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Lagoon Eighty 3

von Emmannuel Van Deth

Das neue Power-Flaggschiff setzt noch einen drauf

Text) Emmanuel van Deth

Der Lagoon Eighty 3 feierte bei den Lagoon Exclusive Days in Bordeaux seine Weltpremiere. Als Nachfolger des Seventy 8 verfolgt er ein klares Ziel: Das Motor-Flaggschiff von Lagoon soll in eine neue Dimension vorstoßen – in die des ultimativen Luxus. Während die Rümpfe teilweise von der Vorgängergeneration übernommen wurden, ist alles andere neu. Größere Volumen, deutlich mehr Individualisierungsmöglichkeiten, besonders durchdachte Crewbereiche und eine unverkennbare Inspiration durch große Motoryachten markieren einen wichtigen Schritt in der Positionierung von Lagoon im Luxussegment.

Ein neues Kapitel in der Welt der Multiyachten

Bei Lagoon ist der Wechsel eines Flaggschiffs weit mehr als eine kosmetische Überarbeitung. Der Seventy 8 hatte wesentlich dazu beigetragen, den französischen Hersteller auf dem exklusiven Markt der großen Luxus-Powercats zu etablieren. In diesem Segment zählen derzeit auch Sunreef Yachts und Fountaine Pajot zu den wichtigsten Anbietern. Mit dem Eighty 3 geht es nicht mehr allein darum, ein Modell zu erneuern. Vielmehr möchte Lagoon eine ausgereiftere und luxuriösere Multiyacht anbieten.

Das Briefing an die Yachtkonstrukteure von VPLP und die Entwicklungsabteilung von Lagoon war klar: mehr Volumen, eine noch bessere Bewegungsfreiheit an Bord, ein für Serienmodelle außergewöhnlich hoher Individualisierungsgrad und eine stärkere Annäherung an die Welt moderner großer Motoryachten.

„Wir wollten bei der Individualisierung deutlich weitergehen und gleichzeitig die DNA von Lagoon bewahren“, erklärt uns Fred Signat, Lagoon Service Premium Manager, der uns bei der Besichtigung des Lagoon Eighty 3 begleitet. „Solange die Struktur nicht verändert werden muss, können wir heute praktisch auf sämtliche Wünsche der Eigner eingehen.“ Diese Philosophie zieht sich durch das gesamte Projekt. Der Eighty 3 bleibt ein Serienmodell, nähert sich aber klar dem Semi-Custom-Bereich an.

Schon unser Besichtigungsboot, der erste gebaute Rumpf, zeigt den Wunsch nach Eigenständigkeit. Das Deckshaus ist in einem eleganten Türkis-Metallic lackiert, während das Hardtop mit einer besonders edlen schwarzen Oberfläche versehen ist. Diese Kombination erinnert eher an die Gestaltungswelt großer italienischer Yachten als an die traditionellen Linien von Fahrtenkatamaranen.

Bewegungsfreiheit hat Priorität

Schon beim Betreten des Bootes fällt das großzügige Raumgefühl auf. Besonders beeindruckend sind die breiten Seitendecks, die deutlich mehr Bewegungsfreiheit bieten als bei der Segelversion, dem Lagoon Eighty 2, dessen Deck zwangsläufig von einem großen stehenden Rigg geprägt ist. Auf einer knapp 25 Meter langen Multiyacht verändert diese Eigenschaft das gesamte Gefühl an Bord. Selbst wenn mehrere Personen einander begegnen, bewegt man sich frei und ohne Enge. Die deutlich höheren Schanzkleider und ein robustes Edelstahlreling-System verstärken diesen Eindruck und bieten der Crew auch bei anspruchsvollen Seebedingungen guten Schutz.

Das Streben nach flüssigen Bewegungsabläufen zeigt sich auf allen Außendecks. Die Wege sind so angelegt, dass Niveauunterschiede und Hindernisse möglichst vermieden werden. Gerade auf einer Yacht, die zahlreiche Gäste aufnehmen soll, überzeugt dieses Konzept.

Im Bugcockpit sind je nach Nutzung verschiedene Anordnungen möglich. Der Bereich lässt sich mit großzügigen Sonnenliegen, einer Lounge oder einem Essplatz ausstatten, der durch abnehmbare Sonnenschirme geschützt wird. Auch die vorderen Rumpfspitzen können individuell konfiguriert werden. Werkstatt, Waschküche, zusätzlicher Stauraum, Crewkabine oder Technikräume – jeder Eigner kann diese Bereiche an sein persönliches Nutzungsprofil anpassen.

Im Heckcockpit findet sich eines der typischen Merkmale großer Lagoon-Yachten wieder: eine riesige hydraulische Plattform mit einer Tragfähigkeit von bis zu 1,3 Tonnen. Abgesenkt entstehen damit rund 22 m² zusätzliche Fläche unmittelbar über der Wasseroberfläche. Das erleichtert sowohl das Baden als auch das Zuwasserlassen eines besonders großen Beiboots oder mehrerer Wassersportgeräte. Für ausgedehnte Törns lässt sich kaum eine vielseitigere Lösung vorstellen.

Ein Ambiente, das von großen Motoryachten inspiriert ist

Die eigentliche Überraschung wartet jedoch im Innenraum.

Der Eighty 3 bricht deutlich mit den gestalterischen Konventionen früherer Lagoon-Modelle. Für diese Weiterentwicklung wurde das italienische Studio Nota Design beauftragt, das bereits in der Motoryachtbranche bekannt ist. Das Ziel war klar: eine wohnliche Atmosphäre schaffen, ohne Luxus demonstrativ zur Schau zu stellen.

Das Ergebnis überzeugt. Große dunkle Marmorflächen treffen auf Glaspaneele, Lederverkleidungen auf sorgfältig ausgewählte Holzarten. Freistehende Möbel verstärken den Eindruck, sich eher in einer luxuriösen modernen Villa als auf einem Boot aufzuhalten. Das Interieur wirkt zweifellos anspruchsvoller als beim Seventy 8, bewahrt sich jedoch eine gewisse Zurückhaltung und vermeidet dekorative Überladung.

Der Salonbereich profitiert von beeindruckenden Abmessungen. Große, vertikale Fenster eröffnen weite Ausblicke auf das Meer, während die einzelnen Bereiche fließend ineinander übergehen. Lounge, Essbereich und Küche können je nach gewählter Kabinenkonfiguration und den Lebensgewohnheiten des Eigners unterschiedlich angeordnet werden.

Diese Modularität zählt zu den wichtigsten Neuerungen des Eighty 3. Die Küche kann achtern, in der Mitte des Salons oder sogar in einem der Rümpfe untergebracht werden – eine für eine Serien-Multiyacht ungewöhnliche Gestaltungsfreiheit. Auch hier macht Lagoon keinen Hehl aus seinem Anspruch, sich stärker der Welt individuell gebauter Yachten anzunähern.

Eine weiterhin spektakuläre Eignersuite

Eine Einrichtung werden langjährige Lagoon-Kunden sofort wiedererkennen: die eindrucksvolle Eignersuite im Steuerbordrumpf. Der Eighty 3 übernimmt ein charakteristisches Element des Seventy 8 – die bekannte aufklappbare Seitenwand, die sich öffnen lässt und die Kabine in eine private Terrasse direkt über dem Wasser verwandelt.

Drei Stufen führen vom Bett hinunter auf diese exklusive Plattform. Hier kann man sich einen Kaffee am Morgen oder eine entspannte Lektüre am Abend vorstellen, begleitet vom leisen Plätschern des Wassers. Die Öffnung ist weit mehr als ein gestalterischer Effekt: Sie schafft eine besondere Verbindung zum Meer und gehört zu den unverwechselbaren Merkmalen großer Lagoon-Yachten.

Die Suite bietet großzügige Platzverhältnisse. Das zentral angeordnete Bett ist zu den seitlichen Fenstern ausgerichtet, um den Ausblick optimal zu nutzen. Ein großer Ankleidebereich nimmt den mittleren Teil des Rumpfes ein. Auch das geräumige Bad greift die bereits im Salon verwendeten Materialien auf: Marmor, Glas und ausgewählte Hölzer. Insgesamt erinnert die Suite eher an ein luxuriöses Hotelzimmer als an eine Kabine auf einem Mehrrumpfboot.

Je nach Wunsch des Eigners kann der Eighty 3 mit vier bis sechs Kabinen ausgestattet werden. Damit eignet er sich sowohl für Familienreisen als auch für den gehobenen Charterbetrieb – zwei Märkte, in denen Lagoon weiterhin stark vertreten ist.

Auch die Crew wurde berücksichtigt

Die Flexibilität kommt ebenso den Crewbereichen zugute, die zu den gelungensten gehören, die wir bislang auf einer Serien-Multiyacht gesehen haben.

Für manche Leser mag dieses Thema nebensächlich erscheinen. Sobald eine Yacht jedoch länger als 24 Meter ist, gewinnt es entscheidende Bedeutung. Der Komfort der Crew beeinflusst deren Zufriedenheit und Einsatzbereitschaft – ein Aspekt, den kein Eigner ignorieren kann und den Lagoon offensichtlich verstanden hat.

Die beiden Crewkabinen verfügen über vollwertige Schlafplätze, reichlich Stauraum und ein eigenes Bad. Besonders wichtig ist jedoch der separate Aufenthaltsbereich mit Pantry, der es der Crew ermöglicht, ihren Alltag zu organisieren, ohne die privaten Bereiche der Gäste zu beeinträchtigen. Eine derart durchdachte Lösung ist in dieser Kategorie keineswegs selbstverständlich.

Auch die Wege an Bord wurden sorgfältig geplant. Über eine große Luke gelangt die Crew direkt an Deck; dank separater Zugänge erreicht sie die technischen Bereiche, ohne durch die Empfangs- und Aufenthaltsräume gehen zu müssen. Diese Diskretion wird schnell zu einem echten Luxus, wenn mehrere Gäste wochenlang an Bord leben.

Die Überlegungen gehen weit über den reinen Komfort hinaus. Sie spiegeln eine Veränderung des Nutzungskonzepts des Eighty 3 wider. Lagoon richtet sich nicht mehr nur an Eigner, die mit ihrer Familie unterwegs sind, sondern auch an Kunden, die einen intensiven Einsatz mit dauerhaft an Bord lebender Crew planen – ein bei Multiyachten dieser Größe zunehmend verbreitetes Konzept.

Eine Flybridge als vollwertiges Oberdeck

Statt die Flybridge mit möglichst vielen Geräten und Einbauten zu überladen, haben die Konstrukteure eine großzügige Panoramaterrasse geschaffen, auf der die Bewegungsfreiheit ebenso groß ist wie auf dem Hauptdeck. Der Steuerstand befindet sich vorne und bietet eine ausgezeichnete Sicht auf das Wasser. Optional erhältliche Fernbedienungen erleichtern das Manövrieren in besonders engen Marinas zusätzlich.

Hinter dem Steuerstand erstreckt sich ein großer Gästebereich mit einem großzügigen Tisch, einer Bareinheit und mehreren Kochmodulen. Die von Tribù gelieferten Außenmöbel unterstreichen den Anspruch von Lagoon, mit Partnern aus dem hochwertigen Möbeldesign zusammenzuarbeiten, statt sich ausschließlich an der klassischen Wassersportbranche zu orientieren.

Im achteren Bereich befinden sich weitläufige Sonnenflächen mit freiem Ausblick. Auch hier können die Eigner die Ausstattung umfassend an ihre Bedürfnisse anpassen: Grill, Weinkühlschrank, Eiswürfelmaschine, zusätzliche Kühlschränke oder maßgefertigte Möbel sind denkbare Optionen.

Insgesamt übernimmt die Flybridge damit fast die Funktion eines zweiten Outdoor-Salons, in dem problemlos ein Dutzend Gäste Platz findet.

Eine Serien-Multiyacht – fast nach Maß

Lagoon beansprucht nicht, eine vollständig individuell gebaute Yacht anzubieten. Plattform, Struktur und grundlegende Raumaufteilung bleiben naturgemäß die eines Serienmodells. Materialien, Ambiente, Ausstattung und ein großer Teil der Einrichtung können hingegen inzwischen an die Wünsche des Eigners angepasst werden.

Der Hersteller hat dafür sogar ein eigens zuständiges Team zusammengestellt (siehe Infokasten).

Mit mehr als 7.000 gebauten Katamaranen verfügt die Werft über eine treue Kundschaft, die sich auf die Zuverlässigkeit einer industriellen Fertigung verlassen möchte, zugleich aber einen Grad an Individualisierung erwartet, der bislang wesentlich exklusiveren Einzelanfertigungen vorbehalten war.

Der Eighty 3 veranschaulicht diesen Wandel perfekt: Lagoon bewahrt seine industrielle Produktionsstärke und bietet zugleich ein Maß an Individualisierung, das die Marke näher an den Semi-Custom-Bereich heranführt.

Fotos) Gazeau Julien

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