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Sonnenkönig doppelt nach

von Quentin Mayerat

„Der Wasserstand wird bei der Rund Um 2012 keine Probleme machen und da kommt noch einiges dazu“, liess Wettfahrtleiter Hubert Henzler vom Lindauer Segler Club im Vorfeld der grössten Regatta auf dem Bodensee verlauten. Er hatte zwar eher an Schmelzwasser aus den Bergen gedacht als an den vielen Regen, der nicht nur den Seespiegel ansteigen liess, sondern auch dazu führte, dass die grosse Party zum Start der Rund Um an der Lindauer Strandpromenade ins Wasser fiel.

© Caja Barz/Walter Rudin

Das Ganze sollte eine nasse Angelegenheit werden. Die 326 Boote, die von der Wettfahrtleitung in die lange Nacht geschickt wurden, boten zwar wie immer ein imposantes Bild, zumal die meisten Boote den Spinnaker hochgeholt hatten, aber entgegen der Wetterprognose wollte der Regen nicht aufhören. Je nach Schauer blies der Wind mit mageren 1-2 Beaufort aus Südost oder Nordost und auf die Segler wartete eine lange, kalte Nacht auf dem über 100 Kilometer langen Kurs von Lindau über Romanshorn nach Konstanz, Überlingen und wieder zurück. Nur die langsameren Jachten wurden zum Finish am Samstagmorgen von einer strammen Bise in Lindau empfangen. Da lagen die Regatteure der schnellen Hightech-Boote aber bereits im Bett.

Katamaran oder Einrumpf

Die Schwachwindprognosen hatten Anlass zu Spekulationen gegeben. Ob wieder eine Libera die schnellen Mehrrümpfer schlagen könnte? Multihulls benötigen eine gewisse Mindestwindstärke, um ihr Potenzial auszuschöpfen und ihre Benachteiligung auf harten Kreuz- und platten Vorwindkursen zu kompensieren. An den Sieg eines Einrümpfers, wie er der ungarischen Libera Raffica im Flautenrennen 2009 gelungen war, glaubte aber niemand so richtig. Schliesslich waren dieses Jahr über ein Dutzend der extremen Katamarane gemeldet, die meisten mit einem Yardstickfaktor von etwa 55.

Fand den Weg durch die Windlöcher am Besten und holte das Blaue Band zum dritten Mal in Folge in die Schweiz: Stefan Stäheli mit Team Sonnenkönig auf der Ventilo M2 © Caja Barz/Walter Rudin

Auch bei wenig Wind hatten die beiden letzten Jahre die Mehrrümpfer dominiert. Und dieses Jahr wurde weiter aufgerüstet. Tornado-Spitzensegler Veit Hemmeter vom Heimclub hatte eine schnelle Ventilo M2 noch schneller gemacht. Ein ähnliches Projekt hatten die Ungarn. Sie nahmen eine grössere Ventilo M1, setzten einen noch höheren Mast und legten Ausleger auf die Kufen. Keiner kämpfte aber so verbissen um den Sieg wie Ralph Schatz. Seine SL33 Black Jack war im vergangenen Jahr nur wenige Stunden vor dem Rennen fertig geworden und hatte sich noch nicht regattatauglich gezeigt.

Gewichtige Ausfälle

Albert Schiess, der Überraschungssieger vom letzten Jahr, der mit dem 23-jährigen Katamaran Holy Smoke die modernen Ventilo-Hightech-Renner hinter sich gelassen hatte, war also stark gefordert. An der Pressekonferenz wenige Stunden vor dem Start gab er sich denn auch ziemlich pessimistisch. Zu alt sei der eher kleine Kat, obwohl er ihn mit Karbon verstärkt habe.

Nur anderthalb Minuten Rückstand nach über sieben Stunden Fahrt: Der tragische Verlierer Ralph Schatz rundete in Überlingen noch als Erster und wieder reichte es nicht zum Sieg. © Caja Barz/Walter Rudin

Dass er wegen Problemen mit dem Mast schon früh aufgeben musste, kam dann doch sehr überraschend. Es war aber nicht der einzige Ausfall. Die Ventilo Victorinox von Dany Monnier war schon beim Training gekentert, musste von der Wasserschutzpolizei aufgerichtet werden und konnte nicht mehr zur Regatta antreten. Unverständlich war der Mastbruch auf dem deutschen Multihull Vitanas. „Der wurde noch keine zehn Mal gesegelt“, kommentierte die unverletzt geblieben Crew, die in der Führungsgruppe gelegen hatte.

Noch hatte das Feld der Mehrrümpfer aber genügend Siegesanwärter und der Wind blies eben doch zu wenig schwach, um den Liberas ernsthaft eine Siegeschance zu geben.

Zweimal Sonnenkönig

Einrümpfer haben bei der Rund Um kaum mehr eine reelle Siegeschance. © Caja Barz/Walter Rudin

Der Rennverlauf ist schnell erzählt. „Es war immer wieder ein Kampf durch die Flautenlöcher, aber dann ist schnell wieder Wind aufgekommen und wir sind angesprungen“, schildert der glückliche Sieger Stefan Stäheli seine Siegesfahrt auf der Ventilo. Mit dem Team Sonnenkönig von der Seglervereinigung Kreuzlingen gelang ihm nach 2010 der zweite Rund-Um-Sieg. Er lag auch diesmal wieder vor dem Meersburger Ralph Schatz, der nach über sieben Stunden Fahrt nur 1 Minute und 37 Sekunden Rückstand aufwies und so den Ruf des ewigen Zweiten nicht loswurde. Dritter wurde Thomas Rüegge, ebenfalls von der Seglervereinigung Kreuzlingen.

Sonnenkönig gewann dieses Jahr die Rund Um gleich zweimal. Neben der Ventilo war das Team auch mit einer neuen Farr 400 angetreten, die den Blauen Pokal für die schnellste konventionelle Jacht holte. Eine Bilanz, die sich aus Schweizer Sicht sehr gut sehen lassen kann.

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