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Skippers

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im Gegenwind

von Quentin Mayerat

© H.J Müller

Welcher Segler kennt sie nicht, diese Schrecksekunde, wenn ein farbiger Fleck am Masttopp vorbeisaust und im selben Moment ein Brett wie eine Rakete scheinbar nur wenige Meter am Rumpf vorüberzischt. Wer Kitesurfer aber als Störenfriede und Verrückte behandelt, tut der Gilde der Kitegenossen, wie der Club der Kiter offiziell heisst, unrecht. Zwar gibt es auch hier Ausnahmen, aber im Allgemeinen trifft man auf dem Wasser nur Sportler an, die ihr Gerät im Griff haben und sich gegenüber den andern Wassersportlern und der Natur sehr rücksichtsvoll verhalten.

Die weiten, flachen Strände am Neuenburgersee bieten den Kitern ideale Möglichkeiten vom Ufer aus zu starten. © Luc Demierre

Seglern gegenüber heisst das: Gewähren des Vortritts mit einem Abstand von mindestens 60 Metern im Lee, was der doppelten Leinenlänge entspricht. Alle Mitglieder der Kitegenossen sind zudem versichert. Der Vorstand informiert laufend über Änderungen bei Bewilligungen und Auflagen der Behörden. Schwarze Schafe werden gemahnt, manchmal sogar ausgestossen und wer sich wild in verbotenen Gebieten aufhält, der soll aus Sicht des Vorstandes auch ruhig gebüsst werden. Schliesslich schadet er dem Ansehen der Sportart.

Kiten sei einfacher als surfen, behaupten Insider. Trotzdem: Kiten sollte man lernen wie Autofahren. Der Besuch eines Kurses ist nicht nur wichtig, um die Handhabung der Geräte zu erlernen und die Grundelemente wie den Start und die Landung zu trainieren, man lernt auch Risiken und Gefahren besser einzuschätzen. Bezüglich der Sicherheit hat die Sportart gewaltige Fortschritte bei der Weiterentwicklung von Brett und Drachen gemacht. Wer sich entschliesst, diesen Sport auszuüben, sollte deshalb nur Ausrüstungsgegenstände benutzen, die in den letzten fünf Jahren hergestellt wurden.

 

Probleme an fast allen Fronten

© Luc Demierre

Eigentlich pflegen sie ja eine umweltschonende Sportart, brauchen keinen Motor und produzieren somit auch kein CO2. Und dennoch haben es die Kiter schwer Reviere zu finden. Der Grund dafür ist simpel. Als vor knapp zehn Jahren die ersten Bretter mit Drachen auf den Schweizer Seen auftauchten, wurde Kiten vom Bund grundsätzlich verboten. Erst auf Intervention des Kantons Graubünden wurde den Kantonen erlaubt, Ausnahmegenehmigungen zu erteilen und einzelne Gebiete freizugeben.

Wie es sich für einen föderalistischen Staat gehört, wird mit diesem Angebot höchst unterschiedlich umgegangen. Während Zürcher und Schwyzer Kiten auf ihren Seen ausnahmslos verbieten, gibt es für den Zugersee und viele Gewässer in der Romandie fast keine Beschränkungen. Überhaupt scheint in der Westschweiz die Toleranz grösser zu sein. Hochburg ist hier der Neuenburgersee. In Portalban treffen sich alljährlich die besten Kiter zu ihrer Schweizer Meisterschaft King of the Lake. Dieses Jahr findet der Event vom 29.09. bis 2.10 statt und kann bestimmt wieder mit einer stattlichen Zuschauerzahl rechnen.

Da Kitesurfer zum Ausüben ihrer Sportart auf recht viel Wind angewiesen sind, wären natürlich windsichere Reviere von besonderem Interesse. Gerade hier beissen die Kiter aber oft auf Granit. 12 Jahre hat man am Sihlsee um einen Platz gekämpft, wollte eine Brücke als Zugang über das schützenswerte Schilf zum Startplatz bauen, musste dann aber nach einer Intervention des Raumplanungsamtes entnervt aufgeben. Auf dem Urnersee steht den Kitern nur ein schmaler, schlecht zugänglicher Streifen zur Verfügung. Hier kämpft man dafür, auch im Südbecken surfen zu dürfen.

Die traditionelle SM in Portalban wird auch dieses Jahr im Oktober den King of the Lake erküren. © Luc Demierre

Im Engadin gab es sogar eine Volksabstimmung über die Zulassung von Kitern auf dem Silsersee. Der Souverän hat abgelehnt und somit darf nur auf dem Silvaplanersee gekitet werden. Einzig am Bodensee wurde letztes Jahr ein kleiner Erfolg verbucht. Dank einer neuen Vereinbarung konnten die Spots in Münsterlingen und Berlingen gerettet werden, allerdings nur provisorisch für die nächsten zwei Jahre. Als schikanös werden die Auflagen auf dem Walensee bezeichnet. Hier darf nur vom Wasser aus gestartet werden, der Sportler muss sich eine Lizenz besorgen und eine rote Weste tragen.

 

Kampf gegen Windmühlen

Überhaupt sind die Verhandlungen mühsam und gehen ins Geld. Da summieren sich schnell horrende Anwaltskosten. „Wir sind dauernd auf der Verliererstrasse“, stöhnt Philipp Knecht, Präsident der Kitegenossen. „Einerseits kämpfen wir um neue Gebiete, während andererseits beliebte Spots einfach weggestrichen werden.“

Jüngst geschehen im Kanton Luzern. Mit der neuen Schifffahrtsverordnung wurde Kitesurfen auf dem Sempachersee ganz verboten. Der See sei eher klein und die Gefahr, dass sich die unterschiedlichen Nutzer ins Gehege kämen, sei sehr gross, meinten die Behörden. Für die Kitegenossen ist diese Argumentation völlig aus der Luft gegriffen. „Hier gibt es vielleicht an 10 bis 15 Tagen guten Wind und dies meist im Herbst, wenn das Wasser ziemlich kalt ist. Die Gefahr, dass man bei 30 Knoten Wind und hohen Wellen Badenden und Ruderbooten in die Quere kommt, ist damit nicht sonderlich gross“, moniert Vorstandsmitglied Andy Heinrich. Dass die Betroffenen gar nicht angehört wurden, macht den Frust noch grösser. Nun wird der Entscheid mit einer Beschwerde angefochten.

© H.J Müller

Wo bleibt eine Lobby?

Obwohl die Kitesurfer laut ihrem Präsidenten inzwischen mehr Aktive als die konventionellen Surfer zählen, fehlt ihnen eine Lobby, die für ihre Anliegen auch politisch Druck macht. Dabei ständen die Kiter gar nicht so alleine da. Über die Swiss Kitesailing Association, zu der auch Buggykiten, Snowkiten und Kitelandboarden gehören, sind die Kitesurfer als Untersektion Swiss Sailing angeschlossen. Zwar bleibt Segeln immer noch eine Randsportart, der Seglerverband hat aber dennoch einige enge politische Kontakte, die man vielleicht noch besser nutzen könnte.

Auch die Segler sind aufgerufen, gegenüber ihren Artgenossen mit den fliegenden Segeln etwas nachsichtiger aufzutreten und ihre Solidarität zu bekunden. Schliesslich haben auch sie nicht selten gegen überbordende Beschränkungen zu kämpfen.

Ansonsten bleibt nur zu hoffen, dass Kitesurfen bald olympische Sportart wird. An der ISAF-Sitzung vom November 2012 wird entschieden, ob das Kitesurfen in Rio 2016 das Windsurfen ersetzt. Wetten, dass dann der Bund das Kiteverbot auf den Seen sehr schnell auflöst?

 

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