Mehr Raum, mehr Komfort, besserer Zugang zum Meer: Die Charterfirmen haben das Potenzial der Mehrrümpfer erkannt und ihre Flotten entsprechend ausgestattet. Die steigende Nachfrage kommt aber auch den Herstellern zugute.
Um zu verstehen, wie eng der Siegeszug der Katamarane mit dem Erfolg der Charterfirmen zusammenhängt, muss man bis zu den französischen Steuerbefreiungsgesetzen der 1980er-Jahre zurückgehen. Sie gewährten den Bewohnern des französischen Festlandes Steuerkredite, wenn sie ein Boot in einem Überseegebiet kauften. „Werften wie Catana, Fountaine Pajot oder Lagoon begriffen schnell, dass Katamarane im Chartergeschäft sehr gefragt sein könnten und entwarfen speziell darauf ausgerichtete Boote“, erzählt Franck Bauguil, der Chef von Leopard Catamarans. Er selbst trat kurz nach dem Inkrafttreten der Gesetze eine Stelle bei Moorings, dem damals weltweit führenden Charterunternehmen, an. Bei der Erwähnung seines früheren Arbeitgebers kann er sich ein Grinsen nicht verkneifen. Di e beiden Gründer von Moorings Ginny und Charly Cary hatten sich nach dem Verkauf der Firma nämlich einen Lagoon 55 zugelegt! Als Franck Bauguil an der Bootsmesse in Annapolis die ersten Katamarane sah, wusste er sofort: Die Amerikaner würden sie lieben, denn sie stehen auf Raum, grosse Häuser und dicke Autos. Moorings sah in den Katamaranen die Zukunft des Charterbusiness und wollte deshalb unbedingt das beste Charterboot der Welt bauen. Das Pflichtenheft verlangte neben einem besseren Zugang zum Meer und zum Bier im Kühlschrank auch praktischere Küchen auf dem Oberdeck einen Grossschottraveller ausserhalb des Cockpits, genügend Bewegungsfreiheit in allen Räumen, ein einfaches Handling und vieles mehr. Den Zuschlag erhielt die kleine, aber angesehene südafrikanische Werft Robertson & Caine. Deren Chef John Robertson und der für die Ausschreibung zuständige Mitarbeiter von Moorings kannten sich von früher, denn die beiden waren zusammen Regatten gesegelt. So kam es, dass Robertson & Caine 1997 die ersten zehn Moorings 4500 produzierte. Laut Vertrag durfte Moorings seine Katamarane überall auf der Welt verkaufen, nur nicht in Südafrika, dieses Gebiet blieb der Werft vorbehalten. Die Modelle waren sowohl als Charter- als auch als Privatboote so erfolgreich, dass 2001 beschlossen wurde, sie fortan unter der Marke Leopard zu vertreiben. Sie machten damals die Hälfte der Moorings- Flotte aus! Anhand von Rückmeldungen der Charterkunden wurde das Design der Katamarane fortlaufend angepasst. So entstanden 2000 die ersten Hard-Tops und später der geschützte, ins Cockpit integrierte Steuerstand und das Bugcockpit. Seiter wurden über 1700 Leopard verkauft (lesen Sie dazu den Artikel auf Seite 108).
Gleichzeitig innovierten die französischen Werften in Sachen Komfort und Design und verpassten ihren Booten eine persönliche Note, die zu ihre
Törnsegler bevorzugen Mehrrümpfer
Die Vorliebe der Fahrtensegler für Katamarane und Trimarane habe zwei Gründe, sagt Loïc Bonnet: „Zum einen geniessen sie auf dem Wasser einen ähnlichen Komfort wie in einer Wohnung mit Klimaanlage, reichlich Wasser dank Entsalzungsanlagen, genügend Raum und gediegener Ausstattung. Zum anderen gelangen sie zu Plätzen, die sie sonst kaum erreichen könnten.“ Fahrtenkatamarane haben die Kundschaft vergrössert, fügt Bonnet an. „Auf Booten mit fünf oder sechs Kabinen können einzelne Kabinen gemietet werden, sodass auch unerfahrene Gäste zu einem vernünftigen Preis mit Skipper und Hostesse Segelluft schnuppern können.“ Franck Bauguil sieht noch weitere Vorteile: „Im Gegensatz zu einer Jacht hat man auf einem Katamaran direkten Zugang zum Meer. Er verwandelt sich in eine Spielwiese. Und er bietet mehr Privatsphäre, da die Kabinen nicht wie auf einem Einrümpfer durch eine gemeinsame Wand getrennt sind.“ Fabienne Lafranchi von der Charteragentur Voile Évasion sieht das genauso. Auch für sie besteht einer der grossen Vorzüge von Zweirümpfern in den Rückzugsmöglichkeiten, vor allem, 