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Kreuzschläge in Kroatien

von Quentin Mayerat

Die nur wenige Meilen von Dubrovnik entfernte Insel Lopud ist eine Oase des Friedens ohne moderne Bauten und ohne Autos. In dem kleinen, natürlichen Hafen steigt uns der betörende Duft von Klebsamen in die Nase, staunend entdecken wir eine Kirche aus dem 15. Jahrhundert und ihr über das Meer ragende Kloster und bewundern die prachtvollen Patrizierhäuser, die kaum sichtbar in die subtropische Vegetation gebettet sind. Vor Mljet haben wir gut geschützte Ankerplätze gefunden. Die bewaldete Insel wurde zum Nationalpark erklärt und lässt sich herrlich zu Fuss erkunden. Okuklje, unser nächster Halt, liegt friedlich am Fuss eines Pinienhains. In Luka Polace haben wir die Wahl zwischen einem Ankerplatz oder der Vertäuung an den Privatstegen von zwei bis drei Restaurants mit Meeresanstoss. WIr treffen ins Schwarze: Der Wirt lädt uns freundlich ein, sein Badezimmer zu benutzen und verwöhnt uns am Abend mit dalmatinischen Spezialitäten: gegrillter Fisch und Rind, Tintenfi schsalat, geräucherter Schinken, Muschelrisotto und frittierte Kalmaren. Bei jedem Zwischenhalt können wir entweder in einer abgelegenen Bucht vor Anker gehen oder in einem kleinen, unverfälschten Hafen festmachen, über die von den Venezianern errichteten Steinkais schlendern und den Blick auf die alte Kirche und die steilen, mit blühenden Bougainvilleas geschmückten Gassen geniessen. Seit wir vor der legendären Zitadelle in Dubrovnik in See gestochen sind, haben wir jeden Abend auf einer anderen Insel Halt gemacht.

Grandioses Kulturerbe und Dörfer aus einer anderen Zeit

Im Hintergrund der dalmatinischen Küste erhebt sich majestätisch das dinarische Gebirge. Vom Flughafen in Dubrovnik führt eine Uferstrasse bergauf in Richtung Yachthafen. Plötzlich gibt sie hinter einer Kurve den Blick auf die Perle der Adria frei, die mitten in einem azurblauen Mittelmeergolf thront und von grünen Steilfelsen eingerahmt wird. Dubrovnik wurde im 13. Jahrhundert befestigt und ist heute eine der besterhaltenen mittelalterlichen Städte der Welt. Innerhalb der Stadtmauern kommt man aus dem Staunen kaum heraus. Wo man auch hintritt, auf den gepfl asterten Wegen des Stadtmauerrundgangs, unter den Arkaden und auf den Treppenstufen des Palastes, die Faszination ist überall. Leider kann man den lärmenden Touristenmassen in Dubrovnik nicht immer entkommen. In der etwa sechs Kilometer vom Stadtkern entfernten Marina herrscht jedoch Ruhe. Kaum haben wir die Anker unserer Lagoon 380 Sunsail gelichtet, stellen wir erfreut fest, dass die dalmatinische Küste noch immer unberührt ist. Für unsere erste Kurzetappe beschliessen wir auf Sipan, der „goldenen Insel“ Halt zu machen. Hier bewegen sich die Dorfbewohner noch immer mit motorisierten Dreirädern fort und holen das Wasser aus dem Brunnen. Auch Korcula beherbergt eine beschauliche Altstadt. Zwischen Renaissancepalästen und Ritterfestungen schlängeln sich kurvenreiche Strassen steil gegen Osten den Berg hinunter. Durch ihre besondere Lage auf einem Felsvorsprung wird die Stadt von der gefürchteten Burra – dem scharfen Wind, der im Winter aufkommen kann – verschont. Nur die sanften Sommerbrisen dringen in die Gassen und sorgen für angenehme Frische. Marco Polo soll hier geboren worden sein, eindeutige Zeugnisse gibt es aber nicht. Sein angebliches Geburtshaus kann zwar besichtigt werden, wirklich fest steht aber nur, dass er am 7. September 1298 in Korcula festgenommen wurde.

Spaziergänge und Dolce Farniente auf Terrassen

Innerhalb der Inselgruppe Pakleni Otoci umrunden wir Sveti Klement, wo wir auf die herrliche Bucht Vinogradisce stossen. Zu Fuss machen wir uns auf, die Insel zu erkunden. Auf der einen Seite führt der Weg durch den am Hügel gebetteten botanischen Garten, der das Restaurant und das Museum der Familie Meneghello umgibt. Wir lassen uns inmitten der üppigen Vegetation gegrillte Fische schmecken. Am nächsten Tag besuchen wir die Sveti Klement direkt gegenüber liegende Insel Hvar, wobei zwei Wege zum kroatischen St. Tropez führen: Entweder man nimmt ein Schiff von Palmizana nach Hvar oder man ankert dort in der überfüllten Bucht. Aufgrund der etwas chaotischen Zustände ist diese zweite Variante allerdings nicht ganz ungefährlich. Es sollte deshalb unbedingt jemand Wache schieben. Wir nehmen an einer geführten Besichtigung der spanischen Festung (Spanjol) und des Franziskanerklosters teil, bevor wir zur Festung Napoleon hinaufkraxeln und das Panorama geniessen. Dann setzen wir unser reichhaltiges Kulturprogramm mit einer Führung durch die mittelalterliche Stadt Trogir fort, spazieren durch die engen, schattigen Gassen, trinken gemütlich etwas am Kai unterhalb der Zitadelle und essen unter freiem Himmel in einer blumengeschmückten Gartenlaube innerhalb der Festungsmauern.
Am Mittag des darauffolgenden Tages erreichen wir Bobovisce auf der naturbelassenen Insel Brac. Wir schwimmen ans Ufer und springen von einem steilen Felsen ins Wasser. Am Abend essen wir direkt am Meer in dem kleinen Fischerdorf Milna, bevor wir ihn in einem belebten Café mit Fruchtcocktails, kroatischem Bier und Prosek-Likör zu Ende gehen lassen. In Mala Luka auf der Insel Drvenik sind ausser uns kaum andere Yachten zu sehen. Wir frühstücken in aller Ruhe zwischen den bunten Booten der Einwohner, bevor wir bis zur funktionellen Marina in Kremik weitersegeln. Sie ist ein idealer Ausgangspunkt für mehrere Törnrichtungen, hat aber sonst nicht viel zu bieten. Kroatien soll überlaufen sein? Das Land (fast) ohne grosse Sandstrände ist fürs Segeln wie gemacht. Ausser in den wenigen Touristenhochburgen sind Menschenmassen entlang der 450 Seemeilen langen und mit 600 Inseln gesäumten Adriaküste selten. Auch wenn mittlerweile 4000-5000 Charteryachten zur Verfügung stehen, so verteilen sich die Boote doch gut auf die 350 Ankerplätze, die 40 Marinas und die unzähligen kleinen Naturhäfen. Der Süden der dalmatinischen Küste konzentriert alle Reize eines kroatischen Segeltörns auf kleinem Raum. In einer Woche kann man von Kremik nach Osten bis nach Hvar segeln, einen Abstecher nach Westen zum Golf von Sibenik machen und von dort bis zu den Wasserfällen von Krk weiterziehen. Ab Dubrovnik bieten sich mehrere Rundreisen nach Korcula oder nach Osten zu den wunderschönen Buchten von Montenegro an. Man kann aber auch den hier beschriebenen One-way-Törn vom Sunsail-Stützpunkt in Kremik bis zu jenem in Dubrovnik absolvieren.

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