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Voiles de Saint-Tropez: Eine stürmische Angelegenheit

von Quentin Mayerat

Windig, regnerisch und voller schöner Schiffe: Das waren die diesjährigen Voiles de Saint-Tropez. Trotz scheuss-lichem Wetter wird die Ausgabe 2015 als besonderes Jahr in die Annalen des Traditionsanlasses eingehen. Die Rekordbeteiligung von 15 Wally, die Teilnahme der vier letzten noch segelnden 15mR-Jachten, die am 28. September in der Bucht von Saint-Tropez den Abschlussevent ihrer Regattaserie austrugen, und die Anwesenheit von 23 hundertjährigen Booten, die sich auf Initiative des Gstaad Yacht Club aneinander massen, machten das diesjährige Klassikertreffen einzigartig. 330 moderne und klassische Jachten mit 4000 Seglern sorgten auf dem stahlblauen, griesgrämigen Meer für beste Laune. 

Die meisten Traditionsschiffe trafen am Sonntag im Rahmen des vom Yacht Club de France organisierten Herbstcups in St. Tropez ein. Bei dieser Überführungsregatta aus Cannes zeigte das eingespielte Team auf der 15mR-Jacht Mariska des Schweizers Christian Niels sein ganzes Talent und absolvierte die 17 Seemeilen als Schnellste. Ab Montag regattierten dann die modernen Klassen, allen voran die Wally. Je weiter der Tag voranschritt, desto mehr drehte der Ostwind auf. Die Einheimischen wussten: Das konnte nichts Gutes bedeuten. Ungeachtet der unheilvollen Wetterlage trugen die vier nach Plänen von William Fife konstruierten 15mR den letzten Lauf ihrer Regattatour aus. Mariska (1908) legte eine bemerkenswerte Leistung hin, konnte aber aufgrund ihres ungünstigen Ratings den Punkt nicht mehr wettmachen, der sie zum Champion der 15mJI Association gekürt hätte. Diese Ehre wurde dem Gaffelkutter Tuiga (1909) des Fürstentums Monaco zuteil. The Lady Ann (1912) wurde 3., Hispania (1909) 4.

Am Dienstag und am Mittwoch spazierten die 4000 Segler über die Hafenpromenade, füllten Cafés, Märkte und Museen. Eigentlich wären sie viel lieber auf dem Wasser gewesen, doch das von den Windböen aufgewühlte Meer machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Am Donnerstag hatte sich das Wetter wieder einigermassen beruhigt und der Regattaleiter Georges Korhel erteilte den Startschuss zur fünften Centenary Trophy des Gstaad Yacht Club. Die 23 hundertjährigen Schiffe starteten abhängig von ihrem Rating gestaffelt zur acht Seemeilen langen Strecke zwischen Portalet, Rabiou und dem hinteren Teil der Bucht. Olympian (1913) konnte ihren Titel nicht verteidigen und musste sich hinter der Herreshoff-Jacht Oriole aus dem Jahr 1905 mit dem zweiten Platz begnügen.

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SIEGREICH: MAGIC BLUE GEWINNT BEI DEN WALLY. © Gilles Martin-Raget

Rolex Trophy an die kleinen Marconi-Jachten 

Dieses Jahr sollte die Rolex Trophy an eine der 14 zwischen 1962 und 1970 gebauten Jachten mit Marconi-Takelung aus der Gruppe B gehen. Hinter dieser Entscheidung steckte die Überlegung, dass der Schiffsbau im besagten Zeitraum einen grundlegenden Wandel erlebt hatte. Es war schliesslich die von Olin Stephens entworfene Maria Giovanna II, die ihren Namen auf den Pokal der berühmten Uhrenmanufaktur schreiben durfte. Sie war 1969 gebaut worden und gehört heute Jean-Pierre Sauvon. Etwas frustrierend war dieser Sieg allerdings doch, denn wie bei den klassischen Marconi-Jachten der Gruppe A, in der Ikra mit Seb Destremau am Steuer gewann, konnten auch hier nur zwei Regatten gesegelt werden. In der 13 Boote starken Flotte der Gaffeljachten A (Auriques A) ging der Sieg an die auf dem Zeichenbrett von Nathanael Herreshoff entstandene Chinook (1916) des New York Yacht Club. Die unter Schweizer Flagge segelnde und von der Vereinigung Patrimoine du Léman am Leben erhaltene Phoebus musste nach zwei Läufen aufgeben. Erfreulich war das hervorragende Abschneiden der Oiseau de feu in der Kategorie der Marconi- Jachten A. Die von Camper und Nicholson gezeichnete Jacht mit Baujahr 1937 war letztes Jahr von den Schweizern Cyril Peyrot und Guillaume Floquet gekauft worden und klassierte sich hinter der unschlagbaren Rowdy (1916), auch sie eine New York 40, auf dem zweiten Platz. Dahinter folgte die Neuzugängerin Serenade, die aufgrund ihrer eleganten Erscheinung und ihrer sportlichen Leistung viel Aufsehen erregte. Sie war 1938 nach Plänen von Nicholas Potter für die Transpac konstruiert worden und hatte niemand geringeren als Humphrey Bogart an Bord. In den 1970er-Jahren gehörte die 18,62 m lange Sloop dem Kommandanten Cousteau. Ihr jetziger Schweizer Eigner erzählt mit spitzbübischem Grinsen, es sei ihm ein grosser Coup gelungen. Er sei das Boot im Frühling, sofort, nachdem es zum Kauf ausgeschrieben worden war, in Mystic Sea Port holen gegangen. „Ich durfte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen“, sagt er. Die Jacht wurde per Cargo nach Genua verschifft und startete ohne Lifting in die Saison. Im Herbst wird sie jetzt aber in einer Werft mit dem Ziel auf Vordermann gebracht, im nächsten Jahr alles zu gewinnen. Erstmals an den Voiles de Saint-Tropez mit dabei war die 8mR Apache von Olivier Baiwir. Sie ist auf dem Genfersee ein häufig gesehener Gast und startete bei den Marconi-Jachten B.

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ERFOLGSVERWÖHNT: DIE 1905 NACH PLÄNEN VON HERRESHOFF GEBAUTE ORIOLE SEGELT AN DEN VOILES DE SAINT-TROPEZ REGELMÄSSIG AUFS PODEST. © Juerg Kaufmann

Sieg der Schweizer Jacht Music 

Die 155, in fünf Klassen eingeteilten IRC-Jachten trugen verteilt auf die ganze Woche drei Regatten aus. Bei den 23 IRC A gewann die neue, von Brad Butterworth gesteuerte Juan K Ranger 88 mit einem Tiefgang von stattlichen 7,20 m. Der Schweizer Marco Vögele platzierte sich mit seiner Inouï auf Rang 8. Besonderen Respekt verdient die Crew der Schweizer Jacht Music um Alba Batzill. Sie setzte sich in der IRC-B-Klasse gegen alle 27 Teilnehmer durch. Auch bei den 29 IRC C wurde hart gekämpft, schliesslich hatte aber die Amerikanerin Vesper die Nase vorn. Ninotchka III des Schweizers René Estoppey wurde 24. In der grössten Klasse der 39 IRC D fuhr Team Chalets von Philippe Saint-André einen souveränen Sieg nach Hause. Der Schweizer Philipp Häfelfinger auf Monique-Anne VI belegte Platz 25. Ebenfalls in der unteren Tabellenhälfte klassierte sich Cochise des Schweizers John Christoffel. Er wurde bei den 36 IRC E 28.

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© Gilles Martin-Raget

Rekordbeteiligung der Wally 

Die 15 Wally trugen vor Pampelonne einen eigenen Wettkampf aus. Nach fünf Regatten, darunter zwei Küstenkursen, stand die Wally 94 Magic Blue (2002) vor Y3K als Siegerin fest. Besonders dürfte sich auch der Argentinier German Frers gefreut haben: Die ersten fünf der von Luca Bassani konzipierten futuristischen Jachten stammen alle aus seiner Designschmiede.

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