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Endlich wieder ein Schweizer Sieg

von Walter Rudin

RUND UM BODENSEE

Der Sonnenkönig mit Skipper Stefan Stähli holte das blaue Band nach langer Durststrecke zum vierten Mal in die Schweiz. Die mageren Windverhältnisse verlangten von den 277 gestarteten Teams viel Geduld. Die meisten Boote schafften es trotzdem noch vor dem Zeitlimit von 24 Stunden ins Ziel.

Das 75-jährige Bestehen der traditionsreichen Langstreckenregatta wurde mit zusätzlichen Attraktionen ausgiebig gefeiert. Zu einem besonderen Jubiläum gehört auch ein Blick zurück. Mit einer historischen Vorregatta wollten die Organisatoren vom Lindauer Seglerclub (LSC) die alten Zeiten aufleben lassen. 13 Oldtimer, die 1951 die erste Rund Um bestritten hatten, wurden den vielen Schaulustigen in einer feierlichen Bootsparade vor der Kulisse der Inselstadt einzeln vorgestellt und starteten anschliessend zu einer kleinen Regatta.

Wie gewohnt wurde die Rund Um am Freitag nach Fronleichnam um 16 Uhr gestartet. Mit 277 gemeldeten Booten bestätigte sich der leichte Aufwärtstrend bei den Teilnehmerzahlen. Nach dem Durchzug einer Kaltfront in der Nacht hatte sich die Sonne wieder durchgekämpft und sorgte für angenehme Temperaturen. «Wir werden mit es mit wenig und wechselndem Wind zu tun haben, es wird eine ziemlich lange Nacht», versprach Wettfahrtleiter Stephan Frank beim Skippermeeting. Nach den beiden Starkwindauflagen der vergangenen Jahre, in denen Taktik bei konstanter Windrichtung keine Rolle gespielt hatte, sollte es diesmal also wieder entscheidend werden, wer den Wind richtig lesen konnte und den See gut kennt.

Flaute am Start

Bei den schnellen Katamaranen der Startgruppe 0 war die Schweiz mit vier Teams vertreten: dem Vorjahreszweiten Sammy Smith auf Green Horny, Albert Schiess auf Holy Smoke, Stefan Etter auf Rocket und Stefan Stäheli auf dem Sonnenkönig. Nicht mehr angetreten ist der Vorjahressieger All you need (D35), der letztes Jahr mithilfe der Genfer Geschwister Mettraux einen neuen Rekord aufgestellt hatte.

Die leichte Brise, die vor dem Start über das Feld geweht hatte, schlief nach dem Startschuss gänzlich ein. Auch die schnellen Katamarane blieben auf der Linie stecken. Der Sonnenkönig bekam als erstes Boot einen Hauch Wind von der Lindauer Insel und zog weg – aber nicht für lange. Mit vielen Führungswechseln schlich das Feld dem deutschen Ufer entlang den See hinunter. Nach Langenargen mussten die Boote den See überqueren, um die Boje vor Romanshorn zu runden.

Eher überraschend übernahmen jetzt die grossen Einrümpfer die Führung. Lange sah es danach aus, als ob Wild Lady von Michael Palm gewinnen würde. Bis ins Überlinger Becken hatte sich die Jacht mit dem riesigen Mast einen beachtlichen Vorsprung herausgeholt, blieb dann aber in der Flaute stecken.

Taktisches Meisterstück

An der Wendeboje in Überlingen rückte das ganze Feld zusammen. Dort herrschte totale Flaute. Schliesslich war es das Team Sonnenkönig, das plötzlich Kurs Richtung Mainau nahm und sich entscheidend absetzten konnte. «Das war sicher die Schlüsselstelle», sagte Stefan Stähli nach der Regatta. «Vermutlich sagte uns eine Mischung aus Erfahrung und taktischem Gespür, dass wir am Südufer eine bessere Windströmung vorfinden. Wir haben den Holeschlag effizient ausgeführt und weiter oben im See bis zu 17 Knoten Wind bekommen.» Diesen Vorsprung gab das Team von Stefan Stähli, Armin Schmid, Pius Rawitzer und Matthias Eigenmann vom Segel-Sport-Club Romanshorn nicht mehr ab und kam nach 11 Stunden, 4 Minuten und 15 Sekunden als erstes Boot ins Ziel.

Der Sonnenkönig feierte damit bereits den vierten Sieg an einer Rund Um, der letzte lag allerdings schon zwölf Jahre zurück. «Wir hatten die letzten Jahre so viel Pech und Materialschäden. Dass es jetzt endlich wieder für den Sieg gereicht hat, ist für uns eine riesige Genugtuung», meinte Skipper Stähli.

Als zweitschnellster Katamaran nach berechneter Zeit überquerte Holy Smoke von Albert Schiess die Linie. Nach einem verhaltenen Start machte er im Lauf der Regatta mit taktisch klugen Entscheidungen viel Boden gut. Allerdings musste er mit seinem bald 40-jährigen, aber stets modifizierten Kat Wild Lady als schnellstem Einrümpfer den Vortritt lassen.

Weniger gut ging es den beiden anderen Schweizer Katamaranen. Der Vorjahreszweite Sammy Smith geriet nach dem Start in die Abdeckung eines grossen Zuschauerschiffes und verlor viel Zeit. Dann verhakte sich bei Romanshorn die Genua in der Saling und riss. Ohne Vorsegel war ein Weitersegeln nicht sinnvoll, weshalb die Crew der Green Horny das Rennen abbrach. Ebenfalls aufgegeben hat Hansjörg Etter auf Rocket.

Erfolgreiche Schweizer Boote

Von den ersten acht Booten, die mitten in der Nacht ins Ziel kamen, stammten fünf aus der Schweiz. Eine tolle Bilanz! Neben den Kats waren das Stefan Süss mit der Psaros33 Falcon, Andreas Künzli mit der Farr36 Ballyhoo-o und Patrick Herzig auf der Psaros33 Evanesse. Zudem gab es in mehreren Startgruppen Schweizer Siege. Christian Mettler vom Segel-Sport-Club Romanshorn gewann mit seiner Xp33 CoCoRoxy in der ORC-Klasse 2 in einer bemerkenswerten Zeit von 13 Stunden und 39 Minuten. In der Yardstickgruppe 3 siegte Martin Gasser von der Hafenvereinigung Steinach auf einer Olsen 34. Im grossen Feld der Yardstickgruppe 4 setzte sich Philippe Dupont vom Segel-Sport-Club Romanshorn mit seiner Surprise durch.

Die meisten der 277 gestarteten Boote schafften die gut 100 Kilometer lange Strecke noch vor dem Zeitlimit von 24 Stunden. Für viele Teilnehmende wird die Jubiläumsausgabe der Rund Um wohl als zähe Regatta in Erinnerung bleiben. Die zahlreichen Gäste und Zuschauenden am Ufer hat der mangelnde Wind aber wohl nicht gestört. Sie freuten sich, dass sie die vielen Boote länger als üblich im Blickfeld hatten.

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