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Medaillenhoffnungen für London

von Quentin Mayerat

Die Mitglieder des Swiss Sailing Teams haben ihr Projekt im Rahmen ihrer Promotionstour in der SNG vorgestellt. © Brice Lechevalier

Das letzte Mal hat die Schweiz 1968 eine olympische Medaille im Segeln gewonnen. Das war in Mexico, als Louis Noverraz in der 5,5m-Klasse brillierte. Seither haben viele Regatteure ihr Glück versucht, darunter so illustre Namen wie Hans Gut, Bertrand Cardis, Jean-Pierre Ziegert und Nicole Meylan, doch keiner hat es aufs Podest geschafft. Umso sehnsüchtiger warten Segelfans darauf, dass die Durststrecke endlich ein Ende hat und 2012 den ersehnten Medaillensegen bringt. Grösste Hoffnungsträger sind Marazzi/de Maria, Brugger und Stauffacher. Bis Ende Jahr könnten sich aber durchaus noch weitere Segler profilieren.

Die Paarung Marazzi/De Maria will Weymouth mit einer Medaille in der Tasche verlassen. © Juerg Kaufmann

Fahrplan eingehalten

In den Führungsetagen des Schweizer Segelsports ist man in Bezug auf das Potenzial der Athleten ziemlich optimistisch. Und auch wenn das Swiss Sailing Team (SST) nicht über die gleichen finanziellen Mittel wie andere Staaten verfügt, so bestehen nach den 2008 in China gesammelten Erfahrungen doch reelle Chancen. Die SST AG hatte bei ihrer Gründung im Jahr 2006 längerfristig geplant und eine Medaille an den Olympischen Spielen in London oder sogar in Rio zum Ziel gesetzt. Ihr Verwaltungsrat, bestehend aus Hans Gut, Präsident und Teilnehmer an den Olympischen Spielen 1972 in München, Vincent Hagin von Swiss Olympic, Francis Stockburger, ehemaliger Präsident des Schweizer Segelverbands, und Alexandre Schneiter, führen die vor fast sechs Jahren begonnene Arbeit heute fort. Als Teamchef waltete zunächst Tom Rüegge, danach Rainer Staub. Staub kommt aus dem Profiskisport und leitete das SST zwei Jahre lang. Ende Mai trennten sich Swiss Sailing und Staub wegen Meinungsverschiedenheiten mit sofortiger Wirkung.Bei Redaktionsschluss war sein Nachfolger noch nicht bekannt.. Bis ein neuer Teamchef gefunden wird, übernimmt Headcoach Tom Reulein diese Aufgabe. Der laut Pressemitteilung im gegenseitigen Einvernehmen beschlossene Wechsel ein Jahr vor Olympia kommt zu einem höchst ungelegenen Zeitpunkt, soll aber für eine Verbesserung der Strukturen im Hinblick auf eine Medaille sorgen. Bei Swiss Sailing gibt man sich optimistisch. Der Wechsel sei eine Chance in diesem für die Selektion der Segler entscheidenden Jahr.

Einhandjolle für Frauen und Männer: In der Laser-Klasse sind die Schweizer Olympiaanwärter besonders zahlreich. © Juerg Kaufmann

Erfolgsorientierte Struktur

Auf operativer Ebene arbeitet der Teamchef mit Tom Rüegge und den beiden Mitgliedern des Selektionsausschusses Alain Testuz und Francis Stockburger zusammen. Gemeinsam haben sie die Aufgabe, für adäquate Rahmenbedingungen zu sorgen, damit sich das National- und das Olympiakader unter den besten Voraussetzungen vorbereiten können. Aus den rund 600‘000 Franken Budget aus dem Jahr 2006 sind mittlerweile 2,5 Millionen geworden. Ein wesentlicher Teil davon fliesst in die Trainerlöhne und die Logistikkosten. Als Trainer amten Tom Reulein, Nicolas Novara und Didier Charvet, wobei sie punktuell von Olivier Terrol, Sandi Dekleva, Zizi Staniul und anderen Coaches unterstützt werden.

Richard Stauffacher wird in London bei den Windsurfern (RS:X) zum dritten Mal an einer Olympiade die Schweizer Farben verteidigen. © Juerg Kaufmann

Den Olympiaanwärtern wird zwar ein Grossteil ihrer Spesen zurückerstattet, sie erhalten aber vom Verband keinen Lohn und sind auf persönliche Sponsoren angewiesen, damit sie ihren Lebensunterhalt überhaupt bestreiten können. Einige haben eine Stelle in ihrem Club gefunden, darunter auch Simon Brügger, der mit Matias Bühler auf dem 470er segelt. Der talentierte Regatteur, der in Sydney und Athen Olympiaerfahrung sammeln konnte, könnte sich bis nächten Winter durchaus profilieren. „Wenn man wie ich 35 Jahre alt ist, dann braucht man ein regelmässiges Einkommen. Ich könnte mir ein solches Engagement nicht ohne die entsprechenden Mittel vorstellen“, sagt Brügger. Seine Situation bleibt aber die Ausnahme. Die meisten anderen Kadermitglieder kommen dank einer Mischung aus Sponsoring, elterlicher Unterstützung und kleinen Jobs über die Runden.

 

© DR

Gegenwärtig machen sich noch ziemlich viele Seglerinnen und Segler Hoffnungen auf eine Olympiaqualifikation. Sie müssen sich die Plätze für Weymouth teuer erkaufen. Nächster grosser Selektionstermin ist die WM in Perth am Jahresende. Wir werden die Athleten bei ihrer Vorbereitung im Auge behalten und sie auf ihrem langen Weg nach London 2012 begleiten.

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