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Die Inseln von Guadeloupe: Sechs Inseln, eine Reise

von Jean-Christophe Guillaumin

Tropischer Regenwald, türkisfarbene Lagunen, eine geschützte Bucht, ideale Reviere für den Wassersport, Werkstätten für traditionelle Salako-Hüte und charaktervolle Rumdestillerien: Mit jeder Überfahrt zeigt sich Guadeloupe von einer anderen Seite. Eine Reise auf dem Wasser durch einen französischen Archipel in der Karibik.

Text) Marine Ulrich

Die Karibik erleben, ohne Frankreich zu verlassen: Das versprechen die Inseln von Guadeloupe. Obwohl Tausende Kilometer vom europäischen Festland entfernt, ist dieses französische Überseegebiet von Europa aus leicht zu erreichen – von Paris sogar ohne Zwischenstopp. Für die Einreise genügt ein Personalausweis. So landet man mitten in den Tropen und erlebt einen vollständigen Tapetenwechsel, ohne die Komplikationen einer Fernreise. Allerdings sollte man sich bei der Karte nicht täuschen lassen. Das Reiseziel ist nicht nur eine Insel, sondern ein Archipel. Sechs bewohnte Inseln und eine Vielzahl kleiner Eilande lassen sich über kurze Distanzen mit der Fähre, dem Flugzeug oder unter Segeln miteinander verbinden. Und wohl am besten versteht man diese Inselwelt vom Meer aus. Hier besucht man nicht einfach ein Reiseziel, sondern segelt zwischen mehreren Inseln hin und her.

Die Inseln von Guadeloupe leben von ihren Kontrasten. Der Archipel besteht aus zwei Hauptinseln, die durch einen schmalen Meeresarm voneinander getrennt sind und dennoch ganz unterschiedliche Gesichter zeigen. Im Westen liegt Basse-Terre, gebirgig und von tropischem Regenwald bedeckt. Hier befindet sich der Nationalpark, der erste in einem französischen Überseegebiet, der von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt wurde.

Dichte Vegetation, Wanderwege und natürliche Becken, in denen man am Fuß von Wasserfällen baden kann: Hierher kommt man zum Wandern und um sich im Süßwasser zu erfrischen. Die Soufrière, mit 1.467 Metern der höchste Gipfel der Kleinen Antillen, beherrscht den Horizont. Der noch aktive Vulkan wird auch „Alte Dame“ genannt. Der Aufstieg, bei dem der Zugang zum Gipfel geregelt ist, zählt zu den Höhepunkten eines Besuchs. Die Insel überrascht zudem mit zwei Attraktionen, die kürzlich von TripAdvisor ausgezeichnet wurden: Der Botanische Garten Jardin Botanique de Valombreuse gehört zu den besten ein Prozent weltweit, der Zoo von Guadeloupe zu den besten zehn Prozent. Auch ein geschütztes maritimes Paradies liegt vor der Küste: das Cousteau-Reservat, das man mit einem Glasbodenboot oder im Rahmen regulierter Tauchgänge entdecken kann.

Im Osten schlägt Grande-Terre ganz andere Töne an. Lange Strände und türkisfarbene, von den Passatwinden umwehte Lagunen machen die Insel zu einem wunderbaren Revier zum Baden, für Wassersport und zum Segeln. Basse-Terre und Grande-Terre vermitteln bereits einen Eindruck von der Vielfalt des Archipels. Der Rest erschließt sich über das Meer. Marie-Galante, die Insel der hundert Windmühlen, ist rund, ländlich geprägt und lebt im Rhythmus des Zuckerrohrs. Die Îles des Saintes begeistern mit ihren geschützten Buchten. Eine davon, auf Terre-de-Haut, gehört zum Kreis der schönsten Buchten der Welt. La Désirade, die wildeste und geheimnisvollste Insel, setzt auf Ruhe und Abgeschiedenheit. Ihr als „Jardin remarquable“ ausgezeichneter Wüstengarten und das älteste geologische Naturreservat der Karibik machen sie besonders attraktiv für Reisende, die Ruhe suchen. Die Entfernungen zwischen den Inseln sind kurz, die Verbindungen verkehren täglich. In einer Woche gewinnt man einen guten Eindruck von zwei Inseln, in zwei Wochen lernt man den Archipel näher kennen.

Zweifellos entdeckt man die Inseln von Guadeloupe am besten vom Meer aus. Segler, die von Insel zu Insel ziehen und dabei bekannte Ankerplätze anlaufen, wissen das längst. Vor Terre-de-Haut ist die Bucht der Saintes atemberaubend schön. Man ankert gegenüber dem Ort und schwimmt zum Strand Pain de Sucre oder wagt sich weiter in Richtung Terre-de-Bas, um mit Rochen und Schildkröten zu schwimmen. Etwas abgelegener liegt das Naturschutzgebiet Petite-Terre mit einer ebenso herrlichen, jedoch geschützten Lagune, in der Leguane, Schildkröten, Rochen und tropische Fische leben. Als geschütztes Gebiet darf Petite-Terre nur im Rahmen geführter Ausflüge besucht werden. Um den Meeresboden zu bewahren, sind ausschließlich umweltverträgliche Ankerplätze zugelassen.

Alle vier Jahre, seit 1978, wird das Meer vor Guadeloupe zur internationalen Bühne. Die Route du Rhum – Destination Guadeloupe, eine der legendärsten Einhand-Transatlantikregatten, führt nach Pointe-à-Pitre. Die nächste Ausgabe startet am 1. November 2026 in Saint-Malo. Ihr Name ist kein Zufall: Er erinnert an die Segelschiffe, die früher Rum von den Antillen ins französische Mutterland transportierten.

Das nächste Ziel ist Marie-Galante, wo drei der insgesamt vierzehn Destillerien und Rumhäuser des Archipels eine jahrhundertealte Handwerkskunst bewahren. Hier kostet man landwirtschaftlich erzeugten Rum ebenso wie die authentische, vielfältige und großzügige kreolische Küche: Accras, frittierte Häppchen, Fisch in kreolischer Brühe, Bébéle, eine Suppe aus traditionellen Gemüsesorten, oder Kassav-Fladen. Auch die Gastronomie erzählt von der reichen Geschichte und dem kulturellen Erbe der Insel.

Guadeloupe hat sich entschieden, seine Natur bewusst in den Mittelpunkt zu stellen.

Auf Basse-Terre zeichnet das Label „Esprit Parc national“ Unterkünfte aus, die sich für den Schutz der Artenvielfalt einsetzen: mit regionalen Produkten, einem bewussten Energieverbrauch und Gebäuden, die sich harmonisch in die Vegetation einfügen. Auf Grande-Terre vermittelt die École de la Mer, die im Aquarium von Le Gosier untergebracht ist, Kindern und Erwachsenen die Bedeutung und Verletzlichkeit der Meeresökosysteme. Luxus bedeutet hier die Stille am frühen Morgen, den Genuss frisch geschnittener Früchte und den Blick auf eine noch weitgehend unberührte Natur. Diese besondere Atmosphäre suchen auch jene, die den Archipel wählen, um sich das Ja-Wort fürs Leben zu geben oder einfach einmal durchzuatmen, neue Kraft zu schöpfen und dem übervollen Alltag zu entfliehen. Zwischen zwei Inseln tauscht man den Terminkalender gegen den Rhythmus von Sonne und Gezeiten. Schnell versteht man, warum manche nur ungern wieder abreisen.

Eine letzte Facette zeigt sich an Land. Die kreolische Kultur, geprägt von indigenen, afrikanischen, indischen und europäischen Einflüssen, durchzieht das gesamte Leben des Archipels. Sie zeigt sich in der Gastronomie ebenso wie in traditionellen Tänzen und Musikrichtungen, darunter Gwoka, das zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit der UNESCO zählt, und Zouk. In Pointe-à-Pitre ist das Mémorial ACTe, das der Erinnerung an die Sklaverei und den Sklavenhandel gewidmet ist, einer der bedeutendsten Erinnerungsorte der Karibik. Von Januar bis zum Aschermittwoch steht der Archipel ganz im Zeichen des Karnevals. Über mehrere Wochen ziehen farbenfrohe Kostüme mit Federn, Pailletten und pflanzlichen Materialien sowie Gruppen mit ihren traditionellen Po-Instrumenten durch die Straßen. Trommeln, Ti-Bois und kreolische Gesänge begleiten die Umzüge bis zum großen Finale: der Verbrennung von Vaval, dem König des Karnevals.

Sechs Inseln, ebenso viele Gründe, an Bord zu gehen. Jetzt muss man sich nur noch entscheiden, wo man beginnt …

Alle Informationen unter Lesilesdeguadeloupe.com.

fotos) Comité du tourisme des iles de Guadeloupe/Aurélien Brusini

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