Der Italiener Carlo Croce ist seit anfangs 2013 Präsident der ISAF. Sein Vater Beppe leitete die Geschicke der weltweit „höchsten“ Segelorganisation bereits von 1955 bis in die späten 1960er-Jahre. Damals hatte die ISAF 22 Mitglieder, heute sind 140 Nationen unter ihrem Dach vereint.
Der Segelsport muss sich weiterentwickeln, das war eines der Hauptanliegen von Carlo Croce während seiner Präsidentschaftskandidatur. Nach seiner Wahl vor anderthalb Jahren hat er begonnen, seine Worte in Taten umzusetzen: Der ISAF World Cup hat mit John Craig einen neuen CEO und seit dem 1. Juli 2014 besitzt die ISAF ein Büro in Lausanne, dem Sitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).
ISAF und IOC
„Die Olympischen Spiele sind wichtig für den Segelsport, ohne Zweifel. Aber wir dürfen uns nicht auf dem Bisherigen ausruhen. Die Nähe zum IOC ist zentral: Fragen können im persönlichen Gespräch geklärt werden und die ISAF ist mit diesem Büro näher am Puls des IOC“, so Croce. Der Segelsport sei ein sauberer Sport, deshalb auch beliebt, aber das Segeln müsse, wie jede andere Sportart, die Teilnahmebedingungen des IOC erfüllen: „Und da müssen wir realistisch sein! Das IOC verteilt pro Sportart 100 Punkte für die Beurteilung. 75 Punkte davon werden ausschliesslich für die Medienwirksamkeit, -relevanz und -akzeptanz vergeben!“
World Cup Final
Nur ein Jahr nach seiner Amtsübernahme hat der ISAF World Cup ein neues Gesicht. Croce weiss: „Will man die Aufmerksamkeit der Medien, muss man ihnen ein hervorragendes Produkt präsentieren.“ Vom 8. bis 21. September 2014 finden in Santander (ESP) die ISAF Sailing World Championships statt. Der Saisonhöhepunkt, werden die meisten nun denken, nicht so Carlo Croce. Die Weltmeisterschaften sind für ihn der Vorlauf für die ISAF-Finals, die 2014 zum ersten Mal stattfinden.
Vom 25. bis 30. November 2014 ist Abu Dhabi (UAE) Gastgeber des ersten ISAF Sailing World Cup Finals. Wer sich in Santander unter den besten 20 klassiert, darf in Abu Dhabi mitsegeln. Die Veranstaltung ist wohl am ehesten vergleichbar mit dem ATP-Finale, bei dem die acht weltweit führenden Tennisspieler den Besten unter sich ausmachen.
Das ist nicht die einzige Veränderung im World Cup: „Für den Weltcup in Hyères (FRA) muss man sich nächstes Jahr zum ersten Mal qualifizieren, als Selektionsregatta wurde die Princess Sofia Trophy in Palma festgelegt“, so Croce. Doch damit nicht genug: „Die Vorläufe werden während der Woche gesegelt, am Freitag wird das Gelände in ein Gastgeberdorf umgebaut, das besonders für Zuschauer attraktiv ist. Die Finals am Wochenende erhalten so einen würdigen Rahmen.“
Schliesslich träumt Croce davon, mittelfristig pro Kontinent eine ISAF-Niederlassung zu eröffnen, die jeweils von einem Regionalverantwortlichen geleitet wird.
ISAF und Swiss Sailing
Gefragt nach seinen Ratschlägen für Swiss Sailing, antwortet Carlo Croce rasch: „Am wichtigsten ist der Aufbau einer Segelakademie! Die Jungen müssen begreifen, dass der Segelsport auf internationalem Niveau Arbeit bedeutet, aber auch viel Spass machen kann. Ein nationales Leistungszentrum vermittelt beides hervorragend.“

