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Keine Lorbeeren für die Schweizer

von Quentin Mayerat

Die Holy Smoke im Abendrot noch an der Spitze, nachts in den Sturmböen gekentert © Hans Jörg

Nachdem schon letztes Jahr angenehmes Wetter die misslichen Regenregatten der Vorjahre hatte vergessen lassen, setzten die Wettergötter dieses Jahr sogar noch einen drauf: Herrliches Sommerwetter lockte am Freitagabend nach Fronleichnam 320 Boote an den Start der 65. Rund Um und Tausende pilgerten zum Lindauer Hafen, um den Regattastart und die Rahmenveranstaltungen mitzuverfolgen.

Sorgte für einen Sieg des Gastgebers: Veit Hemmeter auf der M2-Team.com © Tobias Stoerkle

Nur der Wind wollte zu Beginn nicht mitmachen. Am Start herrschte praktisch Flaute, was dazu führte, dass einige Jachten Stunden später immer noch an der 2,5 km langen Startlinie vor Lindau dümpelten. Nur die schnellen Katamarane konnten sich sofort absetzen. Darunter auch der Vorjahressieger, die M2 Sonnenkönig mit Teamleader Armin Schmid und Skipper Stefan Stäheli. Die Ostschweizer haben die Rund Um schon dreimal gewonnen, allerdings nie in Folge. „Natürlich möchten wir mal zwei Siege aneinanderreihen, aber die Herausforderung ist gross: Mit Hemmeter, Schatz und Schiess haben wir starke Konkurrenz. Es muss viel zusammenpassen, aber versuchen wollen wir es auf jeden Fall“, so Eigner Armin Schmid vor dem Start.

Flautenstart vor Lindau: Die Boote kamen nicht vom Fleck, gaben aber ein schönes Bild ab. © Walter Rudin

CH-Katamarane mit Pech

Es hat dann aber nicht gepasst für den Sonnenkönig. Beim Start sah zwar alles noch ganz gut aus, obwohl man mit den vielen Wellen, die durch die Begleitboote verursacht wurden, zu kämpfen hatte. „Wir waren dicht bei der Holy Smoke, haben dann aber einen taktischen Fehler gemacht, sind vor Romanshorn Richtung Seemitte gefahren und haben dort parkiert. Von da weg ging es eigentlich nicht mehr richtig vorwärts, bis kurz vor der Wendemarke die Sturmböen einer Gewitterfront aufkamen. Auf dem Rückweg gab es einen richtigen Husarenritt mit gegen 28 Knoten Speed. Wir konnten zwar noch etwas Rückstand wettmachen, aber gereicht hat es bei Weitem nicht mehr“, meinte Schmid nach der Regatta.

Sonnenkönig-Teamleader Armin Schmid: „Unsere taktischen Entscheidungen waren nicht immer vorteilhaft.“ © Walter Rudin

Noch schlechter erging es dem Vorjahreszweiten Albert Schiess vom Yachtclub Arbon mit der Holy Smoke. Er hatte bei der Wendemarke noch in Führung gelegen, erwischte in der Gewitterluft aber eine so starke Böe, dass der etwas übertakelte 25-jährige Katamaran abtauchte, sich drehte und auf die Seite legte. „Unser Begleitboot konnte den Kat zwar wieder aufrichten, wir mussten aber aufgeben, weil wir ja keine fremde Hilfe in Anspruch nehmen dürfen“, erklärte Trimmer Dieter Kuhn, der als guter Segelmacher auch für schnelle Tücher sorgt, die den in die Jahre gekommenen Katamaran immer noch konkurrenzfähig halten. Die zweite Schweizer M2 Catair von Lothar Geisser konnte das Rennen ebenfalls nicht beenden; Gennaker und Grossegel waren gerissen.

© Walter Rudin

Gewonnen wurde die 65. Rund Um von Lokalmatador Veit Hemmeter, der mit seiner M2 nach knapp acht Stunden Rennzeit morgens um drei Uhr mit Vollgas und unter Donnergrollen durch das Ziel in Lindau raste. „Das war wirklich meine schönste Rund Um. Es war alles dabei: Mondschein, ein traumhafter Sonnenuntergang und schöner Wind. Dass wir dann auch noch gewinnen konnten, ist natürlich die Krönung“, schwärmte der ehemalige Tornado-Spitzensegler.

Einen kleinen Trost gab es aus Schweizer Sicht dennoch. Bei den Einrumpfbooten rauschte die Farr 36 des Kreuzlingers Andreas Künzli als zweitschnellste Jacht durchs Ziel und gleich hinter ihm folgte Ralph Nater vom SSC Romanshorn mit dem neuen Eigenbau Yunikon.

Besondere Aura

Bis zum Regattaende am Samstagabend hatten es 205 Jachten zurück nach Lindau geschafft. Nach 21h 42min 16s Fahrzeit kreuzte auch die Moggel des St. Gallers Martin Gasser von der Hafenvereinigung Steinach die Ziellinie. Gasser ist praktisch jedes Jahr dabei und findet nicht nur den Start dieser Langstreckenregatta mit über 300 Booten etwas ganz Spezielles. „Jede Rund Um ist ein Abenteuer, man weiss nie, was einen erwartet. Wir haben Stürme und Dauerflaute erlebt, waren auch schon völlig durchnässt und halb erfroren, aber in einem Jahr ist das jeweils alles wieder vergessen und man geht trotzdem wieder hin“, so Gasser.

Obwohl Langstreckenregatten nicht mehr im Trend liegen und kleinere Veranstaltungen über grossen Teilnehmerschwund klagen, bringen die Bol d’Or auf dem Genfersee und die Rund Um Bodensee immer noch stolze Regattafelder zusammen. Es ist wohl die besondere Aura dieser Anlässe, die die Segler anzieht. Sie bleiben Eckpfeiler einer guten alter Seglerkultur, die auch viele Hobbysegler zumindest einmal im Jahr noch pflegen möchten.

Vollständige Rangliste unter www.lsc.de/rund-um-aktuelles

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