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Genf, Hochburg der Meterklassen

von Vincent Gillioz

Die Schweizer- und die Europameisterschaft der 6mR-Jachten gingen beide im Juli bei der SNG über die Bühne. Sie lockten rund 50 der schönsten Boote und besten Steuermänner der traditionsreichen Klasse an den Genfersee. Die sorgten sowohl auf dem Wasser als auch auf dem Land für viel Spektakel.

Text ) Vincent Gillioz
Fotos ) Maria Muina

Die 50 6mR-Jachten – 20 in der Open- und 30 in der Classic-Kategorie – machten den Ehrensteg der Société Nautique de Genève zwei Wochen lang zur Augenweide. Sie vertraten zwölf Nationen und vereinten mehr als 350 Seglerinnen und Segler mitsamt Begleitung. So viele waren an einer Schweizer- und Europameisterschaft der Sechser noch nie zusammengekommen.

Harzige Schweizermeisterschaft

Als Prolog zur Europameisterschaft wurde um den Schweizer Meistertitel gekämpft. Die SM galt als Generalprobe für die EM und gab den teilweise weit angereisten Teilnehmenden die Gelegenheit, sich mit dem Revier vertraut zu machen. Leider wollte das Wetter nicht so richtig mitspielen. Eine wechselhafte Westlage und Gewitterzellen machten den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. An den ersten beiden Tagen konnten in der Kategorie Open lediglich vier Wettfahrten ausgetragen werden. Bei den Classics kamen sogar nur drei Läufe zustande, nicht genug für eine gültige Meisterschaft. Eine Siegerin gab es trotzdem: Violeta Alvarez gewann am Steuer der britischen Jacht Erica vor Astrée III aus Finnland und Dan aus Italien.

In der Open-Klasse machte Eric Monnin auf Duclop schon sehr früh alles klar. Mit einem Sieg und drei zweiten Plätzen liess er der Konkurrenz keine Chance und gewann die Meisterschaft mit nur sieben Punkten. Jan Eckert auf Ginkgo Too hatte mit 19 Punkten als Zweitplatzierter bereits deutlich mehr auf dem Konto. Komplettiert wurde das Podest durch Loïc Forestier auf Junior mit 23 Punkten.

Ein völlig anderer Genfersee zur Europameisterschaft

Mit der EM begann der eigentliche Schlagabtausch. Der Genfersee präsentierte sich von seiner besten Seite und bot den Crews nahezu perfekte Bedingungen. Bei kräftiger Bise und ausgeprägter Thermik lieferten sich die Sechser herrliche Regatten. OK-Präsident Christophe Amberger war begeistert: «Die Meisterschaft fand unter aussergewöhnlichen Bedingungen statt», freute er sich nach Abschluss der Wettkämpfe.

Die Karten wurden bei jeder Wettfahrt neu verteilt und die Rangliste durcheinandergewirbelt. Nach vier Läufen an den ersten beiden Tagen entschied die Wettfahrtleitung, nur noch einen Lauf pro Tag anzusetzen, um die EM nicht allzu früh zu beenden, denn das Klassenreglement lässt maximal acht Wettfahrten pro Meisterschaft zu. Mehrere Teams zeigten sich angesichts der traumhaften Verhältnisse enttäuscht. Der Sinn dieser Vorgabe kann durchaus diskutiert werden, denn es wären gut und gerne zwei bis vier Regatten mehr möglich gewesen.

In der Kategorie Open lieferten sich Momo, Eau Vive, Junior und Duclop einen erbitterten Kampf um die Spitzenplätze. Junior konnte sich bis zwei Tage vor Schluss grosse Podesthoffnungen machen, musste sich dann aber geschlagen geben. Eric Monnin hingegen beeindruckte durch seine Konstanz. Er steuerte methodisch auf einen Sieg zu. Fünf Podestplätze, darunter drei Siege, verschafften ihm den entscheidenden Vorteil. Zur Halbzeit übte sich der Schweizer dennoch in Zurückhaltung: «Wir sind gut positioniert, aber mehrere Boote können diese Meisterschaft noch gewinnen. Es ist unmöglich vorherzusagen, wer am Schluss die Nase vorn hat.»

Die Entscheidung fiel tatsächlich erst in der letzten Wettfahrt. Eric Monnin holte sich den EM-Titel mit zwei Punkten Vorsprung auf Eau Vive von Jamie Hilton und neun Punkten vor Momo von Dieter Schön. «Die Situation war nicht ganz einfach», sagte Monnin. «Vor dem letzten Lauf lag Eau Vive einen Punkt vor uns und konnte nur noch von uns vom ersten Platz verdrängt werden. Momo konnte uns andererseits aber noch überholen. Eau Vive hat dann auch versucht, uns am Start anzugreifen. Daher war es wichtig, dass wir gut weggekommen sind und uns nicht auf einen Zweikampf einlassen mussten. Das ist uns glücklicherweise gelungen.»

Knappes Finale bei den Classics

In der Kategorie Classic imponierte die Bribón, bevor sie überhaupt ausgelaufen war. Auf dem Wasser zeigte sich dann schnell, dass die anderen Crews nicht umsonst so viel Respekt vor ihr hatten. Mit einem fünften EM-Titel unterstrich die spanische Jacht ihre Vormachtstellung. Skipper Ross MacDonald führte den Sieg auf den guten Zusammenhalt zurück: «Wenn es ein Geheimnis für unseren Erfolg gibt, dann ist es die Crew. Wir sind sehr gut befreundet und haben einen hervorragenden Teamgeist», erklärte er. Wie Eric Monnin in der Open-Kategorie krönte auch MacDonald die Meisterschaft mit einem Sieg in der letzten Wettfahrt. Die siegreiche Jacht gehört übrigens Altkönig Juan Carlos von Spanien. Der 88-jährige Monarch verfolgte sämtliche Wettfahrten mit grosser Begeisterung und liess es sich nicht nehmen, an zwei Läufen mitzusegeln.

Violeta Alvarez auf Erica und der Schweizer Reinhard Suhner auf Mecara vervollständigten das Podest in dieser Kategorie. Philippe Durr, einer der erfolgreichsten Segler in den Meterklassen, ersegelte mit seiner Astrée den 7. Rang und sorgte damit für das zweitbeste Schweizer Ergebnis bei den Classics.

Erfolg an Land und auf dem Wasser

Die Société Nautique de Genève erhielt von allen Seiten grosses Lob für die professionelle Organisation der zweiwöchigen Regattaserie. Die Gastfreundschaft, die reibungslose Durchführung und das Engagement der zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfer trugen wesentlich zum Erfolg des hochklassigen Anlasses bei. Die internationalen Teilnehmer konnten im ebenso anspruchsvollen wie spektakulären Revier ihr ganzes Können beweisen und die präzise Organisation geniessen, für die der Club weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist.

Auch das Rahmenprogramm mit der Abendveranstaltung des Titelsponsors Banque Heritage, dem Galadinner, der Swiss Party und der Preisverleihung machte die kombinierte SM und EM zu einem rundum gelungenen Anlass.

Für die SNG war die Organisation der Schweizer- und Europameisterschaft kein Neuland. Der Genfer Club hat bereits mehrere internationale Regatten der Achter ausgerichtet, aber mit diesen Meisterschaften seinen Ruf als Hochburg der Meterklassen auf eindrückliche Weise untermauert. Die diesjährige SM und EM der 6-Meter-Jachten wird allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben.

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