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Das natürliche, demokratische und unkonventionelle Portland

von Bernard Pichon

Oregon

Eine der umweltfreundlichsten und tolerantesten Metropolen der USA ist Donald Trump ein Dorn im Auge.

Schon bei der Landung fällt der vorherrschende Farbton auf: Willkommen in der grünsten Stadt der Vereinigten Staaten! Der Flughafen, der mit der Ansiedlung neuer Fluggesellschaften – etwa KLM, die nun eine Direktverbindung nach Amsterdam anbietet – einen regelrechten Boom erlebt, wurde erst kürzlich renoviert. Unter einem 37.000 Quadratmeter großen Holzdach sorgen 49 Oberlichter dafür, dass Hunderte von Bäumen und Pflanzen gedeihen. In Portland braucht man kein Auto: Es ist eine der wenigen amerikanischen Städte mit einem hervorragend funktionierenden öffentlichen Nahverkehr.

Angesagt

In dieser Stadt verschmelzen urbaner Geist und ländliche Idylle: Zahlreiche Parks, eine erstklassige Gastronomieszene und Geschäfte, die ausschließ-lich Produkte aus Oregon anbieten. Bereits in den 1960er-Jahren war Portland eine Wiege der Gegenkultur. Unter der Führung eines visionären Gouverneurs avancierte sie zum Vorbild für Umweltpolitik und gesunde Ernährung – zumindest für jene, die es sich leisten können.

Wer mit kleinerem Budget reist, wird bei den mehr als 600 Food Trucks fündig: Von asiatischen und mexikanischen Spezialitäten bis zu Grillspeisen ist alles vertreten. Oft gruppieren sich die Wagen auf sogenannten „Pods“, begleitet von gemeinsamer Musik und stimmungsvoller Beleuchtung. Hier genießt man gerne ein Bier – immerhin gibt es laut Oregon Brewers Guild im Bundesstaat 263 Mikrobrauereien, davon über 65 allein in Portland.

Stadtbummel

Um Kalorien zu verbrennen, empfiehlt sich ein Spaziergang durch das überschaubare Zentrum – ein klarer Kontrast zu Städten wie Los Angeles. Ein Besuch im Kunstmuseum und bei „Powell’s“, der größten Buchhandlung für neue und gebrauchte Bücher weltweit, ist ein Muss. Gleich nebenan, unweit von Chinatown, laden zahlreiche Boutiquen für Mode und Accessoires zum Stöbern ein. Im Vergleich zu den pulsierenden Chinatowns New Yorks oder San Franciscos wirkt Portlands Chinatown fast verlassen – ein Rückzugsort für Obdachlose. Nachts wird von einem Besuch abgeraten; einst florierten hier Prostitution und Opiumhöhlen. Ein starker Kontrast dazu ist der friedliche Lan Su Chinese Garden, eine grüne Oase im Herzen des Viertels. Pfade führen zu einem Teehaus. Diese typisch asiatische Ruhe findet sich Auch im sorgfältig gepflegten Japanischen Garten.

Ausflüge

Portland ist wie gemacht für Stadtwanderungen. Frische Luft gibt es nicht nur in den umliegenden Bergen und Wäldern: Weitläufige Naturgebiete wie der Lower McCleay Park mit seinem über 130 Kilometer langen Wegenetz laden zum Erkunden ein. Einer der Wege führt zur Pittock Mansion, einem Herrenhaus von 1914 mit 23 Räumen, das heute als Museum mit historischen Gärten und Mobiliar dient. Etwa 1600 Meter vom Ausgangspunkt entfernt erreicht man das Stone House, die Ruine eines „Hexenhauses“, die für einen Hauch von Spannung sorgt. Im Sommer säumen Blaubeeren und Farne den Weg, der immer wieder weite Ausblicke auf Portlands Skyline eröffnet.

Beeindruckend

Hopscotch (Hüpfspiel) war ursprünglich eine Programmiersprache für Anfänger – in Portland steht der Name heute für eine Attraktion, die man nicht verpassen sollte: ein halbes Dutzend immersiver Hightech-Installationen in einer riesigen Galerie, in der Jung und Alt atemberaubende visuelle Effekte erleben. Hier kann man nach Herzenslust Graffiti sprühen, ohne einen Tropfen Farbe zu verbrauchen – mithilfe einer virtuellen Sprühdose, die durch Sensoren temporäre Kunstwerke erschafft. „Keep Portland weird!“ – so lautet der inoffizielle Slogan der Stadt. Unzählige Tattoo-Studios, in denen die Haut der Kunden zur Galerie wird, prägen das Straßenbild. Ebenso zahlreich sind Stripclubs und Dragqueen-Bars – zwielichtige Orte, die an das Ende des 19. Jahrhunderts erinnern, als Portland vom Hafen und den Goldgräbern lebte.

Logieren

Während viele Akteure des Tourismus in ihrer Kommunikation nicht selten des Greenwashings verdächtigt werden, findet das brandneue Hotel Cascada bei Umweltschützern bemerkenswerte Anerkennung. Mit der Eröffnung dieses Luxushauses vollzieht sich ein seit Langem erwarteter Wendepunkt in der rasanten Gentrifizierung eines Viertels, das einst zahlreichen Schwarzen und lateinamerikanischen Familien ein Zuhause bot. Cascada betont, in sämtlichen Bereichen – von der Bauweise bis zu Wellness- und Gastronomieangeboten – konsequent den Anforderungen nachhaltigen Wirtschaftens zu entsprechen. Das Konzept stammt von SolTerra, einem lokalen Unternehmen für alternative Energien.

Gespenstisch

Reisende auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen sollten sich auf den Weg machen: Nur 45 Minuten vom Zentrum Portlands entfernt liegt ein weitläufiger Hotelkomplex, dessen Charakter mit der uniformen Welt großer Hotelketten nichts gemein hat. Die McMenamins Grand Lodge – ein Ort, der vielleicht sogar Stanley Kubrick als Kulisse für „The Shining“ inspiriert hätte – empfängt ihre Gäste hinter einem klassischen Säulenportal. Dahinter öffnen sich endlose Gänge mit nostalgischem Mobiliar und schummrigem Licht, die wie ein Gang durch die Zeit anmuten und eine geheimnisvolle Vergangenheit heraufbeschwören. Ursprünglich 1922 als Erholungsheim für Mitglieder des Freimaurerordens eröffnet, ist das Haus heute ein lebendiger Ort voller Kunst, Livemusik und besonderer Veranstaltungen. Die Grand Lodge bietet 90 Zimmer, ein Restaurant, ein Tages-Spa, mehrere Bars und Lounges, ein beheiztes Außenschwimmbad – und ein charmantes Kino, in dem man während der Vorführung speisen kann. Eine Erfahrung wie außerhalb der Zeit – in einem Gebäude, dessen Korridore ihre eigenen Geheimnisse zu flüstern scheinen.

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