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Swiss Sailing Team : London Calling

von Quentin Mayerat

Acht Monate vor den Olympischen Spielen in London rücken die Qualifikationsregatten für die Schweizer Segelelite langsam näher. Die Swiss Sailing Team AG (SST), die für die Organisation und die Förderung des Leistungssports zuständig ist, hat ihre Mitglieder im Oktober im bünderischen Bad Ragaz zu einem Meeting versammelt. Dort wurde vor der ISAF-WM in Perth (AUS) vom 3.-18. Dezember 2011 eine letzte Lagebeurteilung vorgenommen.

„Eure Kondition ist der Aspekt, der sich am einfachsten verbessern lässt. Schlechte Leistungen wegen mangelnder Kondition sind absolut tabu“, warnte Tom Reulein. © Bernard Schopfer

Bünder „Retraite“

Der Workshop in Bad Ragaz bot den Olympiahoffnungen die Gelegenheit, sich mit den extra angereisten Vertretern von Swiss Olympic auszutauschen. Aus Termingründen kann die Segeldelegation nämlich nicht zusammen mit den Schweizer Olympiaanwärtern der anderen Sportarten am Meeting in Magglingen teilnehmen. Also wurden sie im Bünderland über den Ablauf der Wettkämpfe, die Eröffnungs- und Schlussfeier und die Rolle von Swiss Olympic während des Aufenthalts in Grossbritannien informiert. Gian Gilli, Leiter Spitzensport von Swiss Olympic, machte deutlich, welche Einstellung und welches Verhalten er von den Athleten erwartet, damit sie am Tag X auch wirklich glänzen. „Von uns reist grob gerechnet ein Vertreter pro Sportler mit. Das ist eine grosse Investition und wir müssen die Medaillenchancen bestmöglich optimieren“, erklärte Gilli den Regatteuren. Dann stellte er ihnen das von Swiss Olympic für die Kampagne 2012 gewählte Symbol vor: ein Apfel, der wie bei Wilhelm Tell von einem Pfeil durchbohrt wird. Dass gerade der Schweizer Nationalheld als Vorbild hinhalten muss, hat einen guten Grund, wie Gilli erläuterte: „Tell hatte nur eine Chance, es lastete ein enormer Druck auf seinen Schultern – und er hat es geschafft. Eine Olympiateilnahme hat vieles mit dieser Geschichte gemein und deshalb haben wir sie auch als Bild für euren Einsatz gewählt.“

Von links nach rechts und von oben nach unten: Guillaume Girod, Nicolas Novara, Enrico De Maria, Romy Hasler, Stéphanie Hasler, Didier Charvet, Richard Stauffacher, Tom Reulein, Nathalie Brugger, Romuald Hausser, Yannick Brauchli, Christian Steiger und Marco Brunner. © Marco Brunner

Bilanz und Perspektiven

Tom Reulein, Teamchef und Headcoach der SST, bat alle Teilnehmer, eine persönliche Standortbestimmung vorzunehmen und sich bis zu den Olympischen Spielen klare Ziele zu setzen. Dazu wurden die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen analysiert und danach mögliche Massnahmen zur Verbesserung der individuellen Leistung aufgezeigt. Gewichtszunahme, Taktik, Aggressivität, Tempo und Trainingsmethoden waren nur einige der genannten Kriterien. In einem Punkt waren sich die Athleten einig: Die Tatsache, dass sie 2011 mehrmals in Weymouth segeln konnten, war für sie sehr wichtig, da sie sich dabei mit dem Regattarevier anfreunden konnten. Auch die Verbesserung der Betreuungsstrukturen in den letzten Monaten wurde allgemein als wichtiger Performancefaktor genannt.

Keine Entschuldigung für schlechte Kondition

Ein weiteres zentrales Thema dieses vorolympischen Wochenendes war die körperliche Vorbereitung. Hierzu wurde den Athleten ein leichtes, einfach zu transportierendes Gerät für das Muskeltraining vorgestellt. Sie probierten es auf der Stelle aus und hatten dabei viel zu lachen. „Eure Kondition ist der Aspekt, der sich am einfachsten verbessern lässt“, meinte Tom Reulein mit bestimmtem Ton und warnte dann genauso überzeugend: „Schlechte Leistungen wegen mangelnder Kondition sind absolut tabu. Es liegt an euch, entsprechend zu trainieren.“

Nathalie Brugger trainiert ihre Deltamuskeln. © Marco Brunner

Die Selektion hat begonnen

Die erste Qualifikationsmöglichkeit steht kurz bevor. Am meisten Chancen, sich noch vor Ende Jahr einen Startplatz zu sichern, haben objektiv gesehen die Aspiranten mit der grössten Erfahrung. Marazzi/De Maria gehören dazu, aber auch Nathalie Brugger und Richard Stauffacher. Eine Top-5-Klassierung in Perth würde reichen. Wer diese Vorselektion in Australien nicht schafft, kann sein Potenzial am ISAF Worldcup in Hyères im April oder an der jeweiligen Klassen-WM unter Beweis stellen. Voraussetzung für ein Ticket nach Weymouth ist mindestens ein Platz unter den ersten zwölf. Christoph Botoni, Christian Steiger, Guillaume Girod, Manon Luther, die Paarung Brauchli/Hausser und die Hasler-Schwestern werden alles geben, um dieses Ziel zu erreichen. Denn nur die Besten können sich Hoffnungen auf den olympischen Graal machen. Die Mitglieder der SST wissen, was in den nächsten Monaten von ihnen erwartet wird: ein kompromissloser Einsatz.

Schweisstreibend: Yannick Brauchli beim Krafttraining. © Marco Brunner

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