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Ein lokaler Markt

von Quentin Mayerat

Float Inn in Genf bietet ein originelles Konzept an: ein B&B gepaart mit einem Törn auf einem geräumigen Katamaran. © ZVG

Auf dem Schweizer Bootschartermarkt mischen viele Unternehmen mit, aber nur wenige bieten Kielboote an. Bei letzteren lassen sich mehrere Gemeinsamkeiten beobachten: Sie bestehen schon relativ lange, sind fast ausnahmslos Familienbetriebe, bedienen hauptsächlich eine lokale oder regionale Kundschaft, führen eine Segelschule, engagieren sich mit Leib und Seele für ihr Geschäft und haben sieben Tage die Woche geöffnet. Zwar versuchen auch immer wieder neue Anbieter Fuss zu fassen, die ausgelasteten Häfen erschweren ihnen aber die Aufgabe erheblich.

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Manuel Ingold von der Marina Bootsvermietung in Luzern vermietet seit 1980 an einem strategisch gut platzierten Ort ganz in der Nähe des Bahnhofs dreizehn Boote, darunter eine Soling, eine First 27.7, eine Dehler 32 und sieben Surprise. „Meine Kunden wohnen vorwiegend in der Region“, sagt er, „in Luzern, Schwyz, Nidwalden und Obwalden, aber auch in Basel. Im Sommer mischen sich deutsche Touristen darunter. Die meisten Kunden gewinne ich über meine Segelschule.“ Die Verbindung mit einer Segelschule ist ein häufiges und erfolgreiches Geschäftsmodell, denn es garantiert eine optimale Auslastung der Boote. Asconautica in Ascona am Lago Maggiore hat ein ähnliches Profil. Dort können zwei Boote, eine Surprise und eine Sun Odyssey 30, gechartert werden. Zu den Kunden zählen Ortsansässige und Touristen. Den Familienbetrieb, der auch eine Segelschule einschliesst, gibt es seit 35 Jahren.

Ungebunden segeln

Gilles Urben, seit 1993 Geschäftsführer der Charterfirma Les Corsaires in Genf, vermietet unter anderem fünf Surprise. Auch seine wichtigsten Kunden stammen aus der Region. Sie nutzen sein Angebot aus verschiedenen Gründen: „Einige verzichten bewusst auf ein eigenes Boot oder haben ihres verkauft, weil sie sich nicht mit dem Aufwand, den ein solcher Besitz verursacht, belasten wollen. Andere haben gerade erst ihren Segelschein gemacht und sind auf der Suche nach einem Bootsplatz. Überraschenderweise kommen auch Kunden zu mir, die eigentlich ein eigenes Boot im Hafen haben, aber am Abend lieber für zwei Stunden ein Boot mieten, da dieses bereits aufgeriggt ist und sie nur noch aufspringen müssen.“

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Einige Vermieter haben das Handtuch geworfen und konzentrieren sich jetzt aufs Unterrichten. So auch Adiwa Nautic in Kreuzlingen am Bodensee. „Ich habe das Chartergeschäft aufgegeben“, bestätigt der Inhaber Alfred Frei. „Meine drei Boote, zwei First 22 und eine Brio, verwende ich nur noch für meine Schüler. Das Interesse der Schweizer war einfach zu klein. Der Bodensee lockt vor allem auf deutscher Seite Segler an. Dort sind die Preise tiefer und das Angebot an Bootsplätzen grösser. Bei Ichtus in Saint-Blaise am Neuenburgersee hatte die Aufgabe der Chartertätigkeit einen anderen Grund: Es waren einfach nicht genügend Segellehrer aufzutreiben.

Saisonmiete als Erfolgskonzept

Nicht alle Charterfirmen werfen die Flinte ins Korn. Einige halten beharrlich und auch erfolgreich an ihrer Geschäftsidee fest. Nauti-Fun in Lutry am Genfersee gehört zu den grössten Bootsvermietern der Schweiz. Alain Corthésy leitet die Geschicke des Unternehmens schon seit 1982. Seine Segelschule ist sogar noch älter; sie wurde 1969 ins Leben gerufen. 21 Boote, davon drei Viertel Fahrtenjachten, stehen für die Kunden bereit. Nauti-Fun ist einer der wenigen und in der Schweiz wohl der einzige Anbieter, der Boote für eine ganze Saison vermietet. „15 meiner Boote, überwiegend International 806 für vier bis sechs Personen, werden von Teams aus der Region saisonweise genutzt. Einige kommen aus dem Wallis oder aus Genf. Das Boot wird jeweils vom 1. April bis Ende Oktober zwei Mietern zugewiesen, die sich dann untereinander arrangieren. Die meisten sind Stammkunden. Nur meine grössten Einheiten (35 bis 39 Fuss) werden für kürzere Zeiträume vermietet, vor allem an nationale, aber auch internationale Kunden aus der Deutschschweiz, Deutschland und Frankreich. Ich konnte mein Geschäft dank der zunehmenden Zahl der von mir besetzten Bootsplätze im Hafen von Lutry schrittweise ausbauen. Heute verfüge ich über 17 Hafen- und drei Bojenplätze.“

Das Wassersportzentrum Les Vikings in Yvonand am Neuenburgersee hat aus einem anderen Grund Erfolg. Es bietet eine breite Auswahl an Wasserfahrzeugen zur Miete an. Sie reicht von Pedalos bis zu Fahrtenjachten. Zusätzlich profitiert das Zentrum von einer guten Lage ganz in der Nähe des Campingplatzes und des Hafens von Yvonand. Es wird seit 1969 von der Familie Meystre geführt, die mit einer Segelschule angefangen hatte. Die Kundschaft stammt aus der näheren Umgebung, aus dem Genferseeraum und aus Frankreich – „alles Stammgäste“, betont Jean-Luc Meystre. „Es kommen auch Gruppen und Firmen zu uns und im Sommer organisieren wir Lager für Jugendliche.“

Neues Internetportal

Float Inn, das Projekt des Genfers Jean-Luc Oestreicher, basiert auf einem neuen Ansatz. Er vermietet nur ein Boot und auch das nur mit Skipper. Nicht irgendein Boot, sondern einen 57-Fuss-Katamaran der Marke Sanya! Der Genfer hebt sich mit einem Kombiangebot von der Konkurrenz ab: Mit der Miete des Katamarans in Drei-Stunden-Tranchen oder für einen ganzen Tag verbindet er ein originelles B&B im Hafen von Eaux-Vives mit Sicht auf den berühmten Jet d’eau (der Kat verfügt über fünf Doppelkabinen mit eigener Dusche und WC). „Der Katamaran ist seit April segeltüchtig“, sagt Jean-Luc Oestreicher. „Das Angebot fand bei Kunden auf der Suche nach etwas Speziellem auf Anhieb grossen Anklang. Ich habe den Kat bisher für Geburtstage, einen Polterabend und eine Hochzeit vermietet. Da er unter Segeln schnell ist, möchte ich auch das Interesse von Firmen wecken, die damit beispielsweise Regatten der D35 mitverfolgen können.“

Die Vercharterer sind grösstenteils Invidiualisten, die viel Herzblut in ihr Geschäft stecken. 2004 hatte der Verband professioneller Bootsvermieter (Lobapro) vergeblich versucht, sie unter einem Dach zu vereinen. Jetzt hat Patrick Huguenin, Vermieter einer Esse 850 bei BoxBoat in Rolle, beschlossen, die Idee wieder aufzunehmen und dem Verband neues Leben einzuhauchen. Er hat unter dem Namen XYZ ein Internetportal aufgeschaltet, auf dem die Vermieter und ihre Standorte aufgeführt sind. „Wir sind mit den gleichen Problemen konfrontiert, schlagen uns mit Formalitäten herum und suchen verzweifelt nach Bootsplätzen. Das dürfte uns einander näher bringen“, begründet Patrick Huguenin seine Initiative. Hoffen wir, dass er Recht hat.

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