Von den schwindelerregenden Steilhängen des Mont-Blanc-Massivs zu den gewaltigen Brechern der Südmeere zu wechseln, mag zunächst ungewöhnlich erscheinen. Für Aurélien Ducroz ist es jedoch eine logische Konsequenz: Als zweifacher Freeride-Skiweltmeister, vierfacher Sieger des Verbier Xtreme und erfahrener Segler hat der gebürtige Chamonixer gerade einen entscheidenden Meilenstein in seiner Segelkarriere erreicht. Mit 44 Jahren macht er seine Ambition offiziell, am Vendée Globe 2028 teilzunehmen – mit einem Projekt, das seinesgleichen sucht.
Eine erste IMOCA und ein klares Ziel: der Vendée Globe 2028
Aurélien Ducroz hat gemeinsam mit Thomas Riboud-Seydoux die 60-Fuß-IMOCA EMIRA 1 erworben. Das von Owen Clarke entworfene und 2011 gebaute Einrumpfboot war zuvor unter dem Namen Acciona 100 % EcoPowered bekannt. Es nahm unter anderem mit dem spanischen Segler Javier Sansó an der Vendée Globe 2012–2013 teil, bevor es unter verschiedenen Namen und Sponsoren weitersegelte.
Im Gegensatz zu den neuesten Booten der IMOCA-Flotte verfügt diese Yacht nicht über Foils, sondern über klassische Schwenkkiele. Damit bietet sie eine bewährte Plattform, um die anspruchsvollen Anforderungen der IMOCA-Klasse kennenzulernen. Für Ducroz ist dies eine pragmatische Entscheidung: Nun muss er Partner gewinnen, sein technisches Team aufbauen und die erforderlichen Seemeilen für die Qualifikation sammeln.
Auch wenn der ehemalige Extremskifahrer die Welt der 60-Fuß-Yachten erst jetzt entdeckt, verfügt er bereits über umfangreiche Erfahrung im Hochseesegeln. In den vergangenen 15 Jahren hat er zahlreiche Atlantiküberquerungen absolviert und mehrere Saisons in der Class40 bestritten, in der er schließlich den Weltmeistertitel errang. Sein Ziel, am Vendée Globe teilzunehmen, ist daher keine spontane berufliche Neuorientierung, sondern vielmehr der Höhepunkt einer langen Entwicklung.
Ocean Peak: Wenn die Berge auf den Ozean treffen
Die Persönlichkeit des Skippers und sein bisheriger Werdegang sind bereits außergewöhnlich. Doch sein gesamtes Projekt, das den Namen Ocean Peak trägt, geht noch einen Schritt weiter. Seinen alpinen Wurzeln treu, weigert sich Aurélien Ducroz, zwischen seinen beiden Leidenschaften zu wählen. Sein ehrgeiziges Ziel: Vor dem Start des Vendée Globe 2028 alle 82 Alpengipfel mit einer Höhe von über 4.000 Metern zu besteigen!
Über die unbestreitbare sportliche Herausforderung hinaus möchte Ducroz mit diesem Abenteuer eine Verbindung zwischen zwei Welten schaffen, die von denselben Anforderungen geprägt sind: vorausschauende Planung, Risikomanagement, die Interpretation meteorologischer Bedingungen und die Fähigkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn die Natur ihre eigenen Regeln vorgibt.
Dieser Ansatz passt besonders gut zum Hochseeregattasport, in dem mentale Ausdauer ebenso wichtig ist wie die reine sportliche Leistung.
Zwei Jahre, um die Herausforderung seines Lebens zu meistern
Der Zeitplan ist äußerst anspruchsvoll. Zwischen dem Training auf seiner IMOCA, den Qualifikationsregatten, der Suche nach finanziellen Partnern und den alpinen Gipfelbesteigungen muss der Segler und Bergsteiger mehrere Vorbereitungsprogramme parallel bewältigen.
Das für sein Segelprojekt erforderliche Budget schätzt er auf rund eine Million Euro pro Jahr. Mit dem Kauf des Bootes ist ein erster wichtiger Schritt getan. Der sportliche Erfolg wird jedoch ebenso davon abhängen, ob die notwendigen technischen und personellen Ressourcen gesichert werden können.
Ocean Peak hat darüber hinaus eine soziale Dimension. Aurélien Ducroz möchte sein Engagement für den Stiftungsfonds „Je pars, tu pars, il part“ fortsetzen, der sich dafür einsetzt, dass auch Familien mit begrenzten finanziellen Mitteln in den Urlaub fahren können. Ergänzt wird das Projekt durch pädagogische und audiovisuelle Inhalte, die seine Abenteuer in den Bergen und auf dem Ozean begleiten.
Ein Segler mit großem Herzen, der uns weiterhin zum Träumen bringen wird – auf dem Meer ebenso wie in den Bergen!