Zum Hauptinhalt springen

Skippers

🏛 » Finden und Fördern der Sieger von Morgen

Finden und Fördern der Sieger von Morgen

von Quentin Mayerat

Die Tage am Bielersee begannen früh für die von den Klassenverbänden für das Talentscout Camp vorgeschlagenen oder aufgrund nationaler Rankings ausgewählten Nachwuchstalente. Um acht Uhr stand jeweils ein Footing inklusive Pulsfrequenzcheck, Yogaübungen und Stretching auf dem Programm. Danach folgten bis abends um halb zehn Trainingseinheiten zu Wasser und zu Land. Beschwert über das dicht gepackte Programm hat sich aber keiner der jugendlichen Teilnehmer; nicht während des ersten Camps, in denen 18 Optimisten- und Lasersegler zwischen 13 und 19 Jahren das Gelände und die Räumlichkeiten des nationalen Wassersportzentrums in Ipsach bevölkerten, und auch nicht während des zweiten Camps, das den in der 420er- und 470er-Klasse aktiven jungen Frauen und Männern bis und mit Jahrgang 1990 gewidmet war. Alle wollten positiv auf sich aufmerksam machen und möglichst viel profitieren. Immerhin standen mit Jean-Claude Vuithier* und Didier Charvet die beiden vollamtlichen Trainer des SST zu ihrer Verfügung. Und die vermochten so einiges zu bieten: Auf dem Wasser, auf dem die Einhandsegler aufgrund idealer Verhältnisse beinahe 25 Stunden zubrachten, versorgten sie die Talente mit wertvollen Inputs und an Land überprüften sie ihre Boote, zeigten ihnen anhand von Videoanalysen Verbesserungsmöglichkeiten und führten sie in die Welt des Spitzensports ein. Es wurde viel über Motivation gesprochen, über Ziele, Visionen, Energie und Emotionen, aber auch über konkrete Planungskonzepte und über Problemthemen wie etwa Doping. Es schien den beiden Coaches keine Mühe zu bereiten, sich auf ihre jugendliche Klientel einzustellen. Sie fanden

– allen Sprachbarrieren zum Trotz – einen guten Draht zu ihren Schützlingen. Headcoach Jean-Claude Vuithier, selbst mehrfacher Olympionike und während zehn Jahren als Trainer von Flavio Marazzi tätig, erstaunt das wenig: „Ich bin Profi und muss mich auf unterschiedliche Voraussetzungen einstellen können“, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: „Als ich mit Flavio zu arbeiten begann, war er ja auch beinahe noch ein Junior.“ Einer der Höhepunkte der Camps bildeten die Besuche der Alinghi-Vertreter Tom Schnackenberg und Caroline Jonet. Designer Schnackenberg erzählte dabei von den Schwierigkeiten, den gigantischen Mast des Alinghi-Multis zu transportieren und Seglerin Jonet, ehemalige 420er-Weltmeisterin und mittlerweile auf der D35 von Alinghi im Einsatz, erklärte, wie sie ohne finanzielle Eigenmittel aber mit viel Engagement ihren Weg an die Spitze fand. 

Selektion, Talentpool und einige Fragezeichen
Begeistert von den Talentscout Camps zeigte sich aber nicht nur der Nachwuchs, auch das SST zog eine positive Bilanz. CEO Rainer Staub erklärte: „Das Camp bot die ideale Plattform, um festzustellen, wie hoch das seglerische Niveau des Nachwuchses ist und lieferte uns wertvolle Einsichten darüber, wie in den verschiedenen Regionen und Clubs trainiert wird.“ Für 2010 will das SST ein neues Sportförderungskonzept für den Nachwuchs einsetzen. Die Talent Scout Camps dienen dabei als Selektion für den Talentpool. Dieser umfasst maximal neun Optimisten, zwölf Laser und jeweils drei 420er- und 470er-Teams. Inwieweit in diesem Pool aber die besten Nachwuchssegler der Schweiz vertreten sein werden, ist nicht ganz klar. Zwar waren in Ipsach Segler aus allen drei grossen Sprachregionen vertreten, doch gibt es, wie Jean-Claude Vuithier erklärt, vor allem in der Romandie Clubs, die gar nicht mit dem SST zusammenarbeiten wollen: „Sie haben selbst das nötige Geld, Trainer und die Infrastruktur und sehen keinen Grund, mit dem SST zu kooperieren.“ Aufgrund der beschränkten Kapazitäten der SST-Trainer stellt sich ausserdem die Frage, inwieweit die Segler des Talentpools überhaupt betreut werden können. Dazu Jean-Claude Vuithier: „Wir müssen uns um sehr viele Athleten in verschiedenen Klassen kümmern. Da müssen wir Prioritäten setzen.“ Darum wird man beim SST wohl nicht herum kommen. Abgesehen von einigen Mandaten für spezielle Events wird es die finanziell doch angespannte Situation dem SST kaum erlauben, zusätzliche Trainer für den Nachwuchs zu engagieren. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die Talente von heute auch unweigerlich die Sieger von Morgen sind.

Dans la meme categorie