
Leichtgewichte gesucht : Die Weltmeister 2011 segeln zu sechst und bringen trotzdem nicht mehr als die 400 kg Maximalgewicht auf die Waage. Mit dabei auf dem italienischen Boot : die Zentralschweizer Markus Sigrist (ganz links) und Lukas Gerig (vorne). © DR
Was das renommierte US-Designbüro von Bruce Farr entwirft, setzt sich durch und bewährt sich. Das bewiesen America’s Cupper und Volvo Ocean Racer genauso wie kleinere Jachten. Dazu gehört auch die Platu25, die für den asiatischen Markt entworfen und ab 1995 von der neuseeländischen McDell Werft gebaut wurde.
Der Name Platu – von einer schnellen thailändischen Makrelenart übernommen – passt exakt: Bereits ab 10 Knoten Wind kommt das Boot ins Gleiten und wenn es richtig bläst, liegen sogar 16 Knoten Speed drin. Das Boot ist nicht nur schnell, sondern auch lebendig wie eine Jolle und bietet der Crew jede Menge Arbeit, da mit einem konventionellen, aber grossen Spinnaker gesegelt wird. Mit ihren 1,3 t Gewicht ist die Jacht mit einem stärkeren Personenwagen gut trailerbar und dank dem einfach gehaltenen Rigg schnell einsatzbereit. Das sind gute Voraussetzungen für das Regattieren in verschiedenen Revieren.
Die Klasse betreibt eine strikte One-Design-Politik, was Materialschlachten vermeidet und für die Eigner das Budget in Grenzen hält. Überhaupt ist der Preis eines der überzeugendsten Argumente für den Erwerb einer Platu25. Die 7,5m-Regattajacht kostet inklusive Segel CHF 54’000, da kann man schon fast von einem Schnäppchen sprechen.
Boom in Europa
In Europa liess sich Frankreichs führende Werft schon früh von den Vorzügen dieses Sportbootes überzeugen und produzierte ab 1996 mehrere hundert Einheiten mit der Bezeichnung Bénéteau25. Zur europäischen Konkurrenz wurde die polnische XSP Werft, die Platu zum selben Preis, aber etwas sauberer verarbeitet ausliefert.
Nach der Jahrtausendwende breitete sich die Platu25-Klasse in Europa stark aus. Besonders in Süditalien und in Spanien boomte die Klasse geradezu. So kaufte der Real Club Nautico in Palma de Mallorca gleich 17 Einheiten auf einmal. Im segelkonservativen Deutschland schaffte es die Platu als erstes neueres Sportboot, Regattafelder von über 30 Booten zu stellen und wurde deshalb ins Programm der Kieler Woche aufgenommen.
Zu den asiatischen nationalen Klassenvereinigungen gesellten sich neue in Europa. 2006 wurde die IPCA (International Platu25 Class Association) von der ISAF als internationale Klasse anerkannt und auch die Marke von 1000 weltweit verkauften Einheiten wurde inzwischen längst geknackt. An der WM 2009 in Italien waren 92 Boote am Start.
Frankophone Verweigerung
Obwohl eine französische Werft den Bootstyp in Europa lanciert hat, wird in Frankreich kaum auf der Platu25 regattiert. Das liegt nicht nur daran, dass – wie in der Romandie mit der Surprise – schon ein ähnliches Boot vorher Fuss gefasst hat und damit verbreitet auf hohem Niveau gesegelt wird. Luc Monnin, der ehemalige Internationale Klassenpräsident und Schweizermeister der Surprise-Klasse, sieht auch noch andere Gründe : „ Bénéteau hat im Heimatland viele Segler verärgert, weil die Werft die Produktion der weit verbreiteten First Class 8 plötzlich einstellte, die Lizenz aber nicht abgab und der Klasse somit das Todesurteil bescherte. Das vergisst man einem Hersteller nicht so schnell. “
Auf helvetischen Gewässern waren es vorab Zentralschweizer, die für die Verbreitung der Platu25 sorgten. An den Regatten des Vierwaldstättersee-Cups konnte man schon bald als eigene Klasse starten und um sich auch international zu messen, begann man über die Landesgrenzen zu schielen. Mit deutschen, italienischen und österreichischen Seglern traf man sich im Alpenraum zu Regatten und schuf mit dem Central European Alp Cup (CEAC) ab 2006 ein Format, bei dem an vier Regatten auf verschiedenen Alpenseen ein zentraleuropäischer Meister erkoren wird.
Erfolgreiche Zentralschweizer
Und die Schweizer können auch auf internatio-nalem Parkett gut mithalten. Mit einem Sieg an der Kieler Woche 2010 bewies das Zentralschweizer SailArt Team eindrücklich sein Potenzial. An der Weltmeisterschaft 2011 sas-sen auf dem Traunsee mit Markus Sigrist und Lukas Gerig zwei Schweizer auf dem italienischen Siegerboot. Und gegen Ende der Saison sorgte ein weiteres Luzerner Boot für Furore: Matthias Bermejo und Dave Erismann, zwei ehemalige 470er-Segler, die vor zwei Jahren zur Platu-Klasse gewechselt hatten, segelten an der WM zwar noch knapp am Podest vorbei, konnten aber als erstes Schweizer Team den Alp Cup gewinnen.
Die guten Ergebnisse stimmen Markus Sigrist, Schweizer Vertreter im Vorstand der Internationalen Klassenvereinigung, zuversichtlich: „ Ambitionierte Schweizer steigen in Klassen ein, wo Landsleute international erfolgreich sind und sorgen so für immer grössere Regattafelder. “ In der Deutschschweiz wird für die nächste Saison mit einigen Newcomern gerechnet. Bleibt zu hoffen, dass man auch in der Romandie darauf aufmerksam wird, dass in der Platu25-Klasse hierzulande auf hohem Niveau gesegelt werden kann.



