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Der Golf von Morbihan, ultimatives Lernrevier

von François Enzler

In einer früheren Ausgabe berichtete Anne Fabrea anschaulich von der wilden Schönheit des Golfs von Morbihan. Die Bucht besticht aber nicht nur durch ihre atemberaubende Kulisse, sie ist auch ein ideales Revier, um segeln zu lernen. Hier, zwischen dem Binnenmeer und den vorlagerten Inseln, vermittelt François Enzler sein Know-how mit viel pädagogischem Feingefühl.

Einen besseren Simulator fürs offene Meer als den Golf von Morbihan gibt es nicht. Das Revier bietet ein immersives Lernfeld, in dem man die Komfortzone verlässt, sich gleichzeitig aber in einer ebenso sicheren wie herausfordernden Umgebung bewegt. Eine solche Kombination sucht man anderswo vergebens. Die Bucht fordert höchste Aufmerksamkeit, belohnt aber Situationsintelligenz und Seemannschaft. Man kann die Woche optimal nutzen, um die Kompetenzen als Steuerfrau oder Steuermann zu verbessern.

Passageplanung, das A und O der Autonomie

Seemannschaft lernt man nicht über Nacht. Dazu braucht es Zeit und viel Übung. Jede Fahrt will sorgfältig vorbereitet sein. Im Golf von Morbihan ist eine solche Passageplanung doppelt wichtig. Wer sie auf die leichte Schulter nimmt, riskiert im besten Fall eine schlecht gelaunte Crew, weil der Apero in Verzug gerät, im schlimmsten Fall ein Fiasko.

Die vier Phasen der Passageplanung:

Bewertung: Ein paar Tage oder Wochen vor der Reise trägt man die nötigen Karten und Unterlagen zusammen. Man misst Distanzen, sucht nach sicheren Häfen oder Ankerbuchten, informiert sich über Gezeiten, Strömungen, nützliche VHF-Frequenzen, Schiffsverkehr, Gefahren sowie Leuchttürme und Sender von AVURNAV (französisches Warnsystem).

Kurz: Man macht sich mit der Route vertraut. Dafür sollte man sich genügend Zeit nehmen und Informationen bei Ortskundigen einholen. Planung: Am Tag der Abreise kennt man die Eckdaten, hat eine Ahnung von Wetter und Route (mit Wegpunkten auf der Karte) bei verschiede- nen Windverhältnissen und Startzeit. Der Plan soll einer realistischen Geschwindigkeit entsprechen und sichere Häfen enthalten, in denen man bei schwerem Wetter Schutz suchen kann (Plan B und C). Für kritische Passagen überprüft man für die geschätzte Durchfahrtszeit die Strömungsverhältnisse und Gezeitenhöhen.

Umsetzung: Man erstellt den Plan (nach den Regeln von Solas V-Safety of Life at Sea), brieft die Crew und macht zur vereinbarten Zeit die Leinen los.

Überwachung: Unterwegs wird das Logbuch mit Position, Kurs, Geschwindigkeit und Windänderungen geführt. So kann man überprüfen, ob der ursprüngliche Plan machbar bleibt oder ob zu Plan B gewechselt werden muss. Barometer, VHF-Funkgerät, Geschwindig-keitsmesser und Kompass sind unverzichtbare Hilfsmittel.

Vom Steuer zum Kommando

Ein guter Skipper steuert nicht nur das Boot, sondern leitet auch die Crew: Er denkt voraus, trifft Entscheidungen, gibt Anweisungen und stellt so das Wohlbefinden an Bord sicher. Mit einer guten Passageplanung kann er mit der Flut in den Golf von Morbihan einlaufen und rechtzeitig an einer Tagesboje vor seinem Lieblings-Austernzüchter festmachen.

Rein ins Ölzeug!

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François Enzler ist RYA Yachtmaster Offshore und Instruktor (Master 200 GT und Cap 200).

Als schweizerisch-britischer Doppelbürger schafft er erfolgreich den Spagat zwischen Bergen und Meer. Seine seglerische Ausbildung absolvierte er in England und in der Bretagne an renommierten Schulen. Er gibt für sein Leben gern Wissen weiter und schätzt es, dass er durch die Begegnungen an Bord ständig dazulernt. Bescheidenheit sei schliesslich die wichtigste Tugend eines Seemanns, findet Enzler. Mit Stay Cool & Sail begleitet er Sie auf Seen und Meeren – nach Ihrem Rhythmus, mit richtigen Werkzeugen und Fun an Bord.

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