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Werftfusionen

von Quentin Mayerat

Der Entschluss fiel Anfang Juni bei einer Autofahrt wenige Kilometer vor Lanester in der Region Lorient, wo die Werft Alliaura (Privilège-Katamarane, Feeling-Jachten usw.) gerade unter den Hammer gekommen war. Bruno Voisard und Richard Gibeaud, die Chefs der Werften Nautitech und Alu Marine, hatten gemeinsam mitgeboten, konnten aber nicht mit dem Angebot des Investors Gilles Wagner mithalten.

Die Karbonversion der Nautitech 542 wurde an den Herbstmessen vorgestellt, an denen auch die Fusion mit Alu Marine bekannt gegeben wurde. © DR

„Wir wollten die Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen. Diese Geschichte hat in uns eine unglaubliche Energie freigesetzt“, sagt Bruno Voisard. Drei Monate später gaben die beiden Unternehmen ihren Zusammenschluss unter der Holding Marine Development bekannt.

Katamarane aus Aluminium

Die ersten Synergien wurden bereits an den Bootsmessen in China und Dubai sichtbar, wo die beiden Marken einen gemeinsamen Stand betrieben. Bruno Voisard über das Konzept der neuen Firma: „Die Idee besteht darin, Katamarane von 40 bis 138 Fuss anzubieten, wohlwissend, dass das Angebot von Nautitech nur bis 50 Fuss reicht…“ und dass Alu Marine einen hervorragenden Ruf beim Bau von „On-Off“, grossen Fahrtenjachten und Arbeitsschiffen geniesst. Durch die Verknüpfung des Know-hows eines Katamaran-Bauers, der seine Einheiten in kleinen Serien aus Kompositmaterialien herstellt, mit dem einer auf Aluminiumboote spezialisierten Werft lassen sich alle nur erdenklichen Einzelanfertigungen in die Tat umsetzen.

Alu Marine baut nicht nur Arbeitsschiffe. Die Werft positioniert sich seit einigen Jahren auf dem Markt der Luxus-Katamarane, insbesondere mit seiner Modellreihe Noah (70 bis 88 Fuss). © DR

Wie das funktionieren soll, zeigt ein konkretes Beispiel: „Alu Marine baut gerade einen 48 Fuss langen Katamaran für eine Familie mit einem behinderten Kind. Kein traditioneller Schiffsbauer konnte diesen Auftrag erfüllen, die einzige Lösung war eine Aluminiumkonstruktion. Nautitech kann aber seine Kompetenzen einbringen und sogar einen Teil der Ausstattung beisteuern.“ Auch bei hybriden Projekten, bei denen beide Technologien (Alurümpfe und Deck aus Kompositmaterialien) zum Einsatz kommen, eröffnen sich durch die Zusammenarbeit neue Perspektiven.

Die beiden Industriestandorte liegen zwei Autostunden voneinander entfernt – Nautitech in Rochefort (Charente) und Alu Marine in Couëron (Loire-Atlantique) – und werden ihre Unabhängigkeit bewahren. Eventuell wird die Fabrik in Couëron durch eine Montagehalle erweitert und für spezielle Aufgaben ein mobiles technisches Team gebildet, ansonsten wird es laut Bruno Voisard aber keine gemeinsame Industriestruktur geben.

Die Fusion sei nicht wegen finanzieller Schwierigkeiten zustande gekommen, präzisiert der Chef von Nautitech. Beiden Werften geht es gut und der Markt der grossen Katamarane leidet weniger unter der Konjunkturlage als die anderen Segmente der Fahrtenseglerei. „Bei uns zeigt sich die Krise eher darin, dass die Kundschaft etwas länger wartet, bevor sie sich entscheidet“, sagt Voisard.

Klassisch oder modern?

Eleganter Daysailer im modernen Design: Bei Alphena weht ein frischer Wind. © DR

Die zweite Geschichte wurde vor dem Handelsgericht von Lorient entschieden: Die Firma Isco Développement, Eigentümerin der für die Tofinou-Boote bekannten Werft Latitude 46, hat Alphena Yachts für 20’000 Euro übernommen. Alphena ist ein kleines Unternehmen, das erstmals mit einem flinken Daysailer an der Pariser Bootsmesse 2008 in Erscheinung trat. Die moderne Lifestyle-Jacht von Designer Tanguy Lebihan wurde als „Sportcoupé und Audi TT des Meeres“ angepriesen. Mit seinem ranken Layout, dem konkav gewölbten Bugsteven, dem nach achtern offenen Cockpit, dem metallischen Anstrich und dem frei gestaltbaren Interieur hat die Alphena One (8,50 m) sogar auf Binnenseen und auch in der Schweiz ihre eigene Kundschaft gefunden. Die „kritische Grenze lag bei neun bis zehn Booten pro Jahr und 2011 wurden nur sieben verkauft“, sagt Nathalie Mottet, die Frau des Gründers von Alphena und neben Profi-Skipper Loïck Peyron, der als technischer Berater und Pate des Projekts tätig ist, heute die einzige Angestellte des Unternehmens.

„Am Produkt liegt es nicht, auch nicht an den Männern dahinter. Alphena wurde ganz einfach mitten in der Krise lanciert und bekommt die Folgen jetzt mit voller Wucht zu spüren“, urteilt Christian Iscovici, der Chef von Latitude 46, der als Einziger an einer Übernahme interessiert war. Erst nach dem Verkauf realisierten Bruno Mottet und Christian Iscovici, dass sie sich mehrere Jahre zuvor bereits einmal begegnet waren, nämlich bei der Versteigerung der Werft Latitude 46, bei der sie beide mitgeboten hatten. Elegante Daysailer haben es offensichtlich beiden angetan.

Die Hersteller der zugleich klassischen und zeitgenössischen Tofinou-Boote bauen ihr Angebot nach oben aus. © DR

Inzwischen hat sich das Angebot der Tofinou-Boote erweitert. Die Marke Alphena stehe nicht in Konkurrenz zu Latitude, sondern ergänze sie, betont Christian Iscovici. „Es handelt sich um die gleiche Art Produkte, die Kundschaft ist ähnlich, legt Wert auf Luxus, hat aber nicht die gleichen Wünsche. Einige fühlen sich von den eher klassischen Tofinou angezogen, andere von den moderneren Alphena.“

Die Gussformen aus der Produktion der Alphena-Jachten befinden sich neu am Standort von Latitude 46 auf der Ile de Ré. Der Umzug war nicht ganz einfach, denn in der Werft herrschte gerade Hochbetrieb, damit das neue Flaggschiff, die Tofinou 16, termingerecht vom Stapel gelassen werden konnte. Vertrieben werden die Boote nicht unbedingt in allen Regionen gleich. Die Verantwortlichen wollen fallweise entscheiden. Alphena, die gerade ihre 18. Einheit ausgeliefert hat, und auch eine Genferseeversion plant, behält ihre Identität. „Wir legen die Herstellung, unser Know-how und die Verwaltung zusammen“, erklärt der Chef von Latitude 46, „ansonsten bleiben Tofinou und Alphena zwei eigenständige Marken, sodass wir das gesamte Daysailer-Segment abdecken können.“

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