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Übergangsjahr mit Fragezeichen

von Quentin Mayerat

© Jean-Marie Liot

Bootswechsel haben bei den Teams der Tour de France à la Voile schon immer für viel Zündstoff gesorgt. Das war im Jahr 2000 bei der Einführung der Farr 30 als Ersatz für die Jod 35 so und hat sich auch nicht geändert, als die Farr 30 zugunsten der M34 fallengelassen wurden. Unbegründet sind die Kritiken der Betroffenen aber nicht. Das Boot hatte komplizierte Vorgaben zu erfüllen, da es auf zwei verschiedene Programme zugeschnitten sein musste: zum einen auf die Tour à la Voile, die ein trailerbares Boot voraussetzt, zum anderen auf eine Transat im Team.

© Jean-Marie Liot

Einen für beide Anforderungen perfekten Racer zu entwickeln war ein entsprechend schwieriges Unterfangen. Die Ausschreibung des ehemaligen Organisators hatten die Architekten Joubert-Nivelt-Mercier gewonnen, die das Boot – die M34 – bei Archambault bauen liessen. Mit 10,38 Metern ist sie einen Meter länger als die Farr 30. Auch die Amwind-Segelfläche ist im Vergleich zum Vorgängerboot grösser (71 m2 statt 56 m2). Für Vorwindkurse ist ein fester, 1,50 m langer Bugspriet vorgesehen, woran der 125 m2 grosse asymmetrische Spi befestigt ist (89 m2 bei der Farr 30). Die M34 wiegt 2,7 Tonnen und hat ein 2,50 m langes Schwert. All diese Merkmale machen sie zu einem kraftvollen, schnellen Boot. „Die M34 ist grösser als die Farr 30, liegt höher auf dem Wasser und ist deshalb für das Meer besser geeignet. Für den Transport mussten wir sie aber etwas leichter machen und für den idealen Gewichtstrimm ein paar Teammitglieder mehr hinzufügen. Aus der sechsköpfigen Besatzung ist eine achtköpfige geworden, das bedeutet natürlich auch mehr Kosten und schwierigere Bedingungen für Frauen- und Studententeams“, erklärt Vincent vom Team Courrier Dunkerque. Daniel Souben, der an der Tour 2012 auf den zweiten Platz gesegelt war, weist noch auf einen weiteren Unterschied im Vergleich zur Farr 30 hin: „Der Mast ist schwerer, was das aufrichtende Moment beeinträchtigt. Aber das Boot ist gut gebaut, Archambault hat gute Arbeit geleistet.“ Seine Einschätzung stützt er auf Fakten: „Bei der Lieferung des Bootes haben wir es auf Herz und Nieren untersucht“, sagt Souben. Wie sieht es jedoch mit der Performance aus? „Vor dem Wind ist das Boot schnell und unter Spi angenehm zu steuern“, urteilt Cédric Pouligny vom Team BAE System. Ganz anders tönt es bei Jérôme Clerc. Der Skipper der Ville de Genève-Carrefour Préventionist enttäuscht vom neuen Boot: „Die M34 zu segeln macht keinen Spass. Sie ist schwer, mühsam zu trimmen und man kann nicht mit ihr spielen.“ Dieser Kritik zum Trotz darf man nicht vergessen, dass sich die Teams erst noch an das nach strengen One-Design-Vorschriften gebaute Boot gewöhnen müssen und die Einheitsklasse immerhin den Vorteil hat, dass alle Teams mit den gleichen Voraussetzungen starten.

Welches der Schweizer Teams im Rennen - die jungen Panther des CER (unter der Leitung von Jérôme Clerc, rechts im Bild) oder die weissen Haie von Biel - werden ihre Ziele wohl schneller erreichen? © Jean-Marie Liot

ASO möchte aus der Tour ein Segelfest machen

ASO, der neue Organisator, ist auf die Veranstaltung von Sportereignissen, die ausserhalb eines Stadions stattfinden, spezialisiert. Dazu gehören unter anderem die Tour de France der Velofahrer und die Rallye Paris-Dakar. Er will die Tour de France à la Voile zu einem grossen Volksfest machen. „Wir sind im Velozirkus, im Golfsport und im Autorennsport tätig und interessieren uns schon lange fürs Segeln. Dank unserer Erfahrung können wir Parallelen zur Tour de France ziehen. Darauf verstehen wir uns auch. Trotzdem betreten wir diese Welt mit der nötigen Demut, denn wir müssen noch viel über das Segeln lernen. Deswegen sind wir auch an die Arabian Sailing Tour gereist, um die französischen Tour-Teilnehmer zu treffen“, erklärt Baptiste Kern, Leiter der Entwicklungsabteilung bei ASO. 2012 wird deshalb auch ein Übergangsjahr. Jean-Baptiste Kern will die ersten Änderungen aber schon diesen Sommer einleiten. „Wir arbeiten schwerpunktmässig an drei Entwicklungen. Dieses Jahr wird das Rahmenprogramm an Land ausgebaut, damit die Tour zu einem Segelfest für die ganze Bevölkerung wird und die Leute in die Häfen lockt. Danach werden wir für ein grösseres Medienecho sorgen und versuchen, die Erwartungen der Regattasegler zu erfüllen. Das ist wichtig. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Tour de France à la Voile nicht von Paris-Dakar: Profis und Amateure müssen gleichermassen berücksichtigt werden.“

 

Zwei Schweizer Teams startbereit

© Christian Pfahl

© Alison Bex

© Jean-Marie Liot

Die Schweiz wird an der diesjährigen Tour von Bienne-Voile und Ville de Genève-Carrefour Prévention vertreten. Beide Teams sind hochmotiviert, obwohl ihr Trainingsniveau sehr unterschiedlich ist. Nach einem Jahr Pause wegen der verzögerten Auslieferung der neuen M34 haben sich die Schweizer Teams die nötige Zeit gelassen, um sich für die Ausgabe 2012 zu organisieren.

Wie schon im Jahr 2010 haben sich BienneVoile und Swiss Racing Sailors für die Tour zusammengetan. Grund für die Kollaboration sind wirtschaftliche Überlegungen und die grössere Auswahl an Leistungsträgern.
18 Segler haben bereits ihr Interesse angemeldet. Das Team wird zur Hauptsache aus Amateuren bestehen, die sich fest vorgenommen haben, beim Rennen neben den Cracks eine gute Figur zu machen. Trainiert wurde auf Farr 30 und Dolphin, da die M34 erst Mitte März im Neuenburgersee eingewassert wurde. François Kunz und Lorenz Müller, die beiden Skipper von Bienne-Voile, haben bis zur Abreise nach Dunkerque ein volles Trainingsprogramm zusammengestellt.

Das Genfer Centre d‘Entraînement à la Régate (CER) konnte ihre M34 bereits letzten September in Empfang nehmen und hatte entsprechend Zeit, am Boot zu feilen und sich richtig vorzubereiten, umso mehr, als sie ihre Trainingsbasis im Centre d’entraînement Méditerranée in La Grande Motte eingerichtet haben. Jedes zweite Wochenende segeln Jérôme Clerc und Elodie Mettraux dort mit einer Auswahl interessierter Segler, um ihr 18-köpfiges Dream Team zusammenzustellen. Die definitive Zusammensetzung soll im Mai feststehen. Es ist zwar noch nicht entschieden, ob sie in der Kategorie der Amateure oder in der der Profis antreten, Ziel ist aber auf jeden Fall, besser abzuschneiden als 2010 (2. bei den Amateuren!). Damit das auch gelingt, nehmen sie am Spi Ouest France und danach am Grand Prix de Douarnenez teil, bevor sie auf den Genfersee zurückkehren, um dort ihrer Vorbereitung den letzten Schliff zu geben.

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