einiger Zeit den Wunsch geäussert, nach den Olympischen Spielen in Weymouth zurückzutreten. Also habe ich zugesagt, neben Vincent Hagin, Francis Stockbuerger und Beryl Pieper die Zügel zu übernehmen.
Wie sehen Ihre kurz- und mittelfristigen Ziele aus?
Kurzfristig werden wir uns auf den Nachwuchs konzentrieren. Wir haben ein sehr starkes Juniorenteam, das sich in einigen Klassen in den Top 5 Europas und den Top 10 der Welt platziert und das erfolgreich geleitet werden will. Dazu haben wir die Zahl und auch die Qualität der Trainings erhöht und die jungen Segler nach Lanzarote, Ceme und Split geschickt, damit sie im Winter bei idealen Bedingungen Fortschritte machen können. Früher führte das SST im Winter rund zwanzig Trainingstage für die Junioren durch, jetzt sind es doppelt so viele. Vor Ort organisieren wir Treffen mit anderen Nationalteams; sie sollen die Segler anstacheln, noch bessere Leistungen zu bringen. Gleichzeitig bauen wir die Zusammenarbeit mit den Schweizer Segelclubs aus, um die Trainings unserer künftigen Champions besser zu koordinieren. Natürlich arbeiten wir auch mit der Elite, d.h. dem National- und dem B-Kader, die unser Land hoffentlich an den nächsten Olympischen Spielen vertreten werden. Die Aufnahmedossiers für die Mitglieder des National- und des B-Kaders werden gerade geprüft. Wir dürfen uns aber nichts vormachen: Die finanzielle Situation ist eine grosse Hürde.
Wer unterstützt Sie?
Das ist ziemlich einfach: Swiss Olympic stellt den grössten Teil des Budgets, Swiss Sailing leistet über die Mitgliederbeiträge seinen Teil und die Fondation Bertarelli sowie Mäzenen unterstützen uns ebenfalls. Unsere grosse Herausforderung besteht darin, Sponsoren aufzutreiben.
Sehen Sie Synergien zwischen den beiden Projekten?
Eine Gemeinsamkeit könnte das Katamaransegeln sein, das der Schweizer Segelverband demnächst in den Clubs fördern will, da der Nacra 17 für Brasilien zum olympischen Boot ernannt wurde. Die Teilnahme der Schweiz am Youth America’s Cup auf einem Multihull wird ihn bestimmt ebenfalls populärer machen. Beide Projekte dürften dem Multihull-Segeln Auftrieb geben. Dass junge Segler in einem Jahr Erfahrungen auf D35, Extreme 40 und AC45 sammeln, das gab es in der Schweiz noch nie. Wenn sie so weitermachen, sind sie auf dem richtigen Weg für Olympia 2020.
Ihr Sohn Sébastien wurde an den SUI Sailing Awards zum Junior des Jahres gekürt, nachdem er bereits bei den Nachwuchsathleten der Schweiz im Final gestanden hatte. Wie sehen seine Zukunftspläne aus?
Zunächst möchte ich ihm gratulieren! Für 2013 hat er sich ein klares Ziel gesetzt: Er will die Saison an der EM und der WM der Laser Radial mit einem Podestplatz abschliessen. Danach strebt er eine Olympiakarriere in einer anderen Bootsklasse an, die noch nicht feststeht. Er segelt gerne auf Multihull und wird bestimmt von den M2 zu den D35 wechseln.