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Modelljachten regattieren im Verkehrshaus

von Quentin Mayerat

Alles handgemacht: das Bijou von Rolf Frey © Dominique Krähenbühl

Es gibt sie auch bei den Modelljachtseglern: die typischen Modellbauer, die nach Möglichkeit alles selber konstruieren, herstellen und zusammensetzen wollen. Einer dieser Tüftler ist Rolf Frey (SUI 73) aus Thalwil. Mehr als ein Jahr hat er an seiner 1-Meter-Jacht mit der Segelnummer 73 getüftelt und gebaut. Er hat die Negativform selber modelliert, dann die Positivform aus Epoxy hergestellt. Das Deck besteht aus edlem Mahagoni und Balsaholz, auch das stehende Gut hat Frey samt und sonders selber in seiner Werkstatt angefertigt. Eher ungewöhnlich, dass an der 73 auch Kiel und Bombe aus der Eigenfabrikation stammen. Da wundert es wohl niemanden mehr, dass Frey sogar die Segel selber zugeschnitten und gesetzt hat. „Ich will einfach ein Boot einwassern, das sonst niemand hat“, so der frühere Zahntechniker.

Marco Signorelli (180) mit Peter Locher (59) im Zweikampf © Dominique Krähenbühl

Man kennt sich – so der erste Eindruck der mehr als ein Dutzend Modelljachtsegler aus der ganzen Schweiz, die unter dem Dach von Swiss Sailing ihrem Sport frönen. Auf Einladung von radiosailing.ch, „ihrem“ Club, regattieren sie im Verkehrshaus Luzern im Rahmen der Sonderausstellung Segelnation Schweiz um die IOM Swiss Championship. Man fachsimpelt, lobt diesen oder jenen besonderen Bootsteil beim Modell des Mitkonkurrenten und freut sich über die verdienten Erfolge der Kollegen.

Wunderbare Taktiktrainings

Matteo Longhi, der italienische Teilnehmer dieser Meisterschaft (ITA 24), segelt auch auf grösseren Booten, u.a. auf Laser, Joker und J/24. Für ihn sind die Regatten mit den handlichen Jachten gute Trainingsmöglichkeiten: „Ich nehme seit zwei Jahren am Swiss Cup teil und für mich und meine Familie ist das immer eine tolle Gelegenheit für einen gemeinsamen Ausflug. Ausserdem kann ich während der Regatten gleich verschiedene taktische Varianten ausprobieren.“ Ähnlich sieht es der Baselbieter Marcel Michel (SUI 70): „Für mich ist die Regatta immer ein Schachspiel auf dem Wasser.“

Das Podium des IOM Championnates (v.l.n.r.): Roger Glauser (3.), Marco Signorelli (Sieger), Pierre Guex (2.) © Dominique Krähenbühl

Regattieren wie bei den „Grossen“

Der Regattaleiter Gustav Albiez vom Modell-Schiffbau-Club Basel (MSCB) weist dreisprachig darauf hin, dass es noch eine Minute bis zum Start dauert. Die dreizehn Teilnehmer der IOM Swiss Championship vom 17./18. Mai 2014 werden von ihm jeweils in zwei Regattafelder aufgeteilt. Sie starten auf einem Vorwindkurs durch ein Gate, das sie luv oder lee nehmen können und segeln zurück zum Start-Ziel-Gate; diesen Kurs gilt es pro Lauf zweimal zu absolvieren. Bis klar ist, wer den Titel erringt, absolvieren die Segler während dieser zwei Tage 23 Läufe.

Rolf Frey hat auch das stehende Gut selber gedreht, gebohrt, poliert. © Dominique Krähenbühl

Fairness ist den Teilnehmern wichtig, manch einer dreht lieber freiwillig einen Strafkringel, noch bevor er vom tadellosen Regattaleiter dazu aufgefordert wird. Wer mehr mit der Fernbedingung für die Segelstellung als mit dem Lesen der Wasser- und Windbedingungen beschäftigt ist, wird von den Erfahreneren ermutigt. Die Erfolge der Arrivierten werden gebührend gewürdigt.

Am Ende der zwei Regattatage wird Marco Signorelli (180) erneut Swiss Champion. Nach 2012 und 2013 erringt der Tessiner auch heuer den Titel und zwar mit 32 Punkten; neun Punkte vor dem Zweitplatzierten Pierre Guex (114); der dritte Platz geht an Roger Glauser (11) mit 44 Punkten.

Die wendigen Modelljachten sind bei weiteren Regatten und Meisterschaften im Verkehrshaus zu bestaunen: am 19./20. Juli 2014 mit der Klasse der TenRater und am 13./14. September 2014 mit den Marblehead.

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