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„Licht benötigen wir wie die Luft zum Atmen“

von Quentin Mayerat

Thomas Mika auf seiner Solaris 44 im Hafen von Cheyres. Der Zürcher ist auch Präsident des Club nautique von Cheyres. © Jean-Guy Python

Egal, ob es sich um Beleuchtungskonzepte für Museen, Luxushotels oder grosse Bankgesellschaften handelt, Ideen hat Thomas Mika haufenweise. Der Zürcher verwandelt jede Empfangshalle und jeden Privatsalon in einen Wohlfühlbereich. Nach der Gründung seines ersten Unternehmens Reflexion im Jahr 2001 machte er sich als Lichtplaner sehr schnell einen Namen. Der Designer geniesst bei Architekten einen herausragenden Ruf und hat auch schon mit Stars wie Herzog & de Meuron oder Richter Dahl Rocha zusammengearbeitet.

Die Beleuchtung soll die Kabinen in einem möglichst natürlichen Licht erscheinen lassen. © Jean-Guy Python

Gerade erst hat er Reflexion verkauft, ist aber weiterhin als Consultant und Verwaltungsratsmitglied der Firma tätig. Mit 48 Jahren hat er nun beschlossen, sich mit der Lichtplanung für Boote zu befassen. Was aber hat in ihm die Leidenschaft für Lichtkonzepte ausgelöst? „Ich habe an der Universität Zürich Wirtschaftswissenschaften studiert und parallel für ein Beleuchtungsunternehmen gearbeitet“, antwortet Thomas Mika. „Nach der Uni waren für die Planung meiner Zukunft zwei sehr persönliche Aspekte massgebend. Einerseits bin ich in der Lage strukturiert zu handeln – das ist meine ökonomische Seite – und andererseits liebe ich es zu zeichnen und Schönes zu schaffen. Obwohl diese beiden Bereiche sehr weit auseinanderliegen, haben sie mich fasziniert. An der technischen Universität Berlin (TU) habe ich dann eine höhere technische Ausbildung im Bereich architektonische Beleuchtung absolviert.“

Für Mika steht die perfekte Beleuchtung unserer Lebensräume an erster Stelle. © Jean-Guy Python

Hauptgrund für diese Entscheidung war die Vergänglichkeit, mit der sich ein Beleuchter im Theater oder in der Oper abfinden muss. „Ich wollte, dass meine Kreationen auch langfristig Spuren hinterlassen und habe mich deshalb für die Architektur entschieden“, so Mika. Hier kann er sich verwirklichen: „Alles, was wir mit den Augen wahrnehmen, wird von Licht und Schatten bestimmt. Die Architekturbeleuchtung ist wie die Luft, die wir atmen. Richtig konzipiert sollte sie nicht zu sehen sein. Wenn man sich in einer Umgebung wohlfühlt, stimmt das Zusammenspiel von Akustik, Luft und Licht. Beleuchtung, das heisst die Kunst mit dem Licht zu spielen, hat etwas sehr Subtiles.“

© Jean-Guy Python

Die richtige Stimmung an Bord

Wie aber gelangt man fast übergangslos von Bauwerken zu Schiffen? Mika erklärt: „Ich habe 2001 die Firma Reflexion gegründet. Sie entwickelte sich innert kürzester Zeit zu einem der grössten Lichtplanungsunternehmen der Schweiz. 2011 begann ich meine speziell für den nautischen Bereich geplante Firma Inspirit Solutions aufzubauen. Klick machte es erst, nachdem ich 2010 meine Solaris 44 erworben hatte, um mit meiner Familie auf dem Neuenburgersee zu segeln. Ich habe mir dieses Boot ganz genau angesehen. Danach habe ich mich mit den Möglichkeiten auseinandergesetzt und das Holz ausgewählt. Und ganz klar hat auch die Beleuchtung mein Interesse geweckt.“ Weil er auf dem Markt nicht fand, wonach er suchte, wurde er selbst tätig und befasste sich intensiv mit der fundamentalen Frage der Kabinenbeleuchtung, die sich nach seinen Worten stark im Wandel befindet: „Als ich mich an die Aufgabe heranwagte, gab es noch die herkömmlichen an der Decke befestigten Leuchtkörper. Ich habe an LED-Leuchten gedacht, wollte sie aber im Hinblick auf eine möglichst weiche indirekte Beleuchtung verschalen.“ Damit auf einem Schiff eine harmonische Beleuchtung zustande kommt, müssen laut dem Designer unzählige Parameter beachtet werden. „Die Kabinenhöhe, die Wahl des Befestigungswinkels, der wirtschaftliche Aspekt und die Stärke der LED-Leuchten sind äusserst wichtige Elemente für ein perfektes, warmes Licht.“

Nachdem er das Beleuchtungskonzept seiner Solaris vollkommen auf den Kopf gestellt hatte, begann er zusammen mit seinen Mitarbeitern eine ganze Reihe Prototypen zu entwerfen: „Wir entwickelten kleine Leuchtkörper, die sehr warmes Licht verbreiten und die man nach Belieben steuern kann. Sie werden an der Decke unter beinahe unsichtbaren Ausbuchtungen angebracht. Wir wollten die jeweiligen Kabinenbereiche in ein möglichst natürliches Licht tauchen. Die Beleuchtung soll die Holzstruktur nicht verändern, sondern betonen. Unsere „Drops“, wie wir unsere kleinen, tropfenförmigen Leuchtkörper nennen, stossen im Bootsbau auf grosse Resonanz. Ich muss zugeben, dass mich das freut.“

Um es zusammenfassend zu formulieren: Thomas Mika hat eine Solaris gekauft, mochte die Beleuchtung nicht und gründete kurzerhand eine neue Firma, um das Problem zu beheben. „Ja, so ungefähr“, bestätigt der Unternehmer, „aber wir befinden uns erst am Anfang dieses Abenteuers und schreiben noch keine grünen Zahlen. Trotzdem: Das neue Beleuchtungskonzept beginnt sich langsam durchzusetzen. Im nautischen Bereich kommen unsere Ideen gut an. Gerade haben wir einen Grossauftrag aus Deutschland an Land gezogen. Unsere Produkte kommen gegenwärtig eher in der Deutschschweiz und in Deutschland auf den Markt. In der französischen Schweiz haben wir uns noch nicht fest etabliert. Es gibt aber bereits einige Anfragen von Wally, Solaris und Wider Yachts. All diese Leute sind froh, dass sie jemanden haben, der bezüglich Beleuchtung mit neuen Ideen aufwartet.“

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