Am Sonntag, 1. November, starteten die 115 Skipper der 13. Route du Rhum bei beinahe sommerlichem Sonnenschein in Saint-Malo. Doch schon bald waren sie wieder mit den Anforderungen des Hochseesegelns konfrontiert. Nach einer rasanten ersten Nacht wurde das Rennen für die Favoriten rasch zur Zerreissprobe. Hinter diesem angenehmen Auftakt zeichnete sich ein besonders unbeständiger Atlantik ab, auf dem einmal mehr die strategischen Entscheidungen den Unterschied machen werden.
Am Sonntag, 1. November, überquerten die 115 Teilnehmer der Route du Rhum – Destination Guadeloupe um Punkt 13.02 Uhr die Startlinie. Bei strahlend blauem Himmel und einem Nordostwind von 8 bis 11 Knoten herrschten ungewöhnliche Bedingungen für diese herbstliche Transatlantikregatta über 3’542 Seemeilen zwischen Saint-Malo und Pointe-à-Pitre, die normalerweise für deutlich rauere Starts bekannt ist. Schon in den ersten Minuten entwickelte sich ein intensives Rennen. Der Start war einmal mehr spektakulär: 115 Boote versuchten, sich gegenseitig einen Vorteil zu verschaffen. Alles verlief reibungslos, auch wenn drei Teilnehmer wegen eines Frühstarts bestraft wurden: Christophe Rateau, Marco Guerra und David Ducosson. Anschliessend nahm die Flotte Kurs auf das Cap Fréhel, die erste Bahnmarke, 16 Seemeilen von der Startlinie entfernt. Die Ultim halsten mehrfach, während die Einrumpfboote unter Spinnaker segelten – zur grossen Freude der Zuschauer.
Die ersten 24 Stunden: eine sportliche Nacht
Bei den Meeresgiganten hielt das erwartete Duell zwischen Tom Laperche (SVR-Lazartigue) und Armel Le Cléac’h (Banque Populaire XI) von Beginn an, was es versprach. Dank effizienterer Manöver übernahm Laperche nach dem Cap Fréhel die Führung. Dahinter blieben Anthony Marchand (Actual Ultim 3), Thomas Coville (Sodebo Ultim 3) und Louis Burton (Armand Thierry) in Schlagdistanz. Charles Caudrelier zeigte an Bord der neuen Gitana 18 ein beeindruckendes Geschwindigkeitspotenzial, hatte nach den Manövern jedoch Mühe, rasch wieder seinen Rhythmus zu finden.
In der Nacht änderten sich die Bedingungen abrupt. Der Wind nahm zu, die See wurde höher und die Geschwindigkeiten stiegen. Die Ultim segelten bei einem Ost-Südostwind von 15 bis 18 Knoten und erreichten Spitzengeschwindigkeiten von rund 35 Knoten. «Wir hatten eine ziemlich heftige Nacht», berichtete Tom Laperche, dem bewusst war, dass er keinesfalls nachlassen durfte. Bei den Ocean Fifty beschrieb Matthieu Perraut (Elvest) die Fahrt als anstrengend: «Die Wellen sind kurz und der Wind hat deutlich aufgefrischt. Wir haben hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten erreicht. Es ist sportlich, und draussen sieht man überhaupt nichts!»
Bei den IMOCA lagen Sam Goodchild (MACIF Santé Prévoyance) und Ambrogio Beccaria (Allagrande Mapei) an der Spitze.
In der Class40 machte Pierre Leboucher (Institut Imagine) auf sich aufmerksam, obwohl der Wind in der Nähe der Scilly-Inseln lokal abrupt von 28 auf 16 Knoten nachliess. Für die gesamte Flotte waren die Bedingungen anspruchsvoll. Diese erste Nacht wurde auch von einer Kollision zwischen Violette Dorange (Initiatives-Cœur) und Romain Pilliard (Use It Again) überschattet. Beide Skipper blieben unverletzt und liefen nach Roscoff ein, um ihre beschädigten Boote zu reparieren.
Eine nördliche Route und meteorologische Tücken
Die eigentliche Herausforderung lag südwestlich von Irland. Am Montag kurz vor 4 Uhr halste Tom Laperche als Erster, rund 155 Seemeilen vom Fastnet entfernt. Eine entscheidende Wahl, um einen schmalen Tiefdruckkorridor zwischen zwei Hochdruckgebieten anzusteuern. Die Prognosen kündigten Regen, einen vorübergehenden Einbruch des Windes und anschliessend die Rückkehr einer nordnordwestlichen Strömung an. Weiter auf der Strecke zwang das Fehlen stabiler Passatwinde die Teilnehmer zu sehr nördlichen Kursen, nördlich der Azoren. «Bis ins Ziel lässt sich das genaue Szenario noch nicht erkennen», warnte Tom Laperche bereits vor dem Start. Der weitere Verlauf könnte die Rangordnung daher gehörig durcheinanderbringen. Denn während in den ersten Stunden die schnellsten Boote im Vorteil waren, dürften in den kommenden Tagen die besten Strategen den Unterschied machen.
Aufgaben und technische Schäden prägen die ersten Renntage
Bei den Ultim hatte Anthony Marchand (Actual Ultim 4) bereits am Montagmorgen ein schwerwiegendes technisches Problem mit seinem zentralen Ruder. Anschliessend musste Charles Caudrelier auf der Maxi Edmond de Rothschild wegen eines Schadens am Backbordfoil zunächst Kurs auf Lorient nehmen, bevor er schliesslich aufgab. Ein schwerer Rückschlag traf auch Armel Le Cléac’h: Er kenterte in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, als er auf dem zweiten Platz der Ultim-Wertung lag.
Auch die anderen Klassen blieben nicht verschont. Francis Joyon kenterte mit seinem ORMA-Trimaran in der Klasse Vintage Multicoque und wurde von einem Frachtschiff aufgenommen. In der Class40 verlor Quentin Le Nabour (Bleu Blanc Planète Location) seinen Mast, Marco Guerra (Imagin’Act-Socomec) hatte mit Problemen am Kiel, Wassereinbruch und Elektronikschäden zu kämpfen, und Fabien Delahaye gab an Bord der Legallais auf, nachdem er sich am Knöchel verletzt hatte. Bei den IMOCA musste Armel Tripon auf Les P’tits Doudous nach einem Ruderschaden ebenfalls aufgeben. Am Dienstagnachmittag entschied Jérémie Beyou, der rund 500 Seemeilen nördlich der Azoren auf Rang zwei der IMOCA-Flotte lag, nach Rücksprache mit dem Regattaarzt und der Regattaleitung, das Rennen aus medizinischen Gründen abzubrechen. In derselben Nacht wie Le Cléac’h kenterte auch die Ocean Fifty Elvest von Matthieu Perraut. Beide Skipper sind unverletzt und warten auf Hilfe.
Wie bei jeder Ausgabe gilt: Die Route du Rhum muss man sich verdienen!
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