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Offshore-Winter der Schweizer

von Quentin Mayerat

Während die Regatteure auf unseren Seen ihre Boote winterfest machen,bereiten sich die Hochseesegler darauf vor, in See zu stechen. Mehrere Schweizer stehen für eine Transat oder sogar für eine Weltumsegelung in den Startblöcken. Ihre Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

Kultregatta Jacques Vabre

Am 25. Oktober 2015 werden sich auch zwei Schweizer zum längsten Atlantikrennen der Welt aufmachen. Alan Roura startet bei den Class 40. Eigentlich hatte er vor, die Regatta mit seinem Vater zu bestreiten, aber dieser musste aus gesundheitlichen Gründen verzichten. „Mit dem Abenteuer von Vater und Sohn wird es nichts“, gab ein enttäuschter Alan bekannt. Mit der Französin Juliette Petres, die an der letzten Route du Rhum teilgenommen hat, konnte er aber einen valablen Ersatz finden. Alan setzt auf seine ausgeprägten seglerischen Qualitäten, um sich in dem hochkarätigen Feld zu behaupten. Sein Ziel ist eine Top- 10-Platzierung. Nils Palmiere, der zweite Schweizer am Start, wird die Transat im Rahmen eines professionell aufgegleisten Projekts zusammen mit Bertrand Delesne auf TeamWork 40 segeln. Das Duo hatte mit einem 3. Platz am Hochseerennen „Les Sables – Horta – Les Sables“ gezeigt, dass mit ihm zu rechnen ist und peilt am kommenden Atlantikklassiker eine ähnliche Klassierung an.

Talentschmiede Mini-Transat

Der Startschuss zur Mini-Transat fällt am 19. September in Douarnenez.
46 Serienboote und 29 Prototypen sind gemeldet, darunter drei Schweizer.
Patrick Girod bestreitet die Regatta auf seiner Nacira Nescens. Zwei Jahre
schon arbeitet der Genfer an seinem Projekt. Seine Karten stehen
gut, denn Girod hat diese Saison mehrere Podestplätze eingefahren.
„Für einen ersten und zweiten Platz hat es bisher noch nicht gereicht.
Aber das ist schon mal nicht schlecht“, meint er zuversichtlich. Von den
neuen Serienbooten wie der Poto 3 und OFCET lässt sich Patrick Girod
nicht einschüchtern. „Ich hatte ursprünglich überlegt, mit dem Kauf
meines Bootes zu warten, bis diese Racer fertig sind, habe es dann aber
vorgezogen, auf ein bewährtes Boot zu setzen“, erklärt er seine Strategie.
„Klar konnten wir bei bestimmten Bedingungen Tempounterschiede
feststellen“, so Girod weiter. „Bisher war ich immer unter den Schnellsten,
das ist jetzt nicht mehr so. Aber auf einer Transat spielen noch viele andere Faktoren mit.“ Er freue sich auf jeden Fall auf das Langstreckenrennen, erklärt er. „An das Sables – Les Açores – Les Sables im letzten Jahr bin ich mit gemischten Gefühlen und grossem Respekt herangegangen, denn ich hatte sozusagen keine Hochseeerfahrung. Eigentlich spielt das aber keine grosse Rolle.Eine Regatta bleibt eine Regatta, die Unterschiede sind minim. “Simon Brunisholz wird die Mini-Transat auf einer Pogo 2 segeln. Er konnte zwar keinen Hauptsponsor an Land ziehen, wird aber von vielen kleinen Gönnern unterstützt. Trotz begrenzter Mittel treibt der Westschweizer sein Projekt zielstrebig voran. Vor dem Start belegte er den 14. Platz bei den Serienbooten. Simon Koster gehört ebenfalls zu den Schweizer Hoffnungsträgern. Der Zürcher hat sein Projekt gemeinsam mit dem Rennstall Mer Agitée auf die Beine gestellt und startet mit einem neuen Proto, der nach dem gleichen Prinzip aufgebaut ist wie die Magnum von David Raison. Sein Boot mit dem runden Bug ist revolutionär und sogar mit Foilern ausgestattet. Ob es sich beweisen kann, wird schlussendlich von den letzten Feineinstellungen abhängen. Potenzial hat es auf jeden Fall.

Angriff auf die Jules Vernes Trophy

Keine Transatlantiküberquerung, sondern eine ganze Weltumsegelung plant Dona Bertarelli mit ihrem Rennstall Spindrift racing. Ihr Team will mit dem Maxi-Trimaran den eigenen, 2012 mit Loïck Peyron am Steuer aufgestellten Rekord von 45 Tagen, 13 Stunden und 42 Minuten unterbieten. Für dieses Vorhaben wurde das Rigg des Trimarans leicht gekürzt, ausserdem wurde er 1,5 Tonnen leichter gemacht. Der Gigant der Meere wird ab 19. Oktober auf ein günstiges Wetterfenster warten, wahrscheinlich aber nicht vor Februar 2016 losfahren. „Wir beginnen relativ früh mit dem Stand-by, weil wir uns die Möglichkeit offen halten möchten, ein zweites
Mal zu starten, falls wir den ersten Versuch abbrechen müssen“, erklärt
der Skipper. „Ab dann wird die Crew jederzeit startbereit sein. Um den
Teamzusammenhalt zu stärken, treffen wir uns jede Woche zum Sport,
eventuell werden wir auch etwas segeln.“
Erwan Israel, der Navigator, Jean-Yves Bernot, der Router an Land, und Yann
Guichard werden täglich miteinander in Kontakt stehen, um die Situation
zu prüfen und den günstigsten Zeitpunkt für den Start festzulegen. Dafür
müssen alle Parameter stimmen, so Guichard: „Idealerweise sollten wir bis
zum Äquator höchstens fünfeinhalb Tage brauchen. Anfangs werden wir in
Bezug auf das Wetterfenster sehr kritisch sein, im Lauf der Wochen könnten
wir unsere Ansprüche aber durchaus hinunterschrauben.“ Der Skipper
ist überzeugt, dass sein Team den bisherigen Rekord brechen kann. „Unsere
Stärken sind das optimierte Boot und ein Team, das zusammenhält
und seit Langem gemeinsam auf verschiedenen Booten segelt. Da es sich
aber um ein Langstreckenrennen handelt, werden der richtige Einsatz der
Männer und des Bootes und der von uns eingeschlagene Kurs über Sieg
oder Niederlage entscheiden. Erfolg beruht auf der richtigen Dosierung von
Leistung und – am allerwichtigsten – von Sicherheit.“
Angesichts der vielen spannenden Hochseeprojekte wird der Winter eines
bestimmt nicht: langweilig. Interessierte können das Abschneiden der Regatteure
im Internet mitverfolgen, bis sie im Frühling selbst wieder die
Segel setzen.

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