20 Superjachten feiern 30-Jahr-Jubiläum
30 Jahre nach seiner Premiere hat der Superyacht Cup Palma nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Die älteste und grösste Superjacht-Veranstaltung im Mittelmeer ist noch immer eine feste Grösse im internationalen Regattakalender. Mit Richard Mille als neuem Titelsponsor erhielt das Jubiläum zusätzlichen Glanz. 20 Ausnahmejachten – darunter zwei unter Schweizer Flagge – lieferten sich bei idealen Bedingungen spannende Wettfahrten. Nicht zu kurz kam dabei das gesellige Miteinander, denn das gehört genauso zum Cup wie das sportliche Kräftemessen.
Text ) Brice Lechevalier Fotos ) Sailing Energy
Der vollständig renovierte Club de Mar Mallorca trug als Heimathafen der Regatta wesentlich zur besonderen Atmosphäre bei. Erstmals seit mehreren Jahren kam die gesamte Flotte wieder in ein- und demselben Hafenbereich zusammen. Eigner, Crews, Gäste und Partner konnten so jeden Regattatag gemeinsam bei Happy Hours und den täglichen Siegerehrungen ausklingen lassen. Die Zusammenführung stiess auf viel positives Echo. «Auf dem Wasser wollen alle gewinnen, an Land stossen sie dann miteinander an», brachte es Veranstalterin Kate Branagh auf den Punkt.
Parade der Superlative
Schon im Hafen bot sich dem Publikum ein eindrucksvolles Schauspiel. Die beiden majestätischen J-Class-Riesen Rainbow und Svea buhlten um die Gunst der Zuschauenden, die 58-Meter-Ketsch Burrasca von Perini Navi erlebte ihr Debüt an der Seite der Wally Inco, der eleganten Swan 100 Spirit und der ebenso exklusiven Swan 88 Spiip, während die Stammgäste Win Win, Archelon, Cervo und Atalante 1 (SUI 777) ihr alljährliches Wiedersehen feierten. Zum 30-jährigen Jubiläum wartete die Veranstaltung gleich mit zwei Neuheiten auf: Sie führte sowohl eine eigene YYachts-Klasse als auch eine neue Mehrrumpfklasse ein, die gleichzeitig zur Mediterranean Maxi Multihull Challenge der International Maxi Association zählte. Zwei der vier Katamarane stammten aus der Gunboat-Werft, doch auch dem 84-Füsser Allegra (SUI 888) des erfahrenen Schweizer Seglers Adrian Keller traute man einiges zu.
Auf dem Wasser sorgte die grosse Vielfalt der Jachten für packende Wettfahrten. In der Klasse A bestätigte die 33 Meter lange Baltic Win Win ihre Favoritenrolle. Sie hatte den Superyacht Cup bereits zweimal gewonnen und setzte sich auch diesmal in zwei der drei Wettfahrten an die Spitze. Dennoch fiel die Entscheidung äussert knapp aus. Nach dem ersten Regattatag trennten die Win Win und die Swan 88 Spiip lediglich 19 Sekunden. Mit ihrem dritten Erfolg reiht sich die Win Win in den exklusiven Kreis der Dreifachsieger des Superyacht Cups ein.
Deutlich ausgeglichener gestaltete sich das Kräftemessen in der Klasse B. Cervo entschied die erste Wettfahrt für sich, bevor Atalante 1 am Tag darauf bei stärkerem Wind konterte. Am Ende triumphierte jedoch Archelon knapp vor Atalante 1 und Cervo und zeigte damit, wie eng die Spitze der grossen Jachten beieinander liegt.
Die beiden neuen Klassen erfüllten die Erwartungen voll und ganz. In der YYachts-Wertung dominierte die brandneue Beati mit drei Siegen in drei Wettfahrten vor Distancia und Calabash. Ein ähnliches Bild bot sich bei den Mehrrümpfern: Das Gunboat 80 Highland Fling fuhr einen souveränen Sieg nach Hause, während sich Allegra und Layla um den zweiten Platz duellierten.
Für die spektakulärste Show sorgten einmal mehr die legendären J-Class. Rainbow und Svea lieferten sich auf ihrer eigenen Regattabahn während drei Tagen ein echtes Match Race, ganz in der Tradition der historischen America’s-Cup-Giganten. Die grössere Svea und ihr erfahrenes Team entschieden mit drei Siegen in drei Wettfahrten den mit Spannung erwarteten Zweikampf für sich. Peter Harrison, CEO von Richard Millie Europa und Naher Osten (siehe Kasten), wertete die Teilnahme seiner Rainbow dennoch als Erfolg, denn sie hatte nach zweijährigen Werftarbeiten den Weg zurück ins Regattageschehen gefunden.
Ein Format mit Format
Es ist nicht nur der sportliche Aspekt, der den Reiz des Superyacht Cups ausmacht. Anders als bei den meisten grossen internationalen Regatten, bei denen sich die Crews nach den Wettfahrten rasch wieder zerstreuen, geniesst in Palma das Gesellige einen besonderen Stellenwert. Alle Jachten liegen in derselben Marina, die Crews treffen sich täglich bei den Siegerehrungen und an den Abendveranstaltungen auf der Hafenmole oder beim traditionellen Dinner im St. Regis Mardavall Mallorca, wo die Bootseigner dieses Jahr das 30-jährige Bestehen des Superyacht Cups feierten. Diese Nähe fördert den Austausch zwischen Eignern, Seglern und Partnern und eröffnet den Gästen zugleich einen privilegierten Einblick in die Welt der schönsten Segeljachten der Welt. Andere Segelveranstaltungen könnten sich daran ein Beispiel nehmen.
Kate Branagh, Leiterin des Superyacht Cups, verrät die Zutaten des Erfolgsrezepts: «Es ist die Kombination aus sportlich hochklassigen, perfekt organisierten Regatten und einem Rahmenprogramm, bei dem nach den Wettfahrten alle zusammenfinden, die unseren Event so besonders macht. Hinzu kommen die hervorragenden Segelbedingungen in der Bucht von Palma. Die Nachmittagsthermik und das meist flache Wasser machen sie zu einem hervorragenden Revier.» Genau diese Mischung überzeugte Peter Harrison, den Anlass als Titelsponsor zu unterstützen: «Ich habe mich für den Superyacht Cup Palma entschieden, weil mir das Regattaformat gefällt und ich gerne in der Bucht von Palma segle», meinte er.
Mit Blick auf die nächste Austragung Ende Juni 2027 gibt sich Kate Branagh optimistisch: «Die neue Mehrrumpfklasse war ein grosser Erfolg und dürfte weiter wachsen. Auch die J-Class plant, im kommenden Jahr mit vier oder sogar fünf Jachten anzutreten, und die YYachts haben ihr Interesse ebenfalls bereits angemeldet. Es deutet also alles darauf hin, dass die Flotte im nächsten Jahr noch grösser sein wird.»
Überzeugter Schweizer Eigner
Für Adrian Keller vom Segel-Club St. Moritz war die Teilnahme am Superyacht Cup eine Premiere. Der Unternehmer, der sonst als Förderer junger Spitzensegler in Erscheinung tritt, war erstmals mit dem von Nigel Irens entworfenen 24 Meter langen und 30 Tonnen schweren Katamaran Allegra dabei. Er knackte zwar mehrmals die 20-Knoten-Marke und wurde Zweiter, blieb aber deutlich hinter seinem Regattarekord von 36 Knoten zurück. Adrian Keller segelt seit acht Jahren mit derselben Crew und nimmt regelmässig an renommierten Hochseeregatten wie dem Maxi Yacht Rolex Cup in Porto Cervo, dem Rolex Middle Sea Race oder der Aegean 600 teil. Darüber hinaus organisiert er seit zehn Jahren den Multihull Cup in Palma, dem Heimathafen der Allegra. Bevor er zum Katamaran wechselte, in der Hoffnung, dass seine Frau häufiger mitsegelt, besass Keller eine J/145. Auch er schätzt den familiären Charakter des Superyacht Cups und geniesst es, nach den Wettfahrten mit den anderen Seglern und Eignern zusammenzusitzen und Seemannsgarn zu spinnen.
Gerade diese Alchemie aus hochklassigem Regattasport, aussergewöhnlicher Flotte und ungezwungener Atmosphäre macht den Superyacht Cup auch 30 Jahre nach seiner Premiere zu einer Referenz in der internationalen Superjacht-Szene.




